Historisches Ferienspiel

Kinder probieren das Leben von früher aus

Beim historischen Ferienspiel im Deutschen Klingenmuseum tragen Kinder und Betreuer Kleidung von anno dazumal. Jungen und Mädchen schlüpfen in eine Spielrolle.
+
Beim historischen Ferienspiel im Deutschen Klingenmuseum tragen Kinder und Betreuer Kleidung von anno dazumal. Jungen und Mädchen schlüpfen in eine Spielrolle.

Historisches Ferienspiel lädt Mädchen und Jungen zu einer Zeitreise ins späte 18. Jahrhundert ein.

Von Holger Hoeck

Solingen. Grimmig schaut der Verleger auf die vor ihm auf einem Tisch dargebotenen Messer. „Ist das alles, was ihr mir bisher bieten könnt?“, rüffelt er die um ihn stehende Schar. Doch der Handwerksmeister verteidigt seine fleißigen Arbeiter.

„Die Qualität des bereitgestellten Stahls zur Herstellung der Klingen ist leider nicht die Beste. Doch das, was wir daraus machen konnten, genügt besten Ansprüchen, Herr Oberkommerzienrat“, antwortet er und schnitt zum Beweis der Tauglichkeit einer Freiwilligen ein paar Haare ab.

Doch nicht nur die Schmiede zeigten beim historischen Ferienspiel für Kinder zwischen sieben und 14 Jahren, das diese und kommende Woche auf dem Hof des Deutschen Klingenmuseums stattfindet, großen Einsatz zur Produktion bestmöglicher Waren. Auch die Klingenschleifer, Reider, Porzellanmaler und Köche sowie Fechtschüler absolvierten fleißig ihr Tageswerk, bis ein Ruf aus der Küche sie zwischendurch zu den Tischen eilen ließ.

„Bei dieser Zeitreise begeben wir uns in das Jahr 1794 in das Dorf Gräfrath. Jedes Kind schlüpft hierbei in eine Spielrolle, für die es sich zuvor selbst entschieden hat, nachdem alle Meister ihr Gewerk am Eröffnungstag vorgestellt hatten. „Zuvor habe ich den Inhalt der Geschichte erzählt, um die es in dieser Woche geht. Und jedes Kind erhielt natürlich historische Kleidung aus unserem Kostümfundus, damit alles noch authentischer wirkt“, erläutert Spielleiter und Museumspädagoge Olaf Fabian-Knöpges die Idee und den Ablauf des Ferienspaßes.

„Wir müssen Holzstücke schleifen und Löcher bohren, damit die Klingen reinpassen.“

Svea, sieben Jahre alt

Sechs Hütten wurden hierfür im Klosterhof aufgebaut, in denen das Leben wie damals stattfindet. „Jedes Haus ist wie eine Familie strukturiert. Die Kinder schlüpfen dabei in die Rolle von Erwachsenen und erlernen verschiedene Arbeitstechniken, etwa, wie geschnitzt, geschmiedet, gehämmert, Brot gebacken oder Feuer gemacht wird. Darüber hinaus übernehmen sie Verantwortung für ihre Arbeit und üben, einen Standpunkt bei einem Problem einzunehmen und ihn auch zu vertreten.“

Bereits historisch eingekleidet, treffen sich die rund 50 Kinder täglich um 9 Uhr auf dem Gelände, um ihre Arbeiten bis 15 Uhr aufzunehmen und somit die Aufträge des Verlegers (hoffentlich) fristgerecht zum Ende der Woche erfüllen zu können. Die siebenjährige Svea und ihre ein Jahr ältere Freundin Sofia hatten sich für die Produktion von Messergriffen gemeldet. „Wir müssen Holzstücke schleifen und Löcher bohren, damit die Klingen rein passen. Zuerst sägen wir aber von einem langen Holzstock ein Stück ab“, erklärt Svea die Arbeitsabläufe. Der zehnjährige Leo ergänzt: „Und in die Löcher kommen dann die Klingen, die gegenüber in der Schmiede hergestellt werden. 13 sind bis jetzt fertig.“

Die stellvertretende Museumsleiterin Isabell Immel war begeistert von den Interaktionen der Kinder, die mit großer Freude dem Ferienspiel nachgingen. „Dadurch erhalten sie einen Zugang zur Geschichte und auch zu einigen Exponaten, die sie in unserem Museum finden können.“ Immel dankte zudem dem Förderverein Freunde des Deutschen Klingenmuseums und der Stadt-Sparkasse Solingen für ihre finanzielle Unterstützung; weitere Mittel konnten aus dem Bundesaktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ akquiriert werden.

Am Ende des Disputs zeigt sich der Verleger gnädig. „Ich gewähre euch einen Aufschub und ziehe den Auftrag nicht zurück. Aber bis Ende der Woche erwarte ich 50 Messer von euch“, ermahnte er die Bewohner. Bereitwillig ließ er sich anschließend von ihnen zum Mittagessen einladen.

Beim historischen Ferienspiel im Deutschen Klingenmuseum tragen Kinder und Betreuer Kleidung von anno dazumal. Jungen und Mädchen schlüpfen in eine Spielrolle.

Das Projekt

Veranstaltung: Das beliebte historische Ferienspiel – es ist bereits ausgebucht – wurde schon zum neunten Mal auf dem Gelände des Deutschen Klingenmuseums veranstaltet. Die Kosten belaufen sich auf 35 Euro pro teilnehmendem Kind. Eine vorherige Anmeldung ist unbedingt notwendig.

Organisator: Geleitet und organisiert wird das Ferienspiel vom 62-jährigen freiberuflichen Museumspädagogen Olaf Fabian-Knöpges, der ebenso wie seine acht Helfer auch eine Rolle übernimmt. Die bereitgestellte Kleidung wurde in den letzten Jahren gesammelt oder extra angefertigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser

Kommentare