Missbrauch

Katholiken in Solingen zwischen Wut und dem Ruf nach Konsequenzen

Erschreckend ist für den Leitenden Pfarrer der Gemeinde St. Sebastian (Solingen-West), Meinrad Funke, wie groß die Zahl der Katholiken sei, denen die Kirche fremd geworden sei.
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Erschreckend ist für den Leitenden Pfarrer der Gemeinde St. Sebastian (Solingen-West), Meinrad Funke, wie groß die Zahl der Katholiken sei, denen die Kirche fremd geworden sei.

Gläubige reagieren auf Münchener Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche.

Von Andreas Tews

Solingen. Es sei gut, dass die Missbrauchstaten in der Katholischen Kirche und die Versäumnisse beim Umgang damit ans Licht kommen. Darin sind sich Vertreter der Kirche und der Gläubigen einig. Sie sprechen von Wut, Enttäuschung und Scham. Immer lauter wird der Ruf nach strukturellen Konsequenzen. „Wir brauchen innerkirchliche Kontrollsysteme, die besser funktionieren“, sagt die Vorsitzende des Solinger Dekanatsrates, Dr. Ulrike Spengler-Reffgen.

Für neuerliche Unruhe in der Kirche sorgt ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum München-Freising. Die vom Erzbistum beauftragten Rechtsanwälte werfen den ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, heute emeritierter Papst Benedikt XVI., und dem aktuellen Erzbischof Kardinal Reinhard Marx persönliches Fehlverhalten bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vor. Dass Benedikt XVI. seine Versäumnisse bestreitet, halten die Gutachter nicht für glaubwürdig.

Erschreckend ist für den Leitenden Pfarrer der Gemeinde St. Sebastian (Solingen-West), Meinrad Funke, wie groß die Zahl der Katholiken sei, denen die Kirche fremd geworden sei. Es sei überfällig, über grundlegende Dinge wie das Amtsverständnis oder das Priesterbild zu sprechen. Funke: „Es zeigt, wie krank dieses System ist, wenn ein Vertreter der Unfehlbarkeitskirche sich an eigenes Fehlverhalten nicht erinnern kann.“

Laut Laien-Vertreterin Spengler-Reffgen sind viele Gläubige „bitter enttäuscht“, dass der Kirche der Schutz der Institution wichtiger gewesen sei, als der Schutz von Missbrauchsopfern. Dies müsse sorgfältig aufgearbeitet werden. Ein erster Schritt sei, dass Gutachten das Fehlverhalten offenlegen.

Solingen: Kirche und Gläubige wollen sich nicht entmutigen lassen

Das Thema Missbrauch sei zu lange unsensibel behandelt worden, die Kirche habe als Institution Schuld auf sich geladen, beklagt Stadtdechant Michael Mohr. Nach wie vor gebe es hier einen enormen Nachholbedarf. Erste Schritte seien aber getan, indem bei der Priesterausbildung oder der Fortbildung haupt- und nebenamtlicher Mitarbeiter mehr Wert auf Prävention und Sensibilisierung gelegt werde. Vor Ort sei es wichtig, weiterhin gute Arbeit zu leisten.

Vor Ort sei es für die Gemeinde wichtig, „mit den Gemeindemitgliedern unseren Weg zu finden, den Glauben zu leben“, blickt Hans Wietert-Wehkamp, Mitglied im Pfarrgemeinderat von St. Sebastian, in die Zukunft. Entmutigen lässt sich auch Spengler-Reffgen nicht. Sie kann zwar nachvollziehen, dass viele Menschen die Kirche verlassen. Für sie bleibt aber die kirchliche Botschaft entscheidend. „Das lassen wir uns von Würdenträgern nicht kaputtmachen.“

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