Erinnerungskultur

Kein Denkmalschutz für das Max-Leven-Haus

Der Arbeitskreis Verfolgung und Widerstand in Solingen 1933-1945 stellte bei einem runden Tisch den Vorschlag zur Diskussion, aus dem Arbeits- und Wohnhaus des ermordeten Journalisten Max Leven eine Bildungs- und Gedenkstätte zu machen. Der Gebäudekomplex gehört der Sparkasse, die auf dem Gelände Baupläne verfolgt. Die Stadt brachte Alternativen ein. Fotos: Christian Beier
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Der Arbeitskreis Verfolgung und Widerstand in Solingen 1933-1945 stellte bei einem runden Tisch den Vorschlag zur Diskussion, aus dem Arbeits- und Wohnhaus des ermordeten Journalisten Max Leven eine Bildungs- und Gedenkstätte zu machen. Der Gebäudekomplex gehört der Sparkasse, die auf dem Gelände Baupläne verfolgt. Die Stadt brachte Alternativen ein.

Ein Förderverein zum Aufbau einer Gedenkstätte wird gegründet. Ein alternativer Standort könnte das Arbeitsgericht an der Wupperstraße sein.

Von Daniela Neumann

Eine lebendige Diskussion über das Wie zur Einrichtung einer Solinger Gedenkstätte gab es am Samstag im Forum der Bergischen VHS an der Mummstraße.

Rund 120 Interessierte aus Politik, Kirche, Vereinen und Initiativen nahmen am runden Tisch im Forum der Bergischen VHS teil.

Rund 120 Vertreter der Stadtgesellschaft, aus Politik, Kirche und Vereinigungen waren der Einladung des Arbeitskreises Verfolgung und Widerstand in Solingen 1933-1945 gefolgt. Stadt-Pressesprecher Lutz Peters präsentierte der zweiten Arbeitsgruppe in einem Vortrag das Ergebnis der Prüfung auf Denkmalschutz: Demnach stellt die untere Denkmalbehörde fest, dass keines der Bestandteile des Gebäudekomplexes Max-Leven-Haus die erforderlichen Merkmale für Denkmalschutz hat.

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Der Arbeitskreis Verfolgung und Widerstand hatte sich vor einem Jahr gegründet. Seitdem setzt er sich für eine Solinger Gedenkstätte an der Straße Am Neumarkt ein. Nach dem Journalisten und Widerstandskämpfer Max Leven, der 1938 in der Reichspogromnacht vor Ort ermordet wurde, ist die benachbarte Gasse benannt. Die Räumlichkeiten gehören mittlerweile der Stadt-Sparkasse. Sie verfolgt dort ihre Pläne zum Neubau einer modernen Hauptstelle.

Ziel des runden Tisches war es jetzt, zu informieren sowie Ideen und Anregungen zu finden, wie Bedarfe zu formulieren, fasste Daniela Tobias als Koordinatorin zusammen. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich dabei für den Aufbau einer zentralen Gedenkstätte aus. Favorit blieb in der Diskussion nach wie vor das Max-Leven-Haus. Der Vorschlag, dezentral an mehreren Orten Gedenkräume einzurichten, stieß auf wenig bis keine Zustimmung.

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Lutz Peters stellte mögliche Alternativen vor. Als alternativer Ort für eine Gedenkstätte könnte demnach das Gebäude an der Wupperstraße in Frage kommen, in dem das Arbeitsgericht untergebracht ist.

WIE GEHT ES WEITER?

GEDENKSTÄTTE Nun steht die Gründung eines Fördervereins an. Auch ein Konzept wird entwickelt.

FÖRDERVEREIN Ein Termin für ein Treffen im Juni folgt.

ARBEITSKREIS Der Arbeitskreis Verfolgung und Widerstand trifft sich wieder am 13. Mai, 19.30 Uhr, im Café Courage, Klemens-Horn-Straße 3.

www.stolpersteine-solingen.de

„Das Gerichtsgefängnis ist noch voll vorhanden“, berichtete Peters. Das Gebäude gehört dem Land NRW. Als weiteren Ort nannte er den Bunker an der Malteserstraße, wo früher die Solinger Synagoge stand. Eine Idee sei, die Rosette der Synagoge als Symbol auf dem Bunker zu platzieren. Einen großen Umbau des Bunkers konnte sich indes kaum jemand im Plenum vorstellen. Die Einrichtung einer Gedenkstätte an der Wupperstraße traf jedoch vereinzelt auf Zustimmung.

Worauf es bei der Planung und Umsetzung einer Gedenkstätte ankommt, stellte Dr. Ulrike Schrader vor. Sie leitet seit 25 Jahren die Gedenkstätte Wuppertal und ist damit dienstälteste Verantwortliche in diesem Bereich in Nordrhein-Westfalen, wo es 28 Gedenkstätten gibt. Als Kriterien nannte sie die Fragen: Authentischer Ort? Geschichte von Opfern, Volksgemeinschaft, Schuldigen zeigen? Welche Zielgruppen gibt es?

Sparkasse wartet auf Ergebnisse des Architekturwettbewerbs

Viele Wortbeiträge drehten sich danach um die Bedeutung der Arbeiterbewegung in Solingen. Aber auch eine nötige Anknüpfung ans Heute nannten einige.

Standpunkt von Andreas Tews

Gedanken und Vorteile zu einem zentralen Gedenkort fasste Petra Lindenau zusammen: umfassende Darstellung an einem Platz, aber auch Schwerpunktsetzung als Alleinstellungsmerkmal; Erreichbarkeit für Schulen sowie machbare Betreuung vor Ort. Alleinstellungsmerkmal könnte die Arbeiterbewegung sein, das Thema Pressefreiheit, das Thema Inhaftierungen – quer durch die Gesellschaft. „Voraussetzung für eine Förderung ist ein tragfähiges Konzept“, erklärte Eva Thomas zur Frage der Finanzierbarkeit. Die Gründung eines Fördervereines steht nun bevor. Die Sparkasse wartet die Ergebnisse aus ihrem Architekturwettbewerb ab, sagte Presssprecher Martin Idelberger auf ST-Nachfrage. 

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