Montagsinterview

Karen Leiding: „Die Erleichterung im Sport ist immens“

Karen Leiding ist beim Sportbund unter anderem die Ansprechpartnerin der Vereine. Foto: Tim Oelbermann
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Karen Leiding ist beim Sportbund unter anderem die Ansprechpartnerin der Vereine.

Karen Leiding, Geschäftsführerin des Solinger Sportbunds, spricht über den Neustart im Breitensport

Von Andreas Tews

Frau Leiding, nach Monaten der Corona-Pause startet der Breitensport in den Vereinen wieder. Die Erleichterung muss groß sein.
Karen Leiding: Sie ist immens! Zum einen, weil es den Vereinen nach einer schier endlos langen Pandemiepause wieder möglich ist, mit ihren Angeboten zu beginnen. Darüber hinaus sind die Mitglieder glücklich, ihrem gewohnten und für sie wertvollen Sport wieder nachgehen zu können. Dies alles ist natürlich für das Vereinsleben ganz entscheidend. Ich denke hier auch an die ganzen sozialen Komponenten. Gemeinsam miteinander Sport zu treiben und sich auszutauschen ist in den letzten Monaten durch den Lockdown doch sehr erschwert worden.
Wie haben es die Vereine überhaupt geschafft, mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben?
Leiding: Es gab ziemlich viele kreative Lösungen. Es haben Online-Kurse und Online-Trainings stattgefunden. Alle haben miteinander versucht, sich per Online-Meetings fitzuhalten. Für Kinder haben die Vereine kleine „Bewegungstüten“ gepackt, um sich in Erinnerung zu bringen. Auch haben sie viele Aktionen in der Natur organisiert. Selbst bei Indoor-Sportarten haben sie geschaut, die Sportstunde nach draußen zu verlegen. Um Kontakte zu pflegen, wurden zum Beispiel Mitglieder angerufen. Es ist also eine ganze Menge passiert.
Vor allem Kinder haben unter dem Lockdown gelitten. Bieten die Vereine denen jetzt etwas Besonderes?
Leiding: Im Moment müssen die Vereine gar nichts Besonderes machen. Für die Kinder ist es schon ein besonderes Highlight, wenn die normalen Angebote wieder stattfinden, wenn sie zum Beispiel endlich wieder zum Fußballtraining kommen können und erste Freundschaftsspiele stattfinden.
Bei den Lockerungen ging ja alles recht schnell. Wie stemmen es die Vereine, ihre regulären Angebote wieder hochzufahren?
Leiding: Von einem ganz normalen Trainingsbetrieb können wir ja noch gar nicht sprechen. Die Öffnungen erfolgen nur Stück für Stück. Überall gibt es doch noch Kleinigkeiten zu beachten. Darauf reagieren die Vereine sehr gut. Da kann ich ihnen gegenüber nur meine Hochachtung aussprechen. Das alles umzusetzen, bei wöchentlich sich ändernden Voraussetzungen, war ein großer Kraftakt. Viele Fragen konnten zum Glück in Zusammenarbeit mit dem Stadtdienst Sport und Freizeit und dem Ordnungsamt geklärt werden.
Mit welchen Haupthindernissen haben die Vereine jetzt zu kämpfen?
Leiding: Größtenteils sind jetzt alle Regelungen aufgehoben. Das macht es den Vereinen einfacher, den Sportbetrieb zu organisieren. Ich glaube aber, dass viele Vereine Hygienemaßnahmen beibehalten werden. Wir als Sportbund haben zum Beispiel mit Hilfe einer Spende jetzt noch einmal eine Verteilung von Selbsttests an die Vereine mit ermöglicht. Da ist die Nachfrage weiterhin groß. Die Vereine testen lieber einmal mehr.
Also sind die Verantwortlichen eher noch vorsichtig.
Leiding: Ich würde es eher verantwortungsbewusst nennen. Sie schätzen die Lage vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Sportaktivitäten differenziert ein, machen nicht die Augen zu und haben den Blick darauf, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist.
Wie unterstützt der Sportbund die Vereine dabei?
Leiding: Wir haben in den vergangenen Monaten versucht, die Informationen zu den jeweils neuen Coronaschutz-Verordnungen weiterzugeben. In diesem Zusammenhang haben wir viel mit den Ordnungsbehörden gesprochen. Zusammen konnte in enger Absprache mit der Stadt geschaut werden, was man in Solingen möglich machen kann und was dabei zu bedenken ist.

„Es gilt jetzt, die Übungsleiter zu halten oder auch neue zu gewinnen.“

Karen Leiding, Geschäftsführerin des Solinger Sportbunds
Stehen denn in den Vereinen alle Übungsleiter schon wieder zur Verfügung?
Leiding: Viele Übungsleiter sind hoch motiviert und freuen sich endlich wieder auf eine Rückkehr in die Sportpraxis. Auch ihnen hat der Sport mit ihren Gruppen gefehlt. Trotzdem gilt es abzuwarten, ob alle Gruppen wie gewohnt starten können. Die lange Pause und auch die Ängste, die diese Pandemie mit sich gebracht hat, sind auch an den Übungsleitern nicht spurlos vorbei gegangen. Dementsprechend gilt es jetzt in den Vereinen, die Übungsleiter zu halten oder auch gegebenenfalls neue zu gewinnen.
Welche Unterstützung benötigt der Sportbund selbst?
Leiding: Da fällt mir vor allem ein: Für die Zeit ab dem 1. August bräuchten wir auf jeden Fall einen neuen Bundesfreiwilligendienstler. Der ist wichtig für uns, weil er uns in der Geschäftsstelle, bei Projekten oder bei den Angeboten im Offenen Ganztag der Schulen und in den Kindergärten unterstützt. Auch einige Vereine sind noch auf der Suche nach einem beziehungsweise einer jungen, engagierten Jugendlichen, welche Lust und Spaß hat, sich ein Jahr im Sport zu orientieren.
Gehen Sie davon aus, dass es nach den Sommerferien wieder einen sportlichen Spiel- und Wettkampfbetrieb geben wird?
Leiding: Ich glaube schon. Die Verbände sind am Planen. Es scharren ja alle mit den Hufen, dass sie wieder in den Spielbetrieb kommen. Auch im vergangenen Jahr hat der Spielbetrieb nach den Sommerferien wieder begonnen. Ich wüsste nicht, was jetzt dagegen sprechen sollte.
Wettkämpfe sind ja ein wichtiger Faktor im Sport.
Leiding: Genau. Wichtig ist für die einzelnen Sportler, auch wieder Ziele zu haben. Darum sind die Wettkämpfe ein bedeutsamer Baustein. Doch hat vielleicht der eine oder andere auch die Art und Weise seiner bisherigen Sportartausübung hinterfragt.
Was kann der Sport aus der Pandemie lernen?
Leiding: Zum einen haben wir gesehen, dass es auch im Sport verschiedene Möglichkeiten des Zusammenkommens gibt. Die Online-Meetings haben sich bewährt. Sie werden natürlich nicht die klassische Praxis ersetzen können. Aber vielleicht wird es einige Online-Angebote geben, die weitergeführt werden. Außerdem haben wir ganz viel im Bereich der Kommunikation gelernt – unter anderem, dass man viel mit Mitgliedern und Übungsleitern kommunizieren muss. Dadurch hat sich vielleicht sogar das Zusammengehörigkeitsgefühl verstärkt. Auch die örtliche Bindung an Normsporthallen könnte eine Veränderung erfahren. Manche Angebote im Freien sind bereits jetzt ein Stück Normalität geworden.

Zur Person

Beruf: Karen Leiding ist Geschäftsführerin des Solinger Sportbunds. Dort ist die Diplom-Sozialpädagogin seit 2003 beschäftigt.

Privat: Leiding ist 42 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.

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