Forschung

Klingenmuseum wird Wissenschaftsstandort

Das Deutsche Klingenmuseum bereitet eine inhaltliche Neukonzeption vor. Dazu gehört auch, das Museums für die Wissenschaft zu öffnen. Das Haus will dazu Kontakte ausbauen und neu knüpfen. Foto: Michael Schütz
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Das Deutsche Klingenmuseum bereitet eine inhaltliche Neukonzeption vor. Dazu gehört auch, das Museums für die Wissenschaft zu öffnen. Das Haus will dazu Kontakte ausbauen und neu knüpfen.

Eine Neukonzeption soll den Stellenwert der historischen Stahlwaren verdeutlichen.

Von Philipp Müller

Solingen. Es war um die Osterzeit 2019 als sich Dr. Sixt Wetzler mit einer Anekdote an die Öffentlichkeit wandte. Aus dem Domschatz in Trier hatte er eine Reliquie begutachtet. Es handelte sich um ein prunkvolles Messer, dem nachgesagt wird, Jesus habe es beim Abendmahl kurz vor der Verhaftung durch die römischen Soldaten benutzt. Das stimmte so nicht. Das Messer war jünger. Wetzler erklärte verschmitzt: „Wenn überhaupt, hatte Jesus einen Vorgänger des Messers in der Hand.“

Die Anekdote hat aber eine Bedeutung für die anstehende Neukonzeption des Museums in den kommenden Jahren. Wetzler, der seit Monatsbeginn Leiter des Museums ist und die Rolle der Stellvertretung mit seiner Vorgängerin Dr. Isabell Immel getauscht hat, ist auch ein Mann der Wissenschaft. So kam das Abendmahlmesser über enge Kontakte zur Uni Trier nach Solingen. Die zielgerichtete Verzahnung in die Wissenschaft rund um die Klingen und ihre Historie will Wetzler parallel zum Prozess der Neuaufstellung der Sammlung vertiefen.

Für die Besucher soll künftig die Welt und die Geschichte der Klingen, die Bedeutung Solingens als Lieferant für Stahlwaren in alle Welt und zugleich auch der Ruf der Weltmarke Solingen gut verständlich dargestellt werden. Aber ein Museum sei auch immer ein Ort der Forschung, machte Sixt Wetzler bei seiner Vorstellung in der neuen Leitungsfunktion des deutschen Klingenmuseums deutlich. Schon jetzt gebe es ständig Anfragen aus der Wissenschaft, von Universitäten, und auch Studenten besuchen das Haus im ehemaligen Gräfrather Klosterhof. Das sei auch eine Frage der Bedeutung, die das Museum bereits habe und künftig noch stärker haben soll, sagte er.

„Im Klingenmuseum gibt es noch viele Schätze zu heben.“

Sixt Wetzler, Museumsleiter

In diesem Monat beginnt die digitale Erfassung der Sammlung und des Depots. Dabei geht es um tausende Einzelstücke, die seit der Gründung des Museums vor mehr als 100 Jahren gesammelt, gekauft wurden und auch als Schenkung den Weg nach Gräfrath gefunden haben. Sie sollen neben der umfangreichen Literatursammlung ebenfalls die Basis für die Forschung bilden.

Doch es wird nicht nur um Geschichte gehen. Zuletzt war das Deutsche Klingenmuseum auch Partner eines Projekts für Materialforschung mit Akteuren aus Berlin und England. Dabei geht es darum, zu erforschen, aus der Materialzusammensetzung des Stahls oder Eisens der Schwerter, Messer und Dolche auf ihre Echtheit zu schließen. Ziel ist dabei neben der Altersbestimmung auch, Fälschungen von Originalen zu unterscheiden.

Mit dem Ansatz, die Forschung gezielt ins Haus zu holen, ist Dr. Wetzler nicht allein in Solingen. Das Zentrum für verfolgte Künste hat einen ähnlichen Ansatz. Direktor Jürgen Kaumkötter will im ehemaligen Gräfrather Rathaus für Historiker und Studenten sogar Arbeitsplätze schaffen, die sich mit den Werken und Biografien verfolgter und verfemter Künstler auseinandersetzen wollen.

Beide Museumsleiter treibt dabei auch die Erkenntnis an, mit der Nähe zur Wissenschaft dem Museumsstandort Solingen mehr Gewicht zu geben. Auch wenn man das an den Wänden und in den Vitrinen meist nicht sieht – ohne Forschung landen in Museen selten Schwerter oder Bilder von herausragender Bedeutung.

Klingenmuseum

Die Neukonzeption der Sammlung und des Auftritts des Museums wird von den Spezialisten Merz Merz aus Berlin begleitet. Im kommenden Jahr sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Parallel geht es um die Einwerbung von Fördergeldern für die Umsetzung des Konzepts.

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