Gräfrath

Kirche und Karneval weisen Parallelen auf

Pfarrer Thomas Schorsch hielt eine karnevalistisch angehauchte Predigt.Screenshot: Christian Beier
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Pfarrer Thomas Schorsch hielt eine karnevalistisch angehauchte Predigt.Screenshot: Christian Beier

In Gräfrath holte Pfarrer Thomas Schorsch die jecken Tage in die Kirche.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Rot-weiße Luftschlangen in der Blumen-Deko am Altar, ein Pfarrer mit Narrenkappe (die keine war, sondern ein Geschenk der indonesischen Patengemeinde in Medan, aber genauso aussah), eine Lesung in einem Mix aus Hochdeutsch und seiner Übersetzung ins Kölsche, Lektoren mit jecken kleinen Hütchen und bunten Schals und eine Sängerin, die farbenfroh geschminkt und kostümiert war: Am Sonntag holte der Gräfrather Pfarrer Thomas Schorsch mit seinem Team ein bisschen Karneval in die Evangelische Kirche von Gräfrath.

Neben einem klassischen Orgel-Intro von Markus Hartmann, hatten auch Sessions-Lieder beim Online-Gottesdienst ihren Platz. „Jeck Yeah!“ mit der Textzeile „Mer sin all all all nur Minsche“ von Brings etwa, gesungen von Melissa Lübke, das neben Kirchenliedern wie „Die güldne Sonne“ gute Laune und Fröhlichkeit verbreitete und zur Überschrift des über das Internet übertragenen Gottesdienstes geworden war.

Solingen: Ausgelassenheit widerspricht nicht der Kirche

Ausgelassenheit, Feiern und miteinander Fröhlichsein, sei absolut nichts, was „Kirche“ widerspreche, betonte Schorsch in seinen Predigtworten, die er humorvoll und dennoch tiefgründig gestaltete. Das Gegenteil sei der Fall. Im Karneval sollten und wollten sich Menschen näherkommen, „zusammenrücken, Berufs- und Standesgrenzen auflösen und dem ,Minschen‘ Platz machen.“ Brücken bauen: ein Appell, zu dem an vielen Stellen in der Bibel ebenfalls immer wieder aufgerufen werde, so Schorsch.

Solingen: Moderne Liedversion ersetzt das gesprochene Wort

Auch karnevalistische wie geistliche Lied-Inhalte glichen sich erstaunlicherweise oft sehr, sagte er und erinnerte an das klassische Kirchenlied „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“. Es fiel ihm nicht schwer, eine Brücke zwischen Paulus und dem Fastnachts-Ohrwurm „Wir sind alle kleine Sünderlein“ zu schlagen. Schließlich, so Schorsch, lebe man als unvollkommener Mensch nur aus und von der Gnade Gottes. Am Sonntag gelang es in Gräfrath einmal mehr, Impulse zum Nachdenken über „Gott und die Welt“ in einer leichten Form zu präsentieren und damit gut erfassbar zu machen. Nicht nur das karnevalistische optische Drumherum und die Hommage an „Kappensitzungen“ mit erzählten Witzen und lockeren Sprüchen machten die knappe Dreiviertelstunde griffig. Auch die moderne Song-Version des Glaubensbekenntnisses („Ich glaub an Jesus Christus. . .“), die das gesprochene Wort ersetzte, sprach mit ihrer harmonischen Melodik an und machte schlichtweg Freude.

Am Ende des Gottesdienstes standen folgerichtig „Helau“ und „Alaaf“ gleichwertig neben einem innigen und nachdrücklichen „Amen“.

Stream

Unter dem Stichwort „Klingenkirche.de“, dem Youtube-Kanal des evangelischen Kirchenkreises Solingen, gibt es jede Woche Gottesdienste oder Andachten zum Streamen.

https://www.ekir.de/solingen

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