„Karneval fehlt mir in diesem Jahr schon sehr“

Pfarrer Meinrad Funke vermisst wie viele in diesen Tagen, mit Freunden zu lachen, zu essen und zu reden – nichts unbedingt Tiefschürfendes, aber immer auf Augenhöhe. Fotos: Mona Hüttem-Höhler/Christian Beier
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Pfarrer Meinrad Funke vermisst wie viele in diesen Tagen, mit Freunden zu lachen, zu essen und zu reden – nichts unbedingt Tiefschürfendes, aber immer auf Augenhöhe.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Pfarrer Meinrad Funke

Liebe Leserinnen und Leser,

er fehlt mir schon in diesem Jahr – der Karneval. Pfarrkarneval hier vor Ort und ganz besonders der Rosenmontag. Mit Freunden und Bekannten am Düsseldorfer Zoch zu stehen und anschließend noch irgendwo weiterfeiern. Singen, lachen, essen, trinken, mit Menschen reden – nicht unbedingt Tiefschürfendes, aber immer auf Augenhöhe. Und irgendwann wird geschunkelt, es gibt harmlose, ungezwungene Berührung. Gerade in diesem Jahr täte es mir gut.

Die letzten Monate waren schwer: Der Umgang mit Corona, mit Sorgen um Gesundheit und für viele auch um ihre Existenz. Katholiken des Erzbistums Köln erleben die tiefste Kirchenkrise unserer Lebenszeit – wann und wie diese endet, ist ungewiss. Es täte gut, sich mal richtig in den Arm zu nehmen, oder um die Schulter packen zu lassen. Aber es ist Corona – Abstand halten ist angesagt. Vielleicht bekommen wir eine leise Ahnung davon, wie es einem Aussätzigen zur Zeit Jesu ging. Eine hoch ansteckende Krankheit, wahrscheinlich Lepra, hatte diese Menschen befallen. Deshalb mussten sie von der Gemeinschaft isoliert werden. So ein „Unberührbarer“ kommt im Evangelium dieses Sonntags (Markus 1, 40-45) auf Jesus zu und bittet um Hilfe. Unverzüglich erfährt er durch den Angesprochenen Berührung und wird gesund. Jesus führt heraus aus der Isolation, hinein in die Heilserfahrung, indem er berührt.

Deshalb muss auch Kirche ein Ort der Begegnung, ein Ort der Heilung, eine Gemeinschaft auf Augenhöhe sein, von der Menschen sich getragen und mitgenommen wissen. Ich habe genau dies als Heranwachsender in meiner Jugend so erlebt. Darum ist mir diese Kirche Heimat geworden. Es erschrickt mich, wie viele Menschen offenbar unheilvolle Begegnungen mit Vertretern der Kirche hatten. Und weil diese Missbräuche nicht zügig aufgeklärt werden, wird diese Kirche von vielen als unheilvoll wahrgenommen. Darüber bin ich sehr traurig. Dabei ist es eigentlich so einfach. Wenn wir, wie Jesus, auf die Menschen zugehen, ihnen in die Augen schauen und merken, wo der Schuh drückt, dann ist das ein riesiges Pfund. Menschen haben heute wie damals den Wunsch nach Berührung und Nähe. Dazu gehört auch die berechtigte Sehnsucht, mit der eigenen Lebensgeschichte ernstgenommen zu werden.

„Menschen haben den Wunsch nach Berührung und Nähe.“

Wo Kirche in der Flüchtlings- und Coronahilfe, durch Beratungsangebote, durch gut gestaltete Gottesdienste und andere Zuwendungen vor Ort wahrgenommen wird, da erlebe ich Wertschätzung für unser Engagement. Wo wir als Apparat und womöglich als überheblich wahrgenommen werden, wenden sich Menschen ab.

Von Jesus lesen wir: „Er hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein (vom Aussatz, also: werde geheilt):“ (Vers 41). Ich wünsche vielen Menschen diese Erfahrung von Berührung – hoffentlich auch in unseren Kirchengemeinden, und ich wünsche uns allen ein baldiges Ende der Pandemie, damit wir einander wieder ungezwungen begegnen und berühren und im nächsten Jahr wieder kräftig Karneval feiern können. Ihr Meinrad Funke

Zur Person

Meinrad Funke (56) ist seit 2015 leitender Pfarrer von St. Sebastian (Aufderhöhe, Merscheid, Ohligs und Wald). Er wuchs in Düsseldorf-Wersten auf. Nach dem Theologiestudium in Freiburg, Bonn und Tübingen arbeitet er mehrere Jahre als Sozialarbeiter. 1998 wurde er zum Priester geweiht. Es folgten weitere Ausbildungen etwa zum geistlichen Begleiter.

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