Treffen

Karstadt-Mitarbeiter schwelgen in Erinnerungen

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Am 31. August 2008 schlossen sich die Türen bei Karstadt in Solingen für immer. Mehr als 40 Jahre prägte das Kaufhaus die Innenstadt.

50 Jahre nach der Eröffnung in Solingen treffen sich 150 Ehemalige im Alten Wartesaal.

Von Timo Lemmer

Sie sind 81 und 91 Jahre alt, doch dieses Fest organisierten sie nur allzu gerne: Inge Schellen und Marianne Kalbe klönten, erhielten Blumen sowie andere Präsente und strahlten vor allem deshalb bis über beide Ohren, weil 150 Personen ihrer Einladung gefolgt waren. Die tatkräftigen Damen und ihre Gäste, die sich im Alten Wartesaal des Restaurants Steinhaus im Alten Bahnhof eingefunden hatten, verband dabei eines: Sie alle waren Mitarbeiter bei Karstadt in Solingen.

Organisierten das Treffen der Karstadt-Mitarbeiterinnen (v. l.): Marianne Kalbe und Inge Schellen.

Und sie alle geraten ins Schwärmen, wenn sie an ihre persönliche Episode in der beinahe 40-jährigen Karstadt-Historie in der Klingenstadt denken. „Wir haben gedacht, es kommen vielleicht 40 Leute“, waren die Initiatoren baff. „Dabei habe ich vor einem Jahr nur zur Inge gesagt, dass wir zum 50-Jährigen doch eigentlich mal etwas machen müssten“, war Kalbe hin und weg. Exakt 50 Jahre vor dem Treffen hatte Karstadt in Solingen eröffnet, am 31. August 2008 schloss sich dieses Buch dann. Darin aber: Viele schöne Kapitel, wie der launige Abend im Alten Bahnhof in Erinnerung rief. Über allem schwebte dabei ein Satz: Karstadt, das war eine Familie.

Die ehemaligen Kollegen, alle in bester Plauder-Laune und gerne auch mit alten Bildern ausgerüstet, tauschten zwischen Buffet und Bar vor allem Anekdoten aus. Anekdoten aus einer Zeit, die beim Betrachten alter Fotos schon so weit weg scheint: Da sind Menschenmengen in einem Warenhaus zu sehen; Chefs, die sich an Karneval mit den Mitarbeitern verkleiden oder Mitarbeiterinnen, die etwas zu Hören bekamen, wenn sie buchstäblich die Ärmel hochkrempelten.

Die Ärmel hochgekrempelt – das ging gar nicht

Davon erzählte Anna Kröber, die ein Fotoalbum mit vielen Notizen eingepackt hatte: „Hier schenke ich beim ersten Waldlauf im Engelsberger Hof, der damals mit den Eheleuten Herbert und Marianna Schade für das Deutsche Rote Kreuz ins Leben gerufen wurde, Tee aus. 300 Liter haben wir verteilt!“ Damals, am 9. September 1970, sei es so heiß gewesen, dass sie am gestellten Kostüm die Ärmel habe hochkrempeln müssen: Das gab damals noch eine Ansage. Hochgekrempelt blieben die Ärmel aber trotzdem, lacht Kröber: „Es war eine tolle Zeit. Von 1970 bis 1975 war ich bei Karstadt, dann ging das Kind vor.“

Solinger wissen: Am 2. Oktober 1969 eröffnete Karstadt am Neumarkt. Rita Melchior aber weiß, dass das Unternehmen schon vorher in Solingen aktiv war. Sie arbeitete schließlich schon ab Juli 1969 für Karstadt: „Wir waren in einer alten Villa am Neumarkt, die wir Villa Bruch genannt haben.

DAS TREFFEN

FREUDE UND TRAUER Um möglichst viele ehemalige Mitarbeiter zu erreichen, schalteten Kalbe und Schellen auch eine Annonce im ST. Viele Gäste des launigen Abends meldeten sich unter der angegebenen Telefonnummer. Das Karstadt-Ende hingegen sorgte auch für Trauer: „So etwas wie Karstadt, wo man alles bekommen hat, haben wir in Solingen nicht mehr. Und es fehlt bis heute“, findet Schellen.

Da stand bis zur Eröffnung das Personalbüro.“ Die große Eröffnung musste freilich wohl vorbereitet werden. Melchior kümmerte sich dann vor allem um die Löhne: „An Weihnachten 1969 hatten wir 750 Lohnabrechnungen!“ Heute kaum mehr vorstellbar, wie groß Karstadt einmal war. Und der Begriff Lohntüte war damals noch wörtlich zu nehmen: „Wir wurden im Büro eingeschlossen, als wir die Lohntüten fertig gemacht haben. Es ging ja um Unsummen.“ Für jede Abteilung gab es eine Kiste mit Lohntüten, die dann am Morgen den Abteilungsleitern ausgehändigt wurden: „Bis 2 Uhr nachts haben wir eingepackt. Das war eine irre Zeit, weil gerade so viel im Wandel war. Damals ging es gerade los: Auf einmal verdiente man richtig gutes Geld.“

Der Schlusssatz aber, der gehört freilich den rührigen Karstadt-Frauen Kalbe und Schellen: „Also das 100-Jährige, das werden wir nicht auch noch organisieren.“

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