Auch Kräfte aus dem Ausland werden rekrutiert

Städtisches Klinikum reagiert auf Personalmangel

Die neuen Pflegekräfte am Städtischen Klinikum, hier mit Dr. Martin Eversmeyer (Vorsitzender der Geschäftsführung) sowie Pflegedirektor Dieter Ohmstedt (beide hinten rechts), decken nur den dringendsten Bedarf. Foto: Michael Schütz
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Die neuen Pflegekräfte am Städtischen Klinikum, hier mit Dr. Martin Eversmeyer (Vorsitzender der Geschäftsführung) sowie Pflegedirektor Dieter Ohmstedt (beide hinten rechts), decken nur den dringendsten Bedarf.

Der Arbeitsmarkt in der Pflege ist auch in Solingen stark eingebrochen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Der bundesweit gestiegene Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal in der Krankenpflege macht sich auch in Solingen bemerkbar. Das Städtische Klinikum hat nun mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Versorgungslücken weiter zu schließen. „Wir freuen uns, dass wir eine große Anzahl neuer und gut ausgebildeter Pflegefachkräfte gewinnen konnten“, berichtet Pflegedirektor Dieter Ohmstedt.

Solingen: 37 examinierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihren Dienst angetreten

So haben 37 examinierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits zum 1. Oktober ihren Dienst im Klinikum angetreten, die aus der Ausbildung an dessen hauseigener Akademie für Gesundheitsberufe hervorgegangen sind oder von anderen Krankenpflegeschulen beziehungsweise aus dem Ausland rekrutiert worden sind. Zusätzliche 20 ausländische Beschäftigte, vornehmlich aus Albanien und Nordmazedonien, sollen im vierten Quartal folgen. Weitere Einstellungen sind für 2022 geplant. „Wir haben bewusst nur in Ländern rekrutiert, in denen nicht ohnehin schon ein hoher Bedarf an Pflegekräften herrscht“, betont der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Martin Eversmeyer.

„Unsere Bemühungen haben Früchte getragen.“

Dr. Martin Eversmeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung

Auch die Philippinen wolle man künftig stärker in den Blick nehmen. Die Regierung des Landes lege großen Wert darauf, dass die nach Deutschland abwandernden Pflegekräfte fair – in diesem Fall nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes – bezahlt werden. „Es sieht aus, als ob die Menschen mit Freude zu uns kommen.“ Die Bewerbungsgespräche habe das Team per Videokonferenz geführt, die Motivation der Bewerber – zumeist unter 30 Jahre alt – sei hoch.

Um den Neuankömmlingen den Start in einem fremden Land zu erleichtern, stehen ihnen am Klinikum eigens für sie beauftragte Paten als Ansprechpartner in Alltagsfragen unterstützend zur Seite.

Grundsätzlich verfügten die ausländischen Beschäftigten alle über einen Bachelor- oder Masterstudienabschluss in Krankenpflege oder Pflegewissenschaft und seien somit sehr gut für ihren Job in Deutschland qualifiziert. Solide Deutschkenntnisse seien eine weitere Voraussetzung, um einen Job in Deutschland in der Pflege annehmen zu können. Nach einem sogenannten Anpassungslehrgang, den das Solinger Klinikum selbst organisiert und durchführt, erhielten die Neuzugänge ihr deutsches Diplom.

Solingen: Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren stark eingebrochen

Zwar konnte der dringendste Bedarf am Klinikum mit den Einstellungen erst einmal gedeckt werden, doch bleibe es weiterhin eine Herausforderung, die Stationen mit der gesetzlich vorgesehenen Mindestanzahl an Pflegekräften auszustatten, räumt Pflegedirektor Dieter Ohmstedt ein. „Da ist der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren stark eingebrochen.“

Am Solinger Klinikum habe man in der Vergangenheit deshalb schon auf Freiberufler zurückgreifen müssen, die auf Honorarbasis arbeiteten – dies sei allerdings nicht die bevorzugte Lösung. Weil in den kommenden fünf Jahren mehr als 80 pflegerische Mitarbeitende des Klinikums in die Altersrente gehen und zudem vor allem die Frauen unter den Beschäftigten häufig eine Familienpause im Job einlegten, steige der Bedarf weiterhin.

Der zweite Baustein, um dem Mangel entgegenzuwirken, ist für das Klinikum das Thema Ausbildung: So verdoppelte man die Zahl der Ausbildungsplätze in der Gesundheits- und Krankenpflege in diesem Jahr von 25 auf 50. Weitere 20 Plätze kamen im Bereich der Gesundheits- und Pflegeassistenz hinzu. Auch sonst bemühe sich das Klinikum, die im Haus ausgebildeten Absolventen zu halten. „Unsere Bemühungen haben schon Früchte getragen“, resümiert Eversmeyer. „Trotzdem bleibt die Sache eng.“

Kliniken

Bethanien: Im Krankenhaus Bethanien sind aktuell alle Stellen auf den peripheren Stationen besetzt, während auf der Intensivstation nur 50 von 57 Stellen besetzt sind. Das Defizit gleiche man mit Zeitarbeitspersonal aus.

St. Lukas Klinik: Die Einrichtung sucht vor allem im intensivmedizinischen Bereich Verstärkung und erhält künftig ebenfalls Unterstützung von den Philippinen. Zudem setzt man auf interne Weiterbildungen.

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Standpunkt: Anreize schaffen

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Nicht nur, dass die Corona-Pandemie der Gesellschaft überdeutlich vor Augen geführt hat, welche elementar wichtige Arbeit Krankenpflegerinnen und -pfleger jeden Tag in ihrem anspruchsvollen Beruf leisten – sie hat den Bedarf in diesem Segment auch weiter verschärft. So werden die Kliniken in Zukunft mehr denn je auf Verstärkung aus dem Ausland angewiesen sein. So lange die Rekrutierung dabei aus Ländern erfolgt, die nicht selbst dringenden Personalbedarf in der Pflege haben, können in einer globalisierten Welt alle davon profitieren. Klar ist aber auch: Ausländische Pflegekräfte allein werden das Problem nicht lösen. Gesundheitspolitik und Arbeitgeber müssen gleichermaßen Anreize schaffen, damit sich auch langfristig genügend junge Menschen für einen Beruf in der Krankenpflege entscheiden. Dazu gehören eine faire Bezahlung, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ausreichend Personal auf den Stationen, wo für gewöhnlich viel Arbeit auf wenige Schultern verteilt wird. Auch eine gute Ausbildung motiviert Absolventen, sich langfristig an ihren Arbeitgeber zu binden. An all diesen Faktoren müssen die Verantwortlichen parallel ansetzen.

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