Kammerspielchen: Ein-Personen-Stück begeistert

Markus Veith erweckte den Dichter Wilhelm Busch zum Leben

Von Karl-Rainer Broch

Wilhelm Busch kam am Samstag und Sonntag in das Gräfrather Kammerspielchen an der Gerberstraße. Natürlich nicht persönlich, denn der durch „Max und Moritz“ berühmt gewordene humoristische Dichter und Zeichner starb schon 1908. Stattdessen hatte Markus Veith in dem Ein-Personen-Stück „Ein jeder Narr tut, was er will“ seine Rolle übernommen und begeisterte das leider nur spärlich erschienene Publikum mit wohlgesetzten Versen.

Manche Beschreibungen sind erstaunlich aktuell

„In meinem Theaterstück stammen etwa 70 Prozent des Textes aus den Werken von Wilhelm Busch, den Rest habe ich seinem Stil angepasst und selber formuliert“, erklärte Veith, der gerade einen Roman – ebenfalls in Versen – veröffentlicht hat. Mehr als zwei Stunden rezitierte der Schauspieler im Kammerspielchen, nur unterbrochen von einer kleinen Pause, und verdiente sich den Schlussbeifall redlich.

In Filzpantoffeln, mit abgewetzter Weste und passender Verkleidung mit Schlapphut oder Frack erweckte Markus Veith die Welt des schrulligen alternden Wilhelm Busch zum Leben. Er unterstützte seine lautmalerischen Verse mit entsprechender Mimik und Körpersprache. Immer wieder verblüffte er mit auch heute noch aktuellen Zustandsbeschreibungen aus dem Leben des Dichters und musste manchmal selbst lachen über seine gelungenen Reime. Als er über das tägliche Arbeiten sprach, meinte er: „Dann laschet es sein“, was mit speziellem Applaus honoriert wurde. „Früher habe ich da ‚Ge-Merkel’ oder ‚Ge-Trumpel’ eingefügt, aber der Laschet bleibt mir wohl länger erhalten.“

Besonders gerne schlüpfte er in die Rolle von Balduin Bählamm, dem verhinderten Dichter. Mit Sacktuch und einer Prise Schnupftabak dekoriert steuerte Veith philosophische Erkenntnisse bei und gab so einen Abriss des Lebens in einer verzwickten Welt zu Gehör. Als Nachschlag kamen Max und Moritz wieder aufs Tapet: „Deren Streiche sind nicht mehr aktuell, aber wie wäre es heute, wenn sie der Witwe Bolte die Handbremsen des Rollators lösten oder Haschischkekse an den Lehrer verteilten?“

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