Freizeit in der Natur

Kleingärtner: „Vereinsleben leidet unter der Krise“

Die Solinger Kleingärtner Frank Rinas (links) und Harri Haack nehmen den Infektionsschutz in der Corona-Krise sehr ernst. Foto: Michael Schütz
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Die Solinger Kleingärtner Frank Rinas (links) und Harri Haack nehmen den Infektionsschutz in der Corona-Krise sehr ernst.

Mitglieder der Anlage Germanenstraße und in ganz Solingen machen das Beste aus den Kontaktbeschränkungen in der Coronazeit.

Von Timo Lemmer

Solingen. Im Kleingarten ist die Welt noch in Ordnung. Die Blumen blühen, das aktuelle Gemüse ist längst ausgesät, die Kinder sind an der frischen Luft – und von 13 bis 15 Uhr herrscht Mittagsruhe. Auf einer Runde durch die Anlage auf der Germanenstraße winkt und grüßt Frank Rinas Dutzenden Menschen, bleibt immer wieder zum Plausch stehen: Überall wird gearbeitet, mal im Ackerboden, mal am Neubau der Laube aus den 1950er Jahren. Die Menschen sind betriebsam wie immer.

Doch das stimmt nicht für alle Bereiche des Lebens in einer Kolonie. Denn natürlich sind auch die Kleingärtner von der Corona-Krise betroffen. Das Vereinsleben leidet, der Gemeinschaftsraum darf nicht genutzt werden. Dabei ist das Vereinshaus traditionell geografisch und emotional die Mitte, das Herz einer Anlage. Etliche Feste mussten bereits ausfallen, viele weitere werden gewiss folgen.

Dabei hatten sie auf der Germanenstraße ihr Heim in der letzten Zeit mächtig in Schuss gebracht, das Vereinsleben war wieder prächtig ins Laufen gekommen. Gerade am Wochenende war das Heim, in dem Wände, Küche oder Toiletten renoviert wurden, abends immer rappelvoll - seit der Karnevalsparty ist Ruhe. „Aus Vereinssicht bedeutet das natürlich auch finanzielle Einbußen“, sagt Rinas. Im Vereinsheim dürfen aktuell nur Getränke im Außer-Haus-Verkauf angeboten werden. Jeder eingenommene Cent fließt wieder in die Anlage. Rinas hofft: Wenn die Kontaktbeschränkungen gelockert werden, kommen die Leute wieder - vielleicht sogar noch mehr als zuvor.

Kleingärtner hofft auf Urlaub innerhalb Deutschlands

Denn: „Alle freuen sich auf das Wiedersehen“, weiß Harri Haack. Beim Vorsitzenden des Stadtverbandes der Kleingärtner sind damit aber Sorgen verbunden. Wie wird es, wenn niemand in den Sommerurlaub kann? Alle Parzellenbesitzer werden ihren Garten zeitgleich nutzen, wenn sonst immer ein beträchtlicher Anteil verreist ist – und vermutlich Familienmitglieder und Freunde dabeihaben. „Das werden wir im Auge haben“, sagt Haack, der hofft, dass innerhalb Deutschlands verreist werden darf.

Denn das ist klar: Die Regeln rund ums Coronavirus werden im innerstädtischen Paradies ernstgenommen. Stolz verweist Rinas darauf, wie groß die Anlage „mitten in der Stadt“ ist – und wie kinder- und familienfreundlich. Dabei sind mittlerweile viele jüngere Menschen unter den Kleingärtnern: „.Die Freizeitanlage Garten ist wiederbelebt und gerade von Leuten mit Kindern entdeckt worden“, so Haack. 78 Gärten, zwischen 250 und 400 Quadratmetern, gibt es an der Germanenstraße.

Überall in Solingen halten sich die Kleingärtner vorbildlich an die Vorschriften, berichtet Haack. Familien kommen und bleiben im Garten, auf den Wegen sind alle allein oder zu zweit unterwegs. Rinas: „Die Leute sind umsichtig und diszipliniert. Das ist auch wichtig. Ich habe etwas die Sorge, man öffnet zu schnell wieder alles.“

In ihren Parzellen sind die Sorgen des Alltags dann fern. Viele packen Bauprojekte an, für die im normalen Arbeitsleben die Zeit fehlt. Auch Rinas hat so früh alles ausgesät wie sonst nie. Angst haben die Kleingärtner wegen des Virus nicht. Im Gegenteil: Sie kommen erst recht in ihren Garten. „Ohne meinen Garten kann ich nicht leben“, sagt der Imker des Vereins. Er habe eine riesige Wertschätzung für das Paradies, sagt Josef Sluga. Der 67-Jährige hat zwei Bienenvölker auf seinem Grund. Natürlich am Rand der Anlage: Die Bienen sollen ja nicht die Mittagsruhe stören.

STADTVERBAND

VERTEILUNG Der Stadtverband der Kleingärtner übernimmt für die Stadt Solingen die Erstverpachtung der Kleingärten und ist „Ansprechpartner sowie Entscheider in allen vertraglichen und baulichen Angelegenheiten der Solinger Kleingärten“. Vorsitzender ist Harri Haack, sein Stellvertreter Dieter vom Hofe.

ZAHLEN Laut Harri Haack gehören 36 Anlagen mit 33 angeschlossenen Vereinen und über 1980 Parzellen zum Verband.

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