Hasseldelle

Prozess um Kindstötungen: Kinder wiesen Verletzungen auf

Die Angeklagte im Gerichtssaal.
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Die Angeklagte im Gerichtssaal.

Nicht in jedem der fünf Fälle konnte die Rechtsmedizinerin am gestrigen Verhandlungstag vor dem Landgericht Wuppertal zweifelsfrei sagen, ob das jeweilige Kind nun erstickt oder ertränkt worden ist.

Von Kristin Dowe

Solingen. Nur zwischen den Zeilen deutete die Ärztin vorsichtig an, dass die Opfer im Alter von einem bis acht Jahren sich teilweise gewehrt haben dürften. Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts muss sich derzeit eine 28-jährige Solingerin wegen heimtückischen Mordes an fünf ihrer sechs Kinder verantworten. Sie soll die drei Mädchen und zwei Jungen im September vergangenen Jahres zunächst mit Medikamenten sediert und anschließend erstickt oder in der Badewanne ertränkt haben.

Solingen: Todeszeitpunkt ist nicht mehr seriös schätzbar

„Der Todeszeitpunkt ist nicht mehr seriös schätzbar“, befand die Sachverständige, die die Kinderleichen obduziert hatte. Rettungskräfte hätten ein Fenster offen gelassen, so dass sich an jenem warmen Spätsommerabend der Raum des mehrstöckigen Mietshauses in der Siedlung Hasseldelle entsprechend aufgeheizt habe. Dies könne die Ergebnisse verfälschen. Die Körper der Kinder hätten bei der Auffindesituation bereits Leichenflecken aufgewiesen und seien von Handtüchern umgeben gewesen. „Das Haupthaar der Kinder war feucht.“

Teilweise wiesen die Körper zudem Verletzungen auf – beim jüngsten Kind, einem 19 Monate alten Mädchen, habe die Sachverständige unter anderem „Spuren stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf“ feststellen können. Das Angebot der Rechtsmedizinerin, ihr Fotomaterial zu zeigen, lehnte der Vorsitzende Richter Jochen Kötter dankend ab. „Die Fotos möchte ich jetzt ungern an die Wand werfen.“

Auch bei dem vierjährigen Mädchen hätten sich Kopfverletzungen gefunden, die möglicherweise auf ein „festes Zugreifen“ zurückzuführen gewesen seien. Eine Ohrenverletzung bei dem sechsjährigen Jungen spreche für ein „Festhalten oder Fixieren“ des Kindes. Die hohe Dosis der Medikamente bei allen Kindern habe deren Atmung zusätzlich beeinträchtigt.

Die Verhandlung wird am Montag, 5. Juli, fortgesetzt. Neben einem Mitarbeiter des Solinger Jugendamtes ist auch der Vater der Angeklagten als Zeuge geladen, gegen den aktuell noch Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs laufen. Als Angehöriger könnte er die Aussage auch verweigern.

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