Klinikum in Solingen

Akupunktur kann Krebspatienten helfen

Oberärztin Dr. Julia Hartung zeigt, wie sie bei der Akupunktur eine Nadel setzt. Die Onkologin hat sich unter anderem auf Traditionelle Chinesische Medizin spezialisiert.
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Oberärztin Dr. Julia Hartung zeigt, wie sie bei der Akupunktur eine Nadel setzt. Die Onkologin hat sich unter anderem auf Traditionelle Chinesische Medizin spezialisiert.

Das Städtische Klinikum bietet Traditionelle Chinesische Medizin in der Onkologie an. Dabei geht es um einen Zusatz zur Schulmedizin.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Das Städtische Klinikum startet ein neues Angebot für Tumorpatienten. Ab 1. Februar können sie ergänzend zur Schulmedizin Behandlungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wahrnehmen: Akupunktur ebenso wie Phytotherapie mit Heilkräutern, Ernährungsberatung, Bewegung sowie Wärmetherapie. Es gehe um einen Zusatz zur Schulmedizin, um Patienten in einer schwierigen Zeit mit weiteren Angeboten zu helfen, erklärt Dr. Viola Fox, Chefärztin des Zentrums für Hämatologie und Onkologie.

„Das ist immer nur eine Ergänzung“, betont auch Oberärztin Dr. Julia Hartung, die für die Integrative Medizin zuständig ist. Die Internistin hat sich neben der Hämatologie und Onkologie auf TCM spezialisiert. Ihre Ausbildung dafür hat sie unter anderem im chinesischen Chengdu und an der Universität Witten-Herdecke absolviert. Neben der Tätigkeit in einer Düsseldorfer Praxis bildet Hartung andere in Traditioneller Chinesischer Medizin weiter.

Dass sie mit dem Angebot gerade jetzt am Klinikum startet, passt aus ihrer Sicht gut. Im chinesischen Kalender hat am Montag das Jahr des Wasser-Hasen begonnen. „Der ist viel ruhiger als der Wasser-Tiger aus dem Vorjahr. Work-Life-Balance und die Fürsorge für sich und andere ist in diesem Jahr ganz wichtig.“

Die ergänzenden Behandlungen richten sich ausschließlich an Tumorpatienten des Klinikums. „In den USA bietet jedes große Zentrum TCM als Zusatz an“, erklärt Hartung. Auch in Deutschland werde die ganzheitliche Therapie zunehmend angewandt. „Zum Beispiel in der Brustkrebsbehandlung an der Uniklinik Köln.“ Denn Fachleute gingen davon aus, dass bis zu 80 Prozent der Tumorpatienten zusätzliche Behandlungen neben der Schulmedizin wünschten. Das Problem: „Viele nehmen auf Anraten von Freunden oder Familie Zusätze ein, die mit der Tumortherapie nicht verträglich oder sogar kontraproduktiv sind“, erklärt Fox. Ein Beispiel sei Johanniskraut, das mit vielen Medikamenten interagiere, diese also verstärkt, abschwächt oder wirkungslos macht.

Nebenwirkungen wie Erbrechen und Schmerzen lindern

Im Gespräch mit dem Patienten könne sie sortieren, was sie aus dem Spektrum der TCM für wichtig halte, sagt Hartung. Besonders sicher sei da die Akupunktur, weil sie mit der Tumortherapie verträglich ist. Bei zahlreichen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Schlafstörungen und Gelenkbeschwerden könne sie Linderung schaffen. „Studien zeigen, wie wirksam Akupunktur dagegen unterstützen kann.“ Die feinen Nadeln setzt Hartung dabei an Punkten „vom Scheitel bis zur Sohle“. Zwischen 20 und 30 Minuten blieben diese „liegen, manchmal auch kürzer“. Die Akupunktur biete sie während der Chemotherapie ebenso an wie davor oder danach. Neben Akupunktur könnten auch Wärme und Bewegung helfen. Neben Yoga (sei demnächst auch Qi Gong geplant. Zudem berät Hartung zu Ernährung.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die zusätzlichen Behandlungen nicht. „Private übernehmen die Akupunktur.“ Um das Angebot möglichst vielen Patienten zugänglich zu machen, bezahlten sie rund 11 Euro pro Einzelsitzung.

Laut Chefärztin Dr. Viola Fox werden im Zentrum für Hämatologie und Onkologie pro Quartal rund 600 Patientinnen und Patienten behandelt.

Bewegungsangebot

Yoga: Die Onkologische Ambulanz im Städtischen Klinikum bietet seit kurzem Yoga für Patientinnen und Patienten an, die an Krebs erkrankt sind. In einer neuen Leitlinie werde das als begleitendes Verfahren in der Krebstherapie offiziell empfohlen. Das Angebot mit der zertifizierten Yoga-Trainerin Anette Mertens findet jeden Donnerstagnachmittag im Klinikum statt. Die Trainingseinheit kann auch zu Hause über Zoom-Videokonferenz verfolgt werden. „Eine Vielzahl von Studien hat in den letzten Jahren gezeigt, dass Yoga Patienten körperlich und psychisch stärken kann“, erklärt Chefärztin Dr. Viola Fox. Der Kurs wird mit Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Klinikums angeboten. Die Teilnahme ist für Patienten der Onkologischen Ambulanz kostenfrei.

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