Ausblick auf 2023

Katholische Kirche muss sich neu aufstellen

Ausführlich referierte Solingens Sozialdezernent Jan Welzel am Freitagabend im Clemenszentrum zu verschiedenen Aspekten des Themas Armut.
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Ausführlich referierte Solingens Sozialdezernent Jan Welzel am Freitagabend im Clemenszentrum zu verschiedenen Aspekten des Themas Armut.

Beim Neujahrsempfang des Katholikenrates standen Strukturveränderungen und zunehmende Armut im Fokus.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. 2023 stellt umfangreiche Aufgaben an die katholische Kirche und ihre Mitglieder. Das war das Fazit des Neujahrsempfangs des Solinger Katholikenrates, dem knapp 200 Gäste aus Gemeinden, Verbänden, Politik und Verwaltung am Freitagabend beiwohnten.

Die Veranstaltung fand im Vor-Corona-Format statt: Nach einer Andacht in der Kirche St. Clemens ging es ins benachbarte Gemeindezentrum. Dort standen zwei Themen im Vordergrund. Zum einen die strukturellen Veränderungen im Solinger Dekanat: Statt derzeit drei Gemeinden (St. Sebastian, St. Clemens und St. Johannes der Täufer) wird es künftig eine Einheit geben. „Was das in der Praxis bedeutet, wissen wir noch nicht“, sagte Dr. Ulrike Spengler-Reffgen, die Vorsitzende des Katholikenrates.

Fakt sei: „Wir sind weniger geworden, viele haben der Kirche den Rücken zugekehrt, unter anderem, weil sie durch die Missbrauchs-Vorgänge und vor allem den offensichtlichen Unwillen, dafür Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen abzuleiten, verprellt sind.“

Dennoch schaute sie optimistisch in die Zukunft, appellierte an die, die an die „Kraft des Heiligen Geistes“ glauben, um daraus Energie und Motivation für die wichtigen Aufgaben von Kirche zu ziehen. Zum Beispiel Hilfe für die steigende Zahl armer Menschen, deren Einkünfte eine Teilhabe am sozialen Miteinander kaum oder gar nicht ermöglichen.

Nicht nur der Katholikenrat, auch der Christliche Verein Junger Menschen hatte am Wochenende zu seinem Neujahrsempfang eingeladen. Er fand am Sonntagmittag am Birkenweiher statt.

Jan Welzel (CDU), der für diesen Bereich zuständige Dezernent, beleuchtete in einem Referat mehrere Aspekte des Themas. Unter anderem den, dass die Gesellschaft seit Einführung der Sozialversicherung Verantwortung für alle in ihr lebenden Menschen übernimmt. Mittlerweile sei die Gesetzeslage mit Verordnungen, Unterpunkten und sich ständig in Details ändernden Vorschriften an die Grenzen ihrer Überschaubarkeit gelangt ist. Man müsse beinahe ein Fachmann sein, um die richtigen Anträge in richtiger Zeit an der richtigen Stelle zu stellen. Ein weiterer Punkt: Viele Betroffene lehnten Hilfen entweder von vorneherein ab oder scheiterten an begonnenen Bildungs- und Jobmaßnahmen.

Es bedürfe eines breiten Netzwerks, um Armut zu begegnen, schlimmste Not zu lindern, Ursachen zu ergründen und in kleinen Schritten aus ihr herauszulotsen. Dass es seit 2022 eine Armutskonferenz in Solingen gebe, in der neben Verwaltung und Politik auch Kirchen, Verbände, Institutionen und engagierte Privatleute zusammenarbeiten, sei ein wichtiger Schritt, um effizientere Hilfe anbieten zu können als zuvor.

Zwei Beispiele aus der Praxis rundeten den Komplex ab: Sabina Vermeegen, Engagementförderin in St. Sebastian, berichtete vom Wohlfühlmorgen, ein mit den Maltesern ins Leben gerufenes Sozialprojekt. Es gehe beim Thema Armut wahrlich nicht nur darum, zu wenig Geld zu haben, sondern um die Stichworte wie Wertschätzung, Vereinsamung, Geselligkeit.

Julia Barth aus der Gemeinde St. Suitbertus stellte das Suppenküchen-Projekt vor, das sie mit Susanne Kunze vor drei Jahren gestartet hat. Erst sehr holprig, „weil wir wohl zu blauäugig waren“, aber inzwischen liefe es sehr zufriedenstellend für Gäste wie Gastgeber. „Wir haben viel gelernt, auch über die Gründe und Folgen, finanziell zum Boden durchzurutschen.“

Hintergrund

Gremium: Der Katholikenrat ist ein eigenständiges Gremium des Laienapostolats auf der Ebene des Bistums.

Armut: In Solingen leben zwischen 25 000 und 30 000 Menschen in Armut oder an der Armutsgrenze, also etwa 16 Prozent der Bevölkerung.

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