Erinnerung

Kieserling & Albrecht ist ein Stück Stadtgeschichte

Die Autoren Jochem Putsch (von rechts) und Ralf Rogge zeigen mit Hartmut Lemmer vom Förderverein Industriemuseum als Finanzier des Buchprojekts das Buch zur Geschichte von Kieserling & Albrecht Foto: Christian Beier
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Die Autoren Jochem Putsch (von rechts) und Ralf Rogge zeigen mit Hartmut Lemmer vom Förderverein Industriemuseum als Finanzier des Buchprojekts das Buch zur Geschichte von Kieserling & Albrecht

Ralf Rogge und Jochem Putsch schrieben Firmenchronik.

Von Philipp Müller

Das Gelände der Firma Kieserling & Albrecht ist bald Geschichte. Rollt der Abrissbagger an, um Platz für die neuen Wohnungen von Kondor Wessels zu machen, dann bleibt nur das alte Verwaltungsgebäude stehen.

Die Geschichte der Firma ist ohne die Maschinenbauer von Kieserling & Albrecht nicht denkbar. Das Foto entstand 1893.

Darin befindet sich jetzt die Bergische Volkshochschule. Doch zumindest bleibt die Geschichte der Firma erhalten. Denn jetzt ist das Buch von Ralf Rogge und Dr. Jochem Putsch „Die Geschichte der Maschinenfabrik Th. Kieserling & Albrecht in Solingen“ erschienen.

Auch das war fast 30 Jahre völlig unklar. 30 Jahre? Ja. Und das kam so: Der Historiker Ralf Rogge, damals wie heute im Solinger Stadtarchiv tätig, und der Historiker Jochem Putsch, damals und bis vor einem Jahr Leiter des LVR-Industriemuseums in Merscheid, hatten schon 1985 damit begonnen, eine Firmenchronik über die zu dieser Zeit noch florierende Firma zu schreiben. Treibende Kraft dahinter war Clemens Nassenstein, der Geschäftsführer des Maschinenbauunternehmens mit Weltruf.

Die Idee war, das Buch 1993 zum 150. Geburtstag von Firmengründer Theodor Kieserling zu veröffentlichen. Doch die zu diesem Zeitpunkt mit 600 Mitarbeitern als eine der größten, in Solingen ansässige Firma, geriet in Turbulenzen. Auch zum 125-jährigen Jubiläum der Firma 1998 erschien das Buch nicht. Die ganze Arbeit, die Manuskripte, die 270 Fotografien drohten, in Vergessenheit zu geraten.

Doch das Industriemuseum, das vom Landschaftsverband Rheinland geführt wird, hat einen Förderverein. Und der sprang jetzt als Finanzier für den Druck der 602 Seiten starken Chronik, die zugleich Studie der industriellen Entwicklung in Solingen ist, ein. Ralf Rogge sagt, dass das Geschriebene jetzt wichtig sei, wenn die Firma optisch verschwinde.

Das Buch ist nicht nur etwas für frühere Mitarbeiter und deren Familien. Denn Clemens Nassenstein verband mit der Chronik eine Idee. Sie sollte nicht nur von der Gründung bis in die Neuzeit anhand des Archivs von Kieserling & Albrecht erzählen. Er wünschte sich, umfassend aufzuzeichnen, was die Angestellten noch an Erinnerungen zur Firmengeschichte beizutragen hatten.

Und so ist das Buch im Grunde ein Zweiteiler zwischen zwei Buchdeckeln geworden. Im ersten Band schreibt Ralf Rogge die Geschichte der Firma auf. Er setzt die 1873 gegründete Firma zugleich ins historische Umfeld der Industrialisierung in Solingen. Mit Kapital der Familie Albrecht wuchs das Unternehmen. Das ist natürlich auch ein spannendes Stück Solinger Zeitgeschichte. Die Rolle der Firma, in den beiden Weltkriegen, im Kaiserreich und während der Nazizeit wird alles andere als ausgespart.

„Wenn es sein muss, bohr ich dir ein Loch von hier bis zum Bahnhof.“
Ehemaliger Meister der Firma

Der zweite Teil des Buchs ist dann wirklich spannend. Zeitzeugen kommen seitenlang zu Wort. Ob Werkschor, Betriebsklima oder Arbeitsabläufe – fast alles wird erzählt. So schafft Jochem Putsch den Blick durchs Schlüsselloch des Werkstors bis dicht an die Werkbänke der Firma.

Historie und Buch

Historie: Theodor Kieserling legte 1873 zusammen mit dem Schlosser Otto Albrecht den Grundstein für eine neue Maschinenfabrik. Es folgte eine erfolgreiche Zeit bis in die 1990er Jahre. Doch trotz städtischer Finanzhilfen kam 1998 das Aus.

Buch: Die Geschichte der Maschinenfabrik Th. Kieserling & Albrecht in Solingen, Ralf Rogge und Jochem Putsch, 603 S.

Bergischer Verlag. ISBN 978-3-96847-000-9

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