Mein Leben als Papa

Kinder, wie die Zeit vergeht: Bis zur Rente ist es nicht mehr weit

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in den ST-Geschäftsstellen, im Handel und im Internet:bergisch-bestes.de
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„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in den ST-Geschäftsstellen, im Handel und im Internet:bergisch-bestes.de

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Leben mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Wieder einmal überraschte mich eine Frage von Hannes und brachte mich zum Nachdenken: „Wann gehst du eigentlich in Rente?“, wollte er beim Abendessen von mir wissen. „Wenn alles normal läuft, so in 25 Jahren“, antwortete ich nach kurzem Überlegen wahrheitsgemäß. Hannes staunte ob des langen Zeitraums und schob noch eine Frage hinterher: „Möchtest du dann Rosen züchten?“

Keine Ahnung, wo er so einen Spruch wieder aufgeschnappt hat. Dass er selbst schon über 30 ist, wenn ich Rentner bin, konnte er kaum glauben. „Dann bin ich ja verheiratet und hab Kinder.“

Das Thema Zeit beschäftigt Hannes gerade sehr. Und mich hat er damit irgendwie angesteckt. Dass ich ungefähr genauso nah an der Rente wie von meinem Abitur entfernt bin, ist mir erst durch Hannes’ Frage bewusstgeworden. Und das an einem Tag, an dem meine Frau schon Sachen für seine Schulzeit eingekauft hatte. Die beginnt nämlich schon in einem Monat. . .

Mit Kindern hat man eine ganz andere Referenzgröße zur Zeit. Was waren früher schon drei Jahre? In den Dreißigern passiert im Normalfall ja nicht so viel. Zumindest nicht motorisch oder kognitiv. Michel aber konnte vor drei Jahren noch nicht laufen und sprechen. Heute läuft er mir davon und kann sehr genau sagen, was er möchte – und was nicht. Ist in einem Monat ja auch schon ein „Mittelkind“ im Kindergarten.

„Möchtest du als Rentner Rosen züchten?“

Frage von Hannes an mich

„Kinder, wie die Zeit vergeht“, möchte ich also einerseits sagen. Anderseits staune ich, wenn ich daran denke, dass ich vor nicht mal sieben Jahren noch gar kein Papa war. Wenn wir Dinge erleben, die wir bis dahin noch nicht kannten – und davon gibt es mit Kindern einige –, sind wir mit unserer ganzen Aufmerksamkeit in diesem einen Moment, heißt es in der Zeitforschung. Dadurch brennt sich das Geschehene ins Gedächtnis ein und die Zeit vergeht gefühlt langsamer. Deshalb ist Urlaub immer viel zu schnell vorbei. In der Rückschau nehmen wir einen Urlaub allerdings als viel länger wahr als eine stinknormale Arbeitswoche zu Hause.

So abstrakte Gedanken über die Zeit machen sich die Jungs dann doch noch nicht. Bis ich Michels Zeitangaben ernstnehmen kann, dauert es wohl noch ein wenig. „Du darfst nie wieder in mein Zimmer“, höre ich ihn Hannes anbrüllen. Noch bevor ich nachsehen kann, warum sie sich diesmal gestritten haben, hocken sie wieder einträchtig in seinem Zimmer und bauen Lego-Welten auf. Drei Minuten später.

Die Uhr in Michels Zimmer bringt trotzdem schon etwas. „Mama hat gesagt, ich darf spielen, bis der Zeiger auf der 6 ist“, gibt er mir manchmal zu verstehen. Und das gilt es dann auch für mich zu akzeptieren.

In Hannes’ Zimmer hängt seit ein paar Wochen ein Monatskalender. Jeden Tag kritzelt er ein Kreuzchen auf den aktuellen Tag. Abends streicht er das Kreuzchen durch. Wieder ein Tag vorbei.

Dass Kinder manchmal sogar geduldiger sein können als Erwachsene, bewies Hannes erst neulich. Meine Frau hatte Samen von Tomaten, Gurken, Möhren und Co. in Anzuchttöpfe gepflanzt. In manchen Töpfen tat sich schnell etwas, in anderen gar nichts. „Noch nicht wegschmeißen, da kommt noch was“, verhinderte Hannes mehrmals, dass die Töpfe geleert wurden – und behielt recht.

Ich hoffe, in 25 Jahren ist er auch mir eine Hilfe. Beim Rosenzüchten.

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