Anwohner wünschen sich Erleichterungen

Tunnelstraße: Kanal-Baustelle wird zum Labyrinth

Antonius Kläß von der Poschheide berichtet von den Umwegen, die Anwohner wegen der Baustelle Tunnelstraße fahren müssen.
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Antonius Kläß von der Poschheide berichtet von den Umwegen, die Anwohner wegen der Baustelle Tunnelstraße fahren müssen.

Noch bis 2024 laufen Kanalarbeiten rund um die Tunnelstraße.

Von Philipp Müller

Solingen. Die Poschheider Mühle liegt romantisch neben dem Lochbach. Es sieht aus, als käme jeden Augenblick ein Pferdefuhrwerk um die Ecke. Autos können es im Moment jedenfalls nicht sein. Denn die Zufahrt ist gesperrt. Seit September müssen die Anwohner im Gebiet Poschheide, Tunnelstraße und Deusberger Straße viele Umwege fahren. Die Technischen Betriebe Solingen (TBS) bereiten dort den unterirdischen Vortrieb des Kanalschachts für den Stauraumkanal Tunnelstraße vor.

Immerhin – mit diesem Umweg ist es bald vorbei. TBS-Bauleiter Jens Perlberg berichtet, dass die Brücke über den Bach an der Mühle und an der Auffahrt zum TC Rot-Weiß Ohligs freigegeben werden kann. Dann kann auch Anwohner Antonius Kläß wieder mit einem Umweg weniger zu seinem Grundstück gegenüber der Mühle fahren. Er hatte das Tageblatt an die Baustelle gerufen, weil sich viele mehr Informationen über die Baustelle wünschen – und ein paar Erleichterungen.

Planetariums-Besucher gehen auf Parkplatzsuche

Zu ihnen gehört Dr. Frank Lungenstraß, Sprecher des nahen Galileums an der Tunnelstraße. Im Labyrinth der Umleitungen rund um die Baustelle würden sich nicht nur auswärtige Besucher verirren. Mit Folgen: „Kaum eine Veranstaltung fängt pünktlich an.“

Das Planetarium leide nicht unter Besucherschwund. Aber an der Tunnelstraße fehlen durch die Baustelle Parkplätze für die Besucher. Der sinnvollste Weg zum Planetarium gehe daher über die Hansastraße, rät Lungenstraß. Darüber informiert das Galileum auch auf seiner Homepage. Abends und am Wochenende könnten die Parkplätze der ans Galileum grenzenden Kita genutzt werden, die über die Hansastraße zu erreichen sind.

Lungenstraß stimmt überein mit Antonius Kläß von der Poschheide. Als Schatzmeister des Galileums wünscht er sich, dass im Vorfeld mehr Informationen von der Stadt kommen. Auch zur laufenden Baustelle könne mehr informiert werden. In Sachen Kommunikation stellt er fest: „Da ist noch Luft nach oben.“

Am vorigen Freitag gab es für die Anwohner eine gute Nachricht: Ursprünglich war angedacht, die Verbindung zwischen der Brücke an der Poschheider Mühle zum Wahnenkamp Richtung Hoch- und Mittelstraße dauerhaft zu sperren. Das werde nun doch nicht notwendig sein, erklärt Bauleiter Jens Perlberg.

Passend dazu: Stadt: Baustellen sind schwer zu planen

Immer wieder zwischendurch muss der Bereich ab dem neuen Jahr allerdings gesperrt werden. Etwa für die Untersuchungen, ob Kampfmittel unter der Erde liegen. Rund 1000 jeweils acht Meter tiefe Löcher werden an der Strecke des neuen Kanals gebohrt. In die Löcher gelangen dann Sonden, die magnetisch messen, ob etwa Bomben im Boden sind. Die Bohrlöcher werden im Raster von anderthalb Metern gesetzt, um einen sicheren Untergrund für den neuen Kanal zu gewährleisten.

Gesamtbudget in Solingen von mehr als 80 Millionen Euro

Damit im Januar der Vortrieb beginnen kann, wurden vier Baugruben ausgehoben. Sie sind sehr tief, denn der Kanal selbst wird zwischen sechs und acht Metern unter der Erde verlegt. Maschinen fräsen sich dazu durch Boden und Fels, im Anschluss werden die Rohre eingeschoben ().

Warum das alles bis 2024 dauert, erläutert der Sachgebietsleiter für den Spezialtiefbau bei den TBS, Stefan Grotzki: Sind die Rohre verlegt, folgen Stahlbetonarbeiten – und die „Hochzeit“. Denn der neue Stauraumkanal muss mit dem Kanalsystem verbunden werden. Grotzki, Perlberg und Bauleiterkollege Marius Langerhans-Muhlack verantworten auch die Bauten für den Viehbach- und den Ittersammler. „Das macht ein Gesamtbudget von mehr als 80 Millionen Euro“, rechnete Grotzki vor. Noch sei man im Etat und im Zeitplan. Dass der eingehalten wird, darauf hoffen nicht nur Anwohner und die Macher im Galileum.

Kanalbau

Rund um die Tunnelstraße gibt es vier Regenüberläufe des Mischwasserkanalsystems. Bei starkem Regen gelangt verschmutztes Wasser per Überlauf in den Bach. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Bauleiter Jens Perlberg. Daher werden auf 220 Metern Kanalrohre mit 1,6 Metern Durchmesser verlegt und auf weiteren 315 Metern solche mit 2,3 Metern Durchmesser. Sie sollen mit ihren rund 2000 Kubikmetern Volumen Starkregenüberläufe auffangen und aufstauen.

Standpunkt von Philipp Müller: Information ist wichtig

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Der Stolz, dass alles für den Stauraumkanal an der Tunnelstraße nach Plan läuft, ist den Bauleitern der Technischen Betriebe anzumerken. Zusammen mit den Kanalsammlern im Ittertal und entlang des Viehbachs ist das ein Mammut-Projekt, das die Stadt gerade umsetzt. Da ist es eine Herkules-Aufgabe, die Anwohner mitzunehmen. Sie wollen wissen, was vor ihrer Haustüre gerade passiert. Und sie wollen wissen, welche Einschränkungen das mit sich bringt. Verständlich. Sicher, die Technischen Betriebe hatten Informationen verschickt. Auch ist gut, dass sie sich den Fragen der Anlieger rund um die Tunnelstraße stellen. Aber das Beispiel Galileum, einer der neuen Solinger Leuchttürme, zeigt, dass das Lücken in der Kommunikation produziert. Die Stadt hat doch so einen schönen Bauwagen, der in den Wochen nach der Flut stets gute Dienste leistete. Warum stellt man den zum Beispiel nicht mal für einen Nachmittag an die Baustelle Tunnelstraße? Dann könnten Baufirmen und Stadt direkt informieren. 

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