ST vor Ort

Drohender Verkauf: Kleingärtner hoffen auf Hilfe der Stadt

Seit 30 Jahren bewirtschaftet Reinhard Altenbrunner den Garten.
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Seit 30 Jahren bewirtschaftet Reinhard Altenbrunner den Garten.

ST vor Ort: Ein Verkauf der Anlage am Bussche-Kessel-Weg wäre für die Pächter ein großer Verlust an Lebensqualität.

Von Michael Kremer

Ihr „Paradies auf Erden“ ist für die meisten der 110 Pächter in der Kleingartenanlage am Bussche-Kessel-Weg fußläufig erreichbar. Viele kommen jeden Tag dorthin – sommers wie winters. Für einige ist die Gemeinschaft zum Lebensmittelpunkt geworden. Dort treffen sie Gleichgesinnte, Freunde und die Familie. Manche haben in der Anlage ihre Kindheit verbracht und geben die Liebe zur Natur nun an ihre Enkelkinder weiter. Das verbindet die Menschen über Generationen, Nationalitäten und gesellschaftlichen Stand hinweg. Im Garten sind alle gleich.

Noch etwas schweißt die Kleingärtner zusammen: Sie wollen sich ihre Idylle nicht nehmen lassen. Genau dies beabsichtigt der Eigentümer: Die Deutsche Bahn Netz AG will die rund 15 000 Quadratmeter große Anlage am Ende der Viehbachtalstraße in Ohligs verkaufen. Das Gelände ist seit den 1970er Jahren als Gewerbefläche ausgewiesen.

Ohligser Kleingärtner protestieren gegen geplanten Verkauf

ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
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ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
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ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
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ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
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ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
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ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
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ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
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ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg
ST vor Ort in der Kleingartenanlage Bussche-Kessel-Weg © Uli Preuss

„Damals hatten Natur- und Artenschutz nicht die Bedeutung wie heute“, argumentiert Martin Ern gegen die Pläne der Bahn. Er ist wie ein Großteil der Pächter zum Stand des Solinger Tageblatts gekommen, um ST-Lokalchef Stefan Prinz zu berichten, warum er sich gegen den Verkauf wehren will. Die Kleingärtner möchten, dass die Stadt Solingen das Gelände kauft und an sie verpachtet. Möglichst zu den gleichen Konditionen (» Kasten) wie bisher. Um ihre Forderung zu untermauern, sammeln sie Unterschriften.

Der Artenschutz gehört dabei zu ihren wichtigsten Argumenten zum Erhalt der Laubensiedlung. Neben Bienen und zahllosen anderen Insekten fühlen sich auch seltene Pflanzen und Tiere in der Anlage wohl. Einige davon würden auf der Roten Liste stehen und seien vom Aussterben bedroht, betonen die Kleingärtner.

Wegen der Gärten extra an den Bussche-Kessel-Weg gezogen

Den Naturschutz führen sie als Argument an, weil ihre persönlichen Schicksale vermutlich kaum zählen würden. Wen würde es schon kümmern, dass beispielsweise Anja Dombrowski extra in die kleine Siedlung am Bussche-Kessel-Weg auf der anderen Seite der Bahnstrecke gezogen ist, um jederzeit mit ihrer Familie den Garten ihres Vaters besuchen zu können?

KLEINGARTENANLAGE

PACHT 110 Pächter teilen sich die 15 000 Quadratmeter große Fläche der um 1950 errichteten Kleingartenanlage am Bussche-Kessel-Weg. Im Gegensatz zu früher können mittlerweile auch Nicht-Eisenbahner eine Parzelle pachten. Die durchschnittliche Größe der Kleingärten liegt bei 300 Quadratmetern. Für seine 600 Quadratmeter große Parzelle zahlt der Vorsitzende Peter Sokoll eine jährliche Pacht von 190 Euro.

„Wir kommen jeden Tag vorbei“, erzählt Janet Savor. Er hat seinen Garten vor 39 Jahren gepachtet. Dort habe er seinen Kindern die Natur nahegebracht, habe ihnen gezeigt, wo Möhren und Salat wachsen. Ingrid Dunkel ist ein weiterer Aspekt wichtig: „Wo können sich Kinder sonst noch so frei bewegen?“

Ela Gülmaz sieht noch einen weiteren Nachteil, wenn sie ihren Garten abgeben müsste. „Wir würden viele Freunde verlieren“, sagt sie. Auch Horst Scharrenberg verweist auf die vielen Freundschaften, die über die Gartenzäune hinweg entstanden sind. Und Georg Kreull mag sich gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn er alles, was er mit eigenen Händen aufgebaut hat, wieder abreißen müsste. „Ich habe viel in den Garten investiert und brauche das angebaute Obst und Gemüse“, sagt er.

Verwaltung: „Wir nehmen die Sorgen der Kleingärtner ernst“

Der Rat der Stadt soll nach den Sommerferien entscheiden.

Von Stefan Prinz

Die Ohligser Kleingärtner wünschen sich, dass die Stadt Solingen der Bahn Netz AG die Kleingartenanlage Bussche- Kessel-Weg abkauft und weiterhin an die Kleingärtner verpachtet.

Das sagt die Stadtverwaltung auf ST-Nachfrage dazu: „Die Frage, ob die Stadt dieses Gelände ankaufen sollte, um es stattdessen der Öffentlichkeit als Kleingartengelände anzubieten, kann nur im Rahmen einer kommunalpolitischen und transparenten Debatte in den Ratsgremien entschieden werden“, heißt es aus dem Solinger Rathaus. Das bedeutet: Der Stadtrat muss entscheiden.

Lesen Sie auch: Kleingarten-Verkauf ruft Politik auf den Plan

Weiterhin erklärt Stadtsprecher Lutz Peters: „Dabei müssen die Belange des Naturschutzes und der Naherholung und die privaten Interessen von 80 Kleingärtnern gegen das gesamtstädtische Interesse an wirtschaftlicher Weiterentwicklung abgewogen werden.“

Es handele sich nicht um eine Frage, „die während der Sommerferien und der Ratspause schnell beantwortet werden kann“. Da kurzfristig auch keine Entscheidungen anstünden, sei das aber kein Problem. „Es brennt nichts an“, betont der Stadtsprecher.

„Da Bahnflächen-Entwicklungs-Gesellschaft NRW und Stadt die Sorgen der Kleingärtner ernst nehmen“, hätten beide vereinbart, nach den Sommerferien einen gemeinsamen Gesprächstermin mit dem Verein und dem Stadtverband der Kleingärtner zu organisieren“, sagt Lutz Peters.

„Seriöse Aussagen zu einem möglichen Kaufpreis“ der Anlage könnten derzeit noch nicht erwartet werden.

Politik: Vier Fraktionen versprechen Unterstützung

Nur die Freien Demokraten haben Vorbehalte gegen Ankauf.

Von Stefan Prinz

Die Fraktionen im Solinger Stadtrat haben sich auf Tageblatt-Nachfrage mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, die Kleingärtner in ihrem Existenzkampf zu unterstützen.

Ein Kommentar von Stefan Prinz

CDU-Fraktion: Die Stadtverwaltung solle mit der Bahn Netz AG Gespräche aufnehmen, um einen Verkauf der Anlage zu verhindern. Sollte das nicht möglich sein, solle die Stadt die Kleingartenanlage selbst kaufen „und für die Kleingärtner sichern“, sagt Fraktionschef Carsten Voigt.

SPD-Fraktion: „Wir können die Sorgen und den Ärger der Kleingärtner in Ohligs sehr gut verstehen - und daher auch ihre Idee, die Stadt könne den Konflikt durch den Kauf des Geländes lösen. Wir werden uns nach Rückkehr der Ratsfraktion aus dem Sommerurlaub sofort mit dem Thema befassen.“

FDP-Fraktion: Die Freien Demokraten sprechen sich gegen den Ankauf der Kleingartenanlage durch die Stadt aus. Das würde bedeuten, dass auch viele andere Bürger ähnliche Ansprüche anmelden würden.

Grünen-Fraktion: Der Ankauf der Kleingartenanlage durch die Stadt, sei eine Möglichkeit. Vorausgesetzt, die Stadt könne sich diesen Kauf finanziell leisten.

Linken-Fraktion: Die Linke fordert, dass die Anlage in städtisches Eigentum überführt wird. Über die Nutzung von Flächen solle „im demokratischen Prozess durch die Stadtgesellschaft entschieden werden.“

BfS-Fraktion: Die Fraktion der BfS hat auf die schriftliche ST-Nachfrage gestern nicht reagiert.

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