Die Woche von Stefan M. Kob

Im Klosterhof kann ein neuer Leuchtturm entstehen

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Vermutlich geht es dem Klingenmuseum nicht anders als dem Kölner Dom – man ist irgendwie prägend für die Stadt, aber Einheimische trifft man eher selten an.

Der Solinger geht weniger in die eigenen Museen, obwohl er eine respektable Auswahl hat: Rheinisches Industriemuseum, Kunstmuseum, Zentrum für verfolgte Künste, Schloss Burg, dazu noch kuriose Nischen wie die Laurel & Hardy oder Plagiarius. In der bunten Landschaft nimmt das Klingenmuseum aber eine Sonderstellung ein. Schließlich ist es die Institution, die schon vom Namen her eng mit der Geschichte Solingens als weltberühmter Klingenstadt verbunden ist. Daher zieht es auswärtige Besucher oft in den Klosterhof in Gräfrath. Und ebenso oft sind sie enttäuscht. Denn nicht nur die Exponate sind historisch, auch die angestaubte Form der Präsentation wirkt aus der Zeit gefallen. Doch in der Zukunft könnte auch für Solinger der Besuch im Klingenmuseum Pflichtprogramm werden. Denn der Startschuss zur grundlegenden Erneuerung ist gefallen. Was da so alles möglich ist, lässt sich 12 Kilometer weiter südlich bestaunen: In Schloss Burg ist das kunterbunte Durcheinander von zusammenhanglosen Exponaten aus allen möglichen Epochen von einer multimedialen Präsentation abgelöst worden, die die Geschichte des Schlosses und derer von Berg modern, lebensnah und spannend vermittelt.

Mit dem Büro Merz Merz (Berlin/Stuttgart) hat man ein unkonventionell, übergreifend und stark konzeptionell arbeitendes Team für den Wandlungsprozess gewinnen können, das auch international schon bewiesen hat, dass es aus Raupen Schmetterlinge macht. Die Referenzen reichen von Gedenkorten wie dem zum Olympia-Attentat in München oder dem Berliner Breitscheidplatz über Häuser wie das Wiener Sigmund Freud Museum bis hin zu kommerziellen Erlebniswelten wie Swarovski oder Mercedes Benz. Wenn dann zu einem modernen Klingenmuseum noch Leuchttürme wie die Gläserne Werkstatt in der Innenstadt oder der Skywalk Müngstener Brücke dazukommen, könnte Solingen touristisch in eine neue Liga aufsteigen.

Allerdings nur dann, wenn man unsere Stadt noch von außen gut erreichen kann. Die Planungen zum achtstreifigen Ausbau der A 3 zwischen Opladen und Hilden lässt das Thema „Autobahnanschluss” wieder akut werden. Oberbürgermeister Tim Kurzbach hatte versucht, mit seinen Bürgermeisterkollegen aus Leichlingen und Langenfeld die jahrzehntelange Blockade bei diesem Thema aufzubrechen. Doch das war vor der Wahl und vor Corona. Spätestens ab Montag, wenn feststeht, wer die nächsten fünf Jahre im Leichlinger Rathaus sitzt, sollte das Thema wieder auf die Tagesordnung. Denn der A 3-Ausbau ist nicht nur eine Chance, sondern auch eine Riesengefahr, dass Solingen endgültig vom Autobahnnetz abgehängt wird. Da helfen dann auch keine Leuchttürme mehr, die Klingenstadt anzusteuern.

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