Pandemie

Kitas: Gewerkschaften fordern Coronatests

Iris Schmitt von der Kita Kinderladen hält regelmäßige Corona-Tests für Kita-Personal nicht für zielführend. Foto: Christian Beier
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Iris Schmitt von der Kita Kinderladen hält regelmäßige Corona-Tests für Kita-Personal nicht für zielführend.

Das Personal sei in den Einrichtungen besonderen Risiken ausgesetzt und müsse besser geschützt werden.

Von Kristin Dowe

Solingen. In den vergangenen Wochen diskutierte die Wissenschaft viel darüber, welches Ansteckungsrisiko in der Corona-Pandemie von Kindern ausgeht. Eindeutig beantwortet ist diese Frage noch nicht. Vor diesem Hintergrund fordern die Erziehungsgewerkschaften GEW und VBE regelmäßige Corona-Tests in Kitas, um das Personal dort besser zu schützen. Zurzeit werde in Solinger Kitas nur dann getestet, falls Erkrankungen in einer Einrichtung auftauchen, heißt es auf Nachfrage aus der Pressestelle der Stadt. Vorsorgliche Reihentests seien zurzeit nur Bereichen mit bekannten Risikogruppen wie Alten- und Pflegeheimen vorbehalten.

Derweil werde über die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen und anderer Mitarbeiter in den Kitas allgemein viel zu wenig gesprochen, kritisiert Dirk Bortmann, Mitglied des Leitungsteams der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): „Einerseits begrüßen wir, dass der Betrieb in den Kitas wieder angelaufen ist. Aber wenn die Politik diesen Schritt geht, muss sie auch für den Schutz des Personals sorgen.“

„Die Ansteckungsgefahr in Kitas ist größer als in Schulen.“
Jens Merten, VBE Solingen

Umfassende Coronatests für die Mitarbeiter in Kitas halte die GEW deshalb für sinnvoll. „Natürlich ergibt sich durch so einen Test immer nur eine Momentaufnahme des tatsächlichen Gesundheitszustands. Deshalb sollten die Tests regelmäßig durchgeführt werden, bei den zeitlichen Abständen sollte man sich an den Vorgaben des Robert-Koch-Institutes orientieren“, so Bortmann. Bei der Kostenübernahme sehe die GEW zuerst das Land in der Pflicht. Vorbild für den Ansatz ist Düsseldorf. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat die Landeshauptstadt als Modellkommune für das wissenschaftliche Monitoring bestimmt. 

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) befürworte Reihentestungen für das Kita-Personal, sagt der Solinger Vorsitzende Jens Merten auf Nachfrage. „Die Ansteckungsgefahr ist in den Kitas größer als in Schulen. Grundschülern kann man die Abstandsregeln ja noch irgendwie erklären, aber bei Kleinkindern funktioniert das einfach nicht“, argumentiert der Gewerkschafter und plädiert für regelmäßige Tests in zeitlichen Abständen von zwei Wochen. Für das Krisenmanagement der Stadt findet Merten im Hinblick auf die Kitas auch lobende Worte: „Solingen arbeitet da sehr gut. Als die Coronafälle an der Grundschule Klauberg auftauchten, wurden ja auch umfangreiche Tests durchgeführt, was sehr verantwortungsvoll war.“ Die Finanzierung von Reihentestungen sollten laut Merten über die Träger der Kitas erfolgen.

Iris Schmitt, Leiterin der Kita Kinderladen, sieht die Reihentestungen im Dienste des Infektionsschutzes dagegen eher skeptisch: „Es ist ja noch gar nicht wissenschaftlich erwiesen, welche Ansteckungsgefahr von Kindern überhaupt ausgeht. Deshalb bezweifle ich die Sinnhaftigkeit solcher Tests.“ Vielmehr setze sie in ihrer Einrichtung auf Eigenverantwortung – so werde sofort Fieber bei einem Kind gemessen und dieses von den Eltern abgeholt, sobald es Symptome zeige. Auch die Mitarbeiter blieben eigenverantwortlich zu Hause, sobald sie sich krank fühlten.

Ähnlich sieht es Einrichtungsleiterin Daniela Puwalski von der Kita Sternenhimmel: „Es wäre schon ein gewaltiger Zeitfaktor, jede Kollegin morgens für einen Test in die Pflicht zu ziehen.“ Besser sei es, anlassbezogen – also bei konkreten Symptomen – zu testen, zumal es für die Einrichtungen ohnehin schon schwierig sei, die umfangreichen Hygienevorschriften zu erfüllen. „Einige Regeln lassen sich in der Praxis kaum umsetzen.“

Corona-Studie

Das Land NRW will durch eine Studie neue Erkenntnisse über das Virus gewinnen. Regelmäßig sollen in Düsseldorf wöchentlich mehrere tausend Kinder und Fachkräfte in den Kitas auf Corona getestet und die Schutzmaßnahmen arbeitsmedizinisch untersucht werden.

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