Corona-Krise

Kliniken ziehen Pflegekräfte zusammen

Intensivkrankenschwester Anna Hoppe betreut im Städtischen Klinikum einen Covid-19-Patienten. Foto: Tim Oelbermann
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Intensivkrankenschwester Anna Hoppe betreut im Städtischen Klinikum einen Covid-19-Patienten.

Neben den Intensivbetten wird ausreichend Personal benötigt.

  • Die Zahl der stationär zu behandelnden Covid-19-Patienten ist stark angestiegen.
  • Noch reicht das Personal in den Kliniken aus - es gibt aber Notfallpläne.
  • Im Klinikum sind 23 Mitarbeiter positiv getestet.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Mit Sorge blickt man auch in den Solinger Kliniken auf die hohe Zahl der Corona-Infizierten in der Stadt. Denn in den vergangenen drei Wochen ist auch die Zahl der Erkrankten, die stationär behandelt werden müssen, stark angestiegen. Ebenso die Zahl der schweren Fälle, am Freitag verstarb ein 83-jähriger Mann mit Vorerkrankungen.

Wie viele Covid-Patienten werden aktuell in den Kliniken behandelt?

Bei sieben bis zehn Covid-19-Patienten auf der Intensivstation hat sich die Zahl in der Lungenfachklinik Bethanien in den vergangenen Tagen eingependelt, dazu kommen die etwa 20 Patienten auf der Infektionsstation. Im Städtischen Klinikum wurden Stand gestern zehn Corona-Patienten behandelt, davon zwei beatmungspflichtig. Zudem sind in der St. Lukas Klinik sechs positiv Getestete in Behandlung.

Gibt es ausreichend qualifiziertes Personal?

Neben der Zahl an Intensivbetten sei ausreichend Personal für die Intensivpflege ein kritischer Faktor. Wie in den meisten Krankenhäusern fehlten auch im Klinikum qualifizierte Fachkräfte, skizziert Pflegedirektor Dieter Ohmstedt die Lage. Davon seien auch die Intensivstationen betroffen. Aktuell seien im Pflegedienst 20 Stellen nicht besetzt. „Derzeit gelingt es uns noch, den Bedarf an Intensivbetten auch pflegerisch zu besetzen.“

Von den 59 Pflegekräfte-Stellen auf der Intensivstation in Bethanien sind derzeit sieben bis neun unbesetzt. „Das decken wir aber auf anderem Weg“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath. So arbeitet man in Aufderhöhe auch mit Personal aus Fremdfirmen. Durch Schulungen sei es mittlerweile gelungen, das eigene Personal aufzustocken. „Wir versuchen natürlich, so viel wie möglich mit eigenen Mitarbeitern zu besetzen.“

Auch in der St. Lukas Klinik reicht die Personaldecke noch aus. „Es gibt aber Notfallpläne, die kurzfristig umgesetzt werden können“, erklärt Cerstin Tschirner, Sprecherin der Kplus Gruppe.

Wird in den Kliniken schon zusätzliches Personal geschult?

Sollte das Intensivpersonal nicht mehr ausreichen, gilt in der St. Lukas Klink der Plan, Mitarbeiter aus anderen Bereichen einzusetzen. „Wir haben Mitarbeiter aus der Anästhesie- und OP-Pflege in den vergangenen Monaten im Umgang mit beatmeten Patienten geschult“, so Tschirner, Das würde aber bedeuten, dass andere planbare Eingriffe runtergefahren würden.

Auch im Klinikum würden die Intensivpflegekräfte, die sich um die Versorgung der schwerstkranken Patienten kümmern müssen, von anderen qualifizierten Pflegekräften unterstützt, etwa für Patienten mit erhöhtem Überwachungsbedarf auf der „Intermediate-Care-Station“ (Zwischenstufe zwischen Intensiv- und Normalstation). Auch unabhängig von der Corona-Pandemie möchte das Klinikum das Pflegepersonal auch im kommenden Jahr weiter aufstocken, auch mit Blick auf den gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel.

Das Bethanien-Krankenhaus könnte notfalls hochqualifizierte Pflegekräfte der Südpark-Klinik einsetzen, die schon im Frühjahr geschult wurden. „Dann könnte in der Südpark-Klinik aber nicht mehr operiert werden und sie müssten einen Ausgleich bekommen“, so Prof. Randerath.

Ist die Pflegepersonaluntergrenze ein Problem während der Pandemie?

Ein Pfleger darf nur eine bestimmte Anzahl von Patienten betreuen. „Wenn das Patientenaufkommen also stark zunimmt, wäre es sinnvoll – wie zu Beginn der Pandemie im Frühjahr – die Pflegepersonaluntergrenze wieder zeitweise aufzuheben“, so Prof. Randerath. „Das würde uns eine größere Flexibilität ermöglichen, muss natürlich von den Mitarbeitern umsetzbar sein.“

Die Pflege der Covid-Patienten sei aber wegen der Schutzmaßnahmen sehr aufwendig. „Beim Betreten jedes Zimmers müssen Kittel, Haube, Schutzbrille und Handschuhe gewechselt, zudem Handdesinfektion durchgeführt werden“, so Cerstin Tschirner.

Wie viele Pflegekräfte sind erkrankt?

Im Klinikum sind 23 Mitarbeiter positiv getestet und weitere 14 in Quarantäne. In der St.  Lukas Klinik ist eine Pflegekraft positiv, eine weitere in Quarantäne.

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Standpunkt: Rechnung mit Unbekannten

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Der Mangel an Pflegekräften in den Krankenhäusern ist nicht erst seit der Corona-Pandemie bekannt. Aber wie in jeder Krise wird dieses Problem jetzt besonders deutlich. Klar ist, dass Intensivpflegekräfte, die schwerstkranke Patienten versorgen, nicht in kurzer Zeit geschult werden können. Da bleibt den Kliniken im Notfall nichts anderes übrig, als eigenes Personal aus anderen Bereichen abzuziehen. Dort fehlen sie dann auf den Stationen und in den Operationssälen. Bleibt zu hoffen, dass die Ankündigung der Bundesregierung, die Kliniken für eventuelle Ausfälle an Operationen und Bettenbelegungen zu entschädigen, auch Bestand hat. Die Gesundheitsvorsorge ist eine Rechnung mit mehreren Unbekannten. Keiner weiß, wie weit die Zahl der Covid-Patienten noch steigt, wie viele intensiv- oder beatmungspflichtig werden. Deshalb muss es sich ein reiches Land wie Deutschland auch auf Dauer leisten, medizinisches Material und Personal vorzuhalten.

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