Bundestagswahl 2021

Junge Wähler wollen mehr gehört werden

Die angehenden Bankkaufleute im dritten Ausbildungsjahr haben sich im Politikunterricht mit den Wahlprogrammen beschäftigt. Foto: Christian Beier
+
Die angehenden Bankkaufleute im dritten Ausbildungsjahr haben sich im Politikunterricht mit den Wahlprogrammen beschäftigt.

Schüler des Friedrich-List-Berufskollegs erzählen, was sie vor der Bundestagswahl umtreibt.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Wahlberechtigten liegt bei rund 15 Prozent: junge Wähler zwischen 18 und 29 Jahren. Was denken junge Solingerinnen und Solinger im Vorfeld der Bundestagswahl? Das Solinger Tageblatt hat mit Schülern des Friedrich-List-Berufskollegs (FLBK) gesprochen. Die angehenden Bankkaufleute im dritten Ausbildungsjahr diskutieren engagiert. Mit den Wahlprogrammen der Parteien haben sie sich im Unterricht beschäftigt.

In den Blick genommen fühlen sie sich dabei nicht immer, das wird im Gespräch deutlich. „Man sollte versuchen, uns junge Menschen mehr ins Boot zu holen“, sagt Annika Risters (20). „Denn wir müssen mit den Auswirkungen der Politik viel länger leben.“ Die Wahlprogramme seien jedoch auf die ältere Generation zugeschnitten, findet sie. Um junge Menschen zu gewinnen, sollte die Politik einfach und transparent vermittelt werden, sagt Yassin Azzouz (20). Er würde sich wünschen, dass die Parteien untereinander diskutieren. „Die Positionen nur vorzustellen, ist immer einfach.“

„Die Wahlprogramme sind auf Ältere zugeschnitten.“

Annika Risters, Auszubildende

Die „klare Kante“ vermisst Simon Eich (27): „Ich habe das Gefühl, dass Grüne, SPD und CDU sich defensiv verhalten, um niemanden zu verprellen. Mir persönlich erschwert das, die richtige Partei zu finden.“ Das gelte zum Beispiel im Hinblick auf die Klimapolitik: „Es fällt schwer einzuschätzen, wie ernst sie das meinen. Den Grünen kann man das gut abkaufen, andere Parteien sind einfach mit aufgesprungen.“

Die Kanzlerkandidaten bezögen nicht vernünftig Stellung, kritisiert auch Annika Risters. „Das ist oft ein Tanz ums rohe Ei. Deswegen finde ich da niemanden, hinter dem ich richtig stehe.“ Durch an die Öffentlichkeit gezerrte Mini-Skandale verhielten sich Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) noch vorsichtiger, ergänzt Eich. Olaf Scholz (SPD) halte sich taktisch clever zurück. „Mir wäre lieber, zu sehen, wofür die Kandidaten wirklich eintreten.“

Logo Bundestagswahl

Noel Szepanski (22) bemängelt fehlende Konzepte: „Das Problem ist, dass die Parteien sagen, was falsch läuft, aber sie machen keine Lösungsvorschläge. Warum sollte der Wähler sie dann wählen?“

Einig sind sich die jungen Wähler bei den Themen, die sie umtreiben: Neben dem Klimawandel an erster Stelle sind das vor allem die Digitalisierung und die Wirtschaft. Klimapolitik müsse auf europäischer Ebene durchgesetzt werden, findet Tom Freiberger (21). „Wenn nur Deutschland Maßnahmen umsetzt, macht das wenig Sinn. Es darf nicht sein, dass eine Firma in ein anderes Land abwandert und dort machen kann, was sie will.“

Der Klimawandel sei zwar der wichtigste Punkt, sagt Annika Risters. „Aber mir ist wichtig, dass ich mich nicht in meiner Freiheit eingeschränkt fühle, indem mir gesagt wird, was ich noch kaufen kann oder welches Auto ich fahren soll.“ Bei der Digitalisierung sieht Yassin Azzouz viel Nachholbedarf: „Unser Bildungssystem ist veraltet und muss digitaler werden. Auch Mobilfunknetz und Internet müssen besser werden“, fordert er. In der Corona-Krise habe sich gezeigt, wie unflexibel das Bildungssystem sei, sagt Adrian Brattig (21). Am FLBK habe die Umstellung aufs Digitale gut geklappt. „Aber die Schüler und Studierenden waren in Deutschland die größten Leidtragenden der Pandemie.“

Auch das Thema Außenpolitik spielt für die jungen Wähler eine Rolle. Der überstürzte Abzug aus Afghanistan habe gezeigt, wie sehr Deutschland von anderen Ländern abhängig sei, sagt Brattig: „Das fand ich sehr schwach. Ich hätte mir mehr Rückgrat von der EU und Deutschland gewünscht.“

Und wie sehr ist Politik untereinander Thema? „In meinem Freundeskreis vertritt jeder andere Positionen, aber trotzdem können wir diskutieren“, sagt Laura Janowitz (21). Bei ihr und ihren Freunden spiele das keine Rolle, sagt Kim Andrae (20). „Wir unterhalten uns null über Politik.“

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Riskantes Spiel der CDU im Kleingartenstreit
Riskantes Spiel der CDU im Kleingartenstreit
Riskantes Spiel der CDU im Kleingartenstreit
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest

Kommentare