Finanzen

Klinikum: Protest in der „aktiven Pause“

Etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hörten bei der „aktiven Pause“ im Klinikum die Ansprachen von (v.l.): Prof. Dr. Thomas Standl, Dr. Martin Eversmeyer, Anke Jahncke und Kai Sturmfels.
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Etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hörten bei der „aktiven Pause“ im Klinikum die Ansprachen von (v.l.): Prof. Dr. Thomas Standl, Dr. Martin Eversmeyer, Anke Jahncke und Kai Sturmfels.

Das Krankenhaus fordert finanzielle Unterstützung in der Corona- und Inflationskrise.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Städtischen Klinikums nutzten am Mittwochmittag ihre „aktive Pause“, um an einer Protest-Veranstaltung teilzunehmen. Unter dem Motto „Alarmstufe Rot: Krankenhäuser in Gefahr“ hatten Klinikum-Geschäftsleitung und Gewerkschaft Verdi dazu eingeladen. „Es geht um die Finanzierung der Krankenhäuser und damit auch um die Arbeitsplätze“, umriss Dr. Martin Eversmeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung, das Problem.

Die gemeinsame Kritik richtete sich dabei gegen die Politik. „Die Corona-Krise ist für die Krankenhäuser nicht zu Ende, deshalb brauchen wir eine weitere Unterstützung wie die im April ausgelaufene Corona-Pauschale, um zusätzliche Belastungen zu finanzieren.“ Auch sei das Haus durch die hohe Inflation von über 7 Prozent schwer belastet. „Wir können unsere Preise aber nicht selbst bestimmen, und die 2,4 Prozent Veränderungsrate, die die Kliniken bekommen, ist keinesfalls ausreichend.“

Eversmeyer kritisiert zudem das System der Leiharbeit – 5 Millionen Euro hat das Klinikum wegen Personalmangels alleine in diesem Jahr bislang für Leiharbeitskräfte ausgegeben. „Wenn die Politik das System unterbinden oder zumindest die Bezahlung an unsere Tarife anpassen würde, könnten wir die Mitarbeiter wieder zurückgewinnen“, so Eversmeyer, der seinem Team einen großen Dank für das Engagement „bis zur Belastungsgrenze“ aussprach.

Kosten-Erlös-Schere geht immer weiter auseinander

Das unterstrich auch der Medizinische Direktor Prof. Dr. Thomas Standl. „Wir erwarten deshalb, dass die Politik uns nicht im Regen stehen lässt bei den Themen Corona-Hilfe, Mitarbeiter-Gewinnung und Inflation.“ Dass vielen Kliniken bereits die Luft ausgehe, skizzierte der Aufsichtsratsvorsitzende Kai Sturmfels (CDU). „Zwei Drittel aller Häuser haben im vergangenen Jahr keine schwarze Null geschafft, Solingen gehört zwar nicht dazu, aber auch bei uns geht die Kosten-Erlös-Schere immer weiter auseinander.“ Es fehle vor allen Dingen Geld für notwendige Investitionen.

Lesen Sie auch: Kliniken und Krankenkassen müssen verhandeln

Als Ausgleich für die Kostensteigerung befürchtet Betriebsratsvorsitzende Anke Jahncke Einsparungen beim Personal. „Aber seit drei Jahren haben die Mitarbeiter schon massive Belastungen“, skizziert sie die Lage. Viele hätten deshalb schon gekündigt oder die Arbeitszeit reduziert. Ausdrücklich lobte sie den Schulterschluss von Geschäftsführung und Personal. Dem schloss sich auch der Landtagsabgeordnete Josef Neumann (SPD) an. „Bundesgesundheitsminister Lauterbach muss jetzt endlich einen Finanzierungsplan für die seit Jahren gebeutelten Kliniken aufstellen.“

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