Ausstellung

Karikaturist entkam den Nazis - VHS zeigt 30 Werke

Silvia Löhrmann, Dr. Heinz-Werner Würzler und Jürgen Kaumkötter (v. l.) berichteten bei der Vernissage aus dem Leben des Karikaturisten Jecheskiel Kirszenbaum. Foto: Christian Beier
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Silvia Löhrmann, Dr. Heinz-Werner Würzler und Jürgen Kaumkötter (v. l.) berichteten bei der Vernissage aus dem Leben des Karikaturisten Jecheskiel Kirszenbaum.

VHS zeigt 30 Werke des jüdischen Künstlers Jecheskiel Kirszenbaum.

Von Wolfgang Günther

Vor einem kleinen Zuhörerkreis eröffnete Dr. Heinz-Werner Würzler am Dienstagabend eine neue, von der Volkshochschule Weimar konzipierte Ausstellung. „Sie wird in 40 Volkshochschulen in Deutschland zu sehen sein“, sagte er. Aufgezeigt wird anhand von vielen Schautafeln der Weg des Malers und Zeichners Jecheskiel Kirszenbaum. Etwa 30 Karikaturen des Künstlers sind im Nachdruck zu sehen.

Zu Beginn sprach Sylvia Löhrmann. Sie fungiert als Generalsekretärin des Vereins „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Sie dankte Marta Dementyeva-Kogan, Klavier, und dem Geiger Josef Shevalenko für die musikalische Umrahmung der Vernissage mit jüdischen Kompositionen. Und schlug in ihrem Grußwort einen Bogen von der Geschichte der beiden Musiker, die vor Jahren aus der Ukraine geflohen waren, zur schrecklichen Situation, die dort heute herrscht.

Statt Bauhaus: Arbeit im Tagebau

Jürgen Kaumkötter, Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, berichtete über das Leben von Jecheskiel Kirszenbaum. Geboren 1900 in einer kleinen Gemeinde orthodoxer Juden in Galizien, wird sein Talent schnell entdeckt. Als Jugendlicher erfährt er vom eben erst gegründeten Bauhaus in Weimar, an dem Künstler aller Sparten wirken. Er geht nach Deutschland, bekommt aber am Bauhaus keinen Zugang und arbeitet hart unter Tage im Ruhrgebiet, um in Weimar endlich aufgenommen zu werden.

Dort trifft er 1924 unter anderem Wassily Kandinsky und Paul Klee, er malt expressionistisch, seine Malerei aber kann dort nicht überzeugen. Kurz entschlossen geht er nach Berlin, und macht dort schnell Karriere als Karikaturist.

Kirszenbaum karikiert bekannte Persönlichkeiten im pulsierenden Leben des brausenden Berlin der 1920er Jahre, und nimmt auch gerne seine Kollegen auf die Schippe. „Leider sind keine Originale dieser Karikaturen mehr erhalten, sie wurden in Zeitschriften der damaligen Zeit entdeckt und sind in dieser Form hier zu sehen“, sagte Kaumkötter. Als 1933 in Deutschland Adolf Hitler an die Macht kommt, flieht Kirszenbaum nach ersten Warnsignalen nach Paris, und weiter in andere Verstecke im besetzten Frankreich. Seine Frau wird verhaftet und im KZ ermordet, er überlebt den Weltkrieg und findet eine Zuflucht bei seiner weitläufigen Familie, die in Belgien wohnt.

Dieser faszinierende Lebenslauf eines Künstlers wird in der Ausstellung detailgetreu mit vielen Bildern geschildert. „Er steht aber auch stellvertretend für das Schicksal vieler anderer Künstlerinnen und Künstler, die bis heute von Diktaturen oder autoritären Regimen an ihrer Arbeit gehindert, verfolgt und sogar umgebracht werden“, sagte Kaumkötter.

Hintergrund

Die Ausstellung hängt bis Mitte Mai im 3. Stock der VHS, Mummstraße 10, im Flur neben dem VHS-Forum, und kann zu den Öffnungszeiten der Volkshochschule besichtigt werden. Ein Katalog liegt vor, er kann zum Preis von 10 Euro in der VHS bestellt werden.

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