Klassik-Stream weckt Sehnsucht nach Livekonzerten im Saal

Das Moa-Quarttett begeisterte das Publikum am Freitag virtuell.Sreenshot: Christian Beier
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Das Moa-Quarttett begeisterte das Publikum am Freitag virtuell.Sreenshot: Christian Beier

Das Moa-Quartett spielte Brahms’ erstes Klavierquartett in heimische Wohnzimmer

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen Ein bisschen wie eine TV- Übertragung und doch anders: Das Moa-Quartett, Jihye Lim am Klavier, Ann-Christine Klaas an der Violine, Uta Nießner (Viola) und Hyeran Ji (Violoncello) fachte am Freitagabend in vielen Wohnungen die Sehnsucht nach echten Konzerten an.

Als erstes der drei neuen Stream-Angebote des Kulturmanagements, sendeten sie einen Hörgenuss als Videogruß aus dem Theater und Konzerthaus. 35 Minuten nahmen die vier Musikerinnen die Zuhörer mit in die Klang-Welt Johannes Brahms’, der mit diesem ersten, viersätzigen Klavierquartett in G-Moll eine enorme thematische Vielfalt präsentiert.

Konzentriert und voller Hingabe gelang es ihnen schnell, ihre spürbare Faszination für das Werk mit ihrem Auditorium an den Bildschirmen zu teilen. Die Bandbreite der musikalischen Stimmungen – sowohl Dramatik als auch Lyrik und zuletzt viel Temperament – zu hören, machte viel Freude, auch auf dem heimischen Sofa. Virtuos lockten die Musikerinnen Scherzo-Stimmungen, Legato-Momente oder, im vierten Satz, starke rhythmische Ausdruckskontraste aus Klavier und auf Saiten gestrichenen Bögen.

Dennoch mögen sich so manche Zuhörer im Laufe der guten halben Stunde immer intensiver in den kleinen Konzertsaal, in den Meistermannsaal des Kunstmuseums oder an einen anderen inspirierenden Ort gewünscht haben, um solch ein musikalisches Bonbon noch inniger genießen zu können. Vielleicht hat so mancher sogar die Augen geschlossen und vor dem inneren Auge volle Stuhlreihen mit gebannt lauschenden Musik-Freunden gesehen, einen stimmungsvoll ausgeleuchteten Saal. Vielleicht den kurzen Moment der Stille wahrgenommen nach dem letzten Ton des Stückes und dann den begeistert aufbrausenden Beifall des Publikums.

Großaufnahmen boten Einblick in das Handwerk der Musiker

Ob am Freitagabend jemand nach dem letzten Ausblenden des Bildschirms im Wohnzimmer applaudiert hat? In Gedanken sicherlich: Sowohl Musikerinnen als auch Licht und Tontechnikern, Kameraleuten und denen, die das Bildmaterial schließlich zu einem gelungenen Film zusammengeschnitten hatten, gebührte lauter Beifall.

Viele Großaufnahmen gaben Einblicke in das buchstäbliche „Handwerk“ der Künstlerinnen, die ihren Instrumenten die von Brahms gewünschten Melodien und Rhythmen entlockten. So aber blieb am Ende nur, den Rechner herunterzufahren und den restlichen Abend mit anderem zu füllen – auch das sicher mit Gedanken an das sonstige Ende eines Konzerts mit dem Anstehen an der Garderobe für den Mantel, ein paar Worten mit zufällig getroffenen Bekannten über das Gehörte und schließlich die Heimfahrt, bei der die Konzert-Musik in Gedanken nachklingt.

Nach dem Freitagabend-Stream blieb der feurige letzte Satz im Ohr. Eine schöne Ablenkung vom andauernden zähen Corona-Alltag war er allemal – und ein sehnsüchtiger Hoffnungsfunke auf echte Konzerte noch dazu.

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