Wirtschaft

Bea Kahl fertigt Kunstwerke für den Kopf

Als Hutmacherin und -Designerin geht Bea Kahl einem heute eher seltenen Beruf nach. Foto: Christian Beier
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Als Hutmacherin und -Designerin geht Bea Kahl einem heute eher seltenen Beruf nach.

Das alte Handwerk des Hutmachers hatte lange Zeit den Ruf eines verstaubten Berufs.

Von Michael Kremer

Ist das Kunst oder kann das weg? Diese Frage stellt sich für Bea Kahl nicht. Bei der Hutdesignerin müsste die Frage anders heißen: Ist das noch Handwerk oder schon Kunst? „Beides“, sagt die 56-Jährige. „Es ist Kunsthandwerk.“ Und es ist ein altes Gewerbe, das schon im frühen Mittelalter ausgeübt wurde. Auch die gebürtige Hildenerin, die seit 1998 in Solingen lebt und ihr Atelier in den alten Güterhallen am Südpark vor fünf Jahren bezogen hat, war schon früh von diesem Beruf begeistert: 1987 hat sie in Düsseldorf eine Ausbildung zur Hutmacherin gemacht.

„Früher waren Hüte ein Standeszeichen“, weiß Kahl. Heute, so sagt sie, seien sie „mehr ein Ausdruck der Individualität“. Vor allem, wenn die Modelle nicht von der Stange kommen und auf den Träger persönlich zugeschnitten sind. Das gelte insbesondere für Hutträgerinnen. „Es gibt wenig Männer, die ein ausgefallenes Modell haben wollen“, sagt die Hutmacherin. Allerdings sei bei den Herren in jüngster Zeit ein gestiegenes Interesse an einer Kopfbedeckung zu bemerken – als Sonnenschutz.

Und noch einen Trend hat die Hutmacherin ausgemacht: „Heute wählen vor allem junge Leute den Hut wieder als Abgrenzungsmerkmal.“ Hüte seien bei der jüngeren Generation, so ihre Theorie, gewissermaßen der Folgeschritt nach den Baseballcaps, die mittlerweile ihr Alleinstellungsmerkmal verloren haben und auch von älteren Herren (30+) getragen werden.

Die Hutmacherin selbst ist eine „Zweckträgerin“

Sich selbst bezeichnet Bea Kahl als „Zweckträgerin“. Obwohl Hutmacherin und -designerin trage sie nicht grundsätzlich einen Hut. Auch bei ihr dienen die Kopfbedeckungen vornehmlich als Sonnen- oder Regenschutz. „Oder, wenn ich mich besonders schick machen will“, sagt sie. Nicht selten verfolgt sie mit einem Hut auf dem Kopf noch einen weiteren Zweck: „Ich bin mein erstes Modell.“ Ihre neuen Kreationen trägt sie meistens als Erste, um die Reaktionen darauf zu erleben.

Alle Modelle fertigt sie in ihrer Werkstatt als Einzelstücke an. Manchmal auch in Kleinserien, wobei sie betont, dass jeder Hut auf den Träger abgestimmt und individualisiert werden könne. Etwa durch die Wahl des Hutbandes. Das schlägt sich auch in ihrer Arbeitsweise nieder: „Ich mache erst den Hut und warte dann auf den passenden Träger, dem das Modell gefällt.“

Nimmt sie ein neues Modell in Angriff, muss am Ende nicht das herauskommen, was sich Kahl vorher vorgestellt hat. „Manchmal entwickelt sich bei der Anfertigung das, was ich mir gedacht habe, manchmal auch etwas ganz anderes“, erzählt sie. Man müsse da frei im Kopf und offen für die Dinge bleiben, die sich entwickeln, denn die besten Ideen kämen ihr beim Arbeiten.

Diese Freiheit ist es, die sie an ihrem Beruf schätzt. Dabei war es nicht von Anfang an klar, dass sie eine Hutmacherin werden würde. „Ich wollte ein Handwerk lernen und etwas mit den Händen machen“, erzählt sie von der Suche nach einem passenden Beruf.

BEHAUPTUNGEN

FIRMA Im Firmennamen „Behauptungen“ verbirgt sich nicht nur der Firmenzweck (BeHaUpTungen), sondern auch der Name der Hutmacherin (BEhAuptungen).

KONTAKT Behauptungen, Bea Kahl, Alexander-Coppel-Straße 24, 42651 Solingen, Tel. 6 42 54 09. Geöffnet: Sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung.

www.behauptungen.de

Eher zufällig rutschte sie dabei in die Ausbildung zur Hutmacherin. „Denn als ich das gelernt habe, war es ein ganz verstaubter Beruf“, sagt sie. Dieses Image hat sich mittlerweile gewandelt, auch durch bekannte Hutträger wie Roger Cicero. Und bei jungen Leuten sei der „Pork Pie“ wieder beliebt. Das sind Hüte aus der Jazz-Szene der 40er Jahre.

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