Lichtturm Gräfrath

Philipp Scharrenberg eröffnete die 25. Walder Theatertage

Kabarettist Philipp Scharrenberg trat in der gläsernen Kuppel des Gräfrather Lichtturms auf. Foto: Andreas Horn
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Kabarettist Philipp Scharrenberg trat in der gläsernen Kuppel des Gräfrather Lichtturms auf.

Kabarett bietet unterhaltsamen und lyrischen Blick auf die Realität im Gräfrather Lichtturm.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Hoch über den Dächern von Gräfrath wurden am Samstagabend die 25. Walder Theatertage eröffnet. 50 Zuschauer erlebten unter der Glaskuppel des ausverkauften Lichtturms einen faszinierenden Veranstaltungsort, der abwechselnd einen Blick in den Abendhimmel, auf die Glas- und Stahlkonstruktion des Turmes und auf die kleine Bühne bot. Dort konnte Peter Wirtz, Vorsitzender des Vereins Walder Theatertage, Kabarettist Philipp Scharrenberg begrüßen.

Auf den nur vier Quadratmetern Bühnenbrettern erzählte, sang und tanzte der 45-jährige Künstler – mit vollem Körpereinsatz und ausdrucksvoller Mimik. Und er nahm die Zuschauer mit in seinen Workshop zu „Realität für Quereinsteiger“. Dabei gestand er gleich zu Beginn: „Ich bin nach über zwei Jahren Pandemie auch raus, das Programm ist für mich eine Wiedereingliederungshilfe.“ Pandemie, Krieg, Inflation – diese fremd gewordene Realität müsse erst wieder erarbeitet werden.
Dazu auch: Theatertage - Es gibt noch Karten

Mit seinem atemberaubenden Tempo nahm er die Zuschauer mit. Nicht nur beim Zuhören, auch beim Mitdenken musste man flott sein. Und er drehte den Spieß um: „Wenn Kunst und Kultur nicht systemrelevant sind, dann ist auch das Interesse des Publikums daran nicht relevant, oder?“ Für alle sei es eine harte Zeit gewesen, „auch ich bin finanziell im post-pandemischen Prekariat angekommen.“

Die Welt in HD, in „hoher Dichtkunst“, zu sehen, dazu forderte der studierte Germanist, der seine Karriere als Poetry-Slammer begonnen hatte, die Anwesenden auf. „Früher schaute man, wenn man die Realität sehen wollte, aus dem Fenster, heute nur noch in Windows. Wir haben die Realität digitalisiert, es gibt nur noch 1 und 0.“ Auch deshalb bemühte er sich in seinen Texten, wieder die Zwischentöne herauszuarbeiten.

Und immer wieder wurde es lyrisch, etwa in seinem Text vom gefährlichen Mob, wenn die Solidari-Täterschaft oder die Zivilcou-Rage Oberhand behalten. Gekonnte spielte der Wortakrobat mit der Sprache. Scharrenberg outete sich als „Verbraucher – ich nutze Sachen also, bis sie verbraucht sind, und werfe sie nicht vorher weg“. Und die neue Hi-Fi-Anlage habe er halt erst gekauft, als es das Wort schon gar nicht mehr gab.

Er könne sich sogar vorstellen, vom Ver-Braucher zum Nicht-Braucher zu werden. Als Sprach- und Stimmentalent begeisterte er auch in dem rezitierten Telefonat mit einer Service-Hotline, weil dem Kunden der Gastzugang fürs eigene digitale Haus verwehrt wird, oder in seinem Kinderhörspiel zu „Lilo Looser“. Seine Botschaft: „So sieht Realität aus – kommt damit klar!“ Spontan verwandelt sang er zum Schluss in Korsett, Strapsen und Netzstrümpfen noch „Germany’s next Top-Trottel“. Erst nach zwei Zugaben entließ ihn das begeisterte Publikum.

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