Liebe baut Brücken

„Klingenpride“: Solingen bekommt CSD

Manfred Ackermann (l.) und Patrick Baron organisieren den „Klingenpride“.
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Manfred Ackermann (l.) und Patrick Baron organisieren den „Klingenpride“.

Im Südpark geht am 30. Juli erstmals ein Christopher Street Day über die Bühne.

Von Kristin Dowe

Solingen. Noch immer sind homosexuelle und queere Menschen im Alltag oft Intoleranz und Diskriminierung ausgesetzt. Der Christopher Street Day setzt in vielen deutschen Städten seit Jahren ein Zeichen dafür, dass jede Form von Liebe ihre Berechtigung hat. Am 30. Juli gibt es die Veranstaltung zum ersten Mal auch in Solingen. Dann soll unter dem Motto „Liebe baut Brücken“ im Südpark der „Klingenpride“ über die Bühne gehen, ein buntes Straßenfest unter der Flagge des Regenbogens.

„Wir haben uns gefragt, warum nicht auch in Solingen funktionieren soll, was in Hamburg, Köln oder Berlin funktioniert“, sagt Falk Dornseifer, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des traditionellen Solinger Brauchtums, der den Klingenpride federführend veranstaltet. „Der Südpark ist dafür optimal geeignet.“ Das sah man bei den Güterhallen offenbar genauso - der dortige Verein gab für die Nutzung des Geländes schon grünes Licht.

Die Idee zu einem CSD in der Klingenstadt hat der Solinger Manfred Ackermann auf den Weg gebracht. „Wir haben an dem Samstag ab 10 Uhr morgens ein sensationelles Bühnenprogramm geplant“, kündigt er an. Unter anderem hätten Künstlerinnen und Künstler wie Just Dimi, Julius Fendrich Sonia Liebing oder die Pirates of Love ihr Kommen zugesagt.

Auch die Solinger Landes- und Bundesabgeordneten sind eingeladen

„Ich finde es toll, dass die Stadt dabei mitzieht“, freut sich Ackermann. Diese werde auch mit einem eigenen Stand vertreten sein, an dem Interessierte sich beispielsweise über Beratungsangebote zum Thema Coming-out informieren können.

Insgesamt sind drei Bühnen vorgesehen. Auf einer sollen auch Diskussions- und Talk-Formate stattfinden. „Es steht zwar noch nicht genau fest, wer Zeit haben wird, aber unsere Solinger Landtags- und Bundestagsabgeordneten werden auf jeden Fall eingeladen“, kündigt Ackermann an. Auch Initiativen wie „Be Yourself“, ein Angebot für homosexuelle Geflüchtete, oder die Gruppe „Der Gemischtwarenladen“ sind mit im Boot.

Auf einen Umzug mit Wagen durch die Straßen, wie es ihn in anderen Städten gibt, möchten die Veranstalter zum Auftakt erst mal verzichten. „Der Klingenpride wird ja komplett ehrenamtlich organisiert. Deshalb möchten wir erst mal schauen, wie es dieses Jahr läuft und einfach ein tolles Straßenfest feiern“, erklärt Ackermann.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) wird die Veranstaltung feierlich eröffnen, für den Abend ist dann ab 22 Uhr eine „After-Klingenpride-Party“ im „Gewölbe hoch 3“ an der Konrad-Adenauer-Straße geplant. Finanziert wird der Solinger CSD durch verschiedene Einzelspender und Sponsoren. Unter anderem die Stadt-Sparkasse Solingen und das Zweirad-Center Legewie unterstützen das Vorhaben. Ackermann und seine Mitstreiter hoffen auf eine große Strahlkraft des Events auch über Solingen hinaus.

Ausstellung beschäftigt sich mit antihomosexueller Gesetzgebung

Darüber hinaus wird am Dienstag, 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Queer-Feindlichkeit, am Rathaus die Regenbogenflagge gehisst, die an jenem Wochenende auch an allen anderen öffentlichen Gebäuden wehen wird. Zudem werden OB Kurzbach und Bibliotheksleiterin Heike Pflugner ab 17 Uhr in der Stadtbibliothek die Ausstellung „Im Wandel der Zeit“ eröffnen, die sich mit der Geschichte antihomosexueller Gesetzgebung in Deutschland beschäftigt.
klingenpride.de

Standpunkt von Kristin Dowe: Touristische Strahlkraft

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Gerade mal fünf Jahre ist es her, dass homosexuelle Paare in Deutschland heiraten dürfen. Und auch wenn die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen und queeren Menschen auf dem Papier nunmehr weitgehend vollzogen sein mag - Anfeindungen und Diskriminierung sind noch immer häufig Teil ihrer Lebensrealität. Der Christopher Street Day setzt seit Jahren in vielen Städten ein Zeichen dafür, dass es für Liebe niemals einer Rechtfertigung bedarf - egal, welchem Geschlecht sie gilt oder welche sexuelle Orientierung jemand besitzt.

Und auch die Stadt selbst dürfte davon profitieren, dass Solingen mit dem „Klingenpride“ nun einen eigenen CSD erhält. Denn nicht nur trägt ein solches Veranstaltungsformat zu einem weltoffenen Image der Stadt bei, das bunte Straßenfest im Südpark besitzt auch touristische Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus. Insofern haben alle Beteiligten ein Lob verdient, dass sie für ein solches Projekt den Mut aufbringen.

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