Tödliches Gas

Kohlenmonoxid hätte sie fast das Leben gekostet - Jetzt will sie ihren Rettern danken

Durch unbemerkten Gasaustritt wäre Doreen Männel beinahe in ihrem Badezimmer beim Duschen ums Leben gekommen. Ihr Bruder Daniel kümmert sich jetzt um sie. Foto: Christian Beier
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Durch unbemerkten Gasaustritt wäre Doreen Männel beinahe in ihrem Badezimmer beim Duschen ums Leben gekommen. Ihr Bruder Daniel kümmert sich jetzt um sie.

Doreen Männel überlebte knapp einen CO-Unfall in ihrer Wohnung am Breidbacher Tor – nun möchte sie andere für Gefahren durch Gas sensibilisieren.

Von Kristin Dowe

Solingen. Nur ein Sofa steht noch im Wohnzimmer von Doreen Männel, ansonsten ist ihre Wohnung in dem Mehrparteienhaus am Breidbacher Tor in der Solinger Innenstadt so gut wie leergeräumt. „Ich kann einfach nicht mehr hierhin zurück“, sagt die 36-Jährige entschlossen, bereit zum Auszug. Dass sie heute ihre Geschichte erzählen kann, ist dem geistesgegenwärtigen Handeln eines Freundes und der schnellen Rettungsaktion der Feuerwehr Solingen zu verdanken. Durch eine Kohlenmonoxidvergiftung ist die Solingerin nur knapp dem Tod entronnen.

„Ich möchte einfach ,Danke‘ sagen und die Menschen aufrütteln, wie wichtig ein CO-Melder in der Wohnung ist. Diese Dinger können Leben retten“, sagt sie rückblickend, denn ein solches Gerät hätte auch ihr wohl einiges erspart.

Es passierte kürzlich an einem Sonntagvormittag, als die junge Frau sich vor einer Verabredung im Bad noch kurz frisch machen wollte. Sie stand unter der Dusche, als ihr plötzlich schwindlig wurde. „Ich dachte zuerst, dass das an den Dämpfen durch das heiße Wasser liegen muss und habe das Fenster gekippt.“ Dann sei die Flamme des Boilers erloschen und das Wasser in der Dusche eiskalt geworden. Danach erinnert sie sich nur noch an Bruchstücke. „Ich hatte plötzlich ein lautes Pfeifen im Ohr.“ Wie in Zeitlupe habe sie wahrgenommen, wie ihr der Duschkopf aus der Hand glitt. Bereits stark benommen konnte sie nur noch kurz darüber nachdenken, was mit ihr los sein könnte. „Auf Gas wäre ich im Leben nicht gekommen“, gibt sie zu. Denn dies, so wird sie später erfahren, ist das Tückische an Kohlenmonoxid – der Stoff ist komplett geruchs- und farblos und kann bei Austritt in der Wohnung leicht völlig unbemerkt bleiben.

„Ein Co-Melder kann Leben retten.“

Doreen Männel überlebte knapp eine Kohlenmonoxidvergiftung.

Doreen Männels Glück war es, dass ihr Besuch, ein Freund der Familie, nebenan im Wohnzimmer lautes Röcheln aus dem Bad hörte. Nachdem er zunächst an einen Scherz geglaubt hatte, öffnete er schließlich die Tür zum Badezimmer, wo er Männel bewusstlos auf dem Wannenboden liegend und mit Schaum vor dem Mund vorfand. Sofort verständigte er den Notruf. „Irgendwann habe ich wie weit entfernt die Stimmen der Sanitäter gehört“, weiß sie noch.

In einem Schockraum des Städtischen Klinikums wachte sie schließlich auf, wo sie erfuhr, was geschehen war. „Ich hatte eine CO-Konzentration von 36,6 Prozent im Blut.“ 40 Prozent wäre Experten zufolge tödlich gewesen, nur wenige Augenblicke später hätte Männel keine Chance mehr gehabt. Zur weiteren Behandlung wurde sie in die Uniklinik Düsseldorf gebracht, wo ihr Körper in einer Druckkammer mit Sauerstoff versorgt wurde.

Riskant war der Einsatz auch für die Feuerwehr, die mit Verstärkung aus Wuppertal und unter Atemschutz zunächst 19 Anwohner der angrenzenden Wohnungen des Hauses in Sicherheit brachte und dann die Räume inspizierte. „Unsere Messgeräte haben sofort ausgeschlagen“, berichtet Einsatzleiter Michael Pölcher. Bereits im Hausflur sei eine geringe Konzentration Kohlenmonoxid festgestellt worden. Eindeutig geklärt ist die Ursache des Gasaustritts noch immer nicht, die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an.

„Der Klassiker ist allerdings ein Heizungsdefekt“, weiß Pölcher. Zwar seien Unfälle dieser Art kein Massenphänomen, doch kämen sie immer wieder vor. 2021 hatte die Feuerwehr vier Einsätze im Zusammenhang mit Kohlenmonoxid zu verzeichnen. Häufiger kämen sie in Shisha-Bars oder auch beim Campen vor, wo Menschen schon mal unbedarft mit Heizgeräten hantierten. „Gerade dort macht ein CO-Melder Sinn“, so Pölcher. Die Geräte seien je nach Modell für etwa 60 Euro zu haben. „Jeder, der ein Verbrennungsgerät im Haus hat, sollte so etwas besitzen.“ Wichtig, um solchen Unfällen vorzubeugen, sei außerdem regelmäßiges Lüften sowie Warten der Heizungsanlage.

An der Heizungsanlage wurde bislang kein Defekt festgestellt

Im vorliegenden Fall sei bislang derweil kein konkreter Defekt festgestellt worden, sagt Daniel Winter, der Bruder der Solingerin. Nach dem Unfall nahm er seine Schwester erst mal bei sich auf. „Wir werden vielleicht nie erfahren, was es war. Die Abgaswerte entsprachen alle der Norm und auch die Inspektionen wurden jedes Jahr ordnungsgemäß durchgeführt“, so Winter.

Man vermute eine Verkettung unglücklicher Zufälle – so könne möglicherweise der Wind draußen so ungünstig auf die drei nebeneinanderliegenden Kamine gedrückt haben, dass ein Versiegelungseffekt entstand und die Abgase durch die Rohre zurück in Männels Wohnung gedrückt wurden. Das Erlebnis muss die Familie nun in kleinen Schritten verarbeiten, ist sich Winter bewusst. „Wir danken allen Beteiligten, die für die Rettung meiner Schwester ihr eigenes Leben riskiert haben.“

Vorbeugen

Schutz: Der zuständige Schornsteinfeger kann kompetent zur Anschaffung eines CO-Melders beraten. Weitere Informationen und Tipps rund um das Thema Brandschutz und Prävention vor Gasunfällen gibt es unter anderem auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale.

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