Die junge Pina Bausch schwebte über allen

Am 10. Todestag Pina Bausch wird der Solinger Freundeskreis der Tänzerin einen Dokumentarfilm uraufführen. An der Entstehung und Produktion waren die Freundeskreismitglieder Thomas Hilbig (von links), Anne Grafweg, Milan Grafweg und Sabine Franzen beteiligt. Foto: Michael Schütz
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Am 10. Todestag Pina Bausch wird der Solinger Freundeskreis der Tänzerin einen Dokumentarfilm uraufführen. An der Entstehung und Produktion waren die Freundeskreismitglieder Thomas Hilbig (von links), Anne Grafweg, Milan Grafweg und Sabine Franzen beteiligt. Foto: Michael Schütz

Solinger Freundeskreis hat Dokumentarfilm erstellt. Am 30. Juni berichten Zeitzeugen über die Anfänge der Weltkarriere der Tänzerin.

Von Philipp Müller

Christa Killing hatte Pina Bausch in der Tanzschule kennengelernt. „Sie schwebte über allen“, erinnert sich die Solingerin heute. Killing ist eine von vielen Zeitzeugen, die Anne Grafweg, die Vorsitzende des Pina-Bausch-Freundeskreises Solingen, interviewte. Aus acht Stunden Material sind 50 packende, filmische Minuten einer Dokumentation geworden. Am 30. Juni ist die Uraufführung von „Pina in Solingen“ im Theater und Konzerthaus anlässlich des 10. Todestags von Bausch.

2016 sei die Idee geboren worden, den Film zu drehen, erzählt Anne Grafweg bei der Pressevorführung des Films. Sabine Franzen vom Freundeskreis machte sich auch mit einem Aufruf im Solinger Tageblatt auf die Suche nach Menschen, die Pina Bausch in Solingen bereits seit der Kindheit kennen. Denn Ziel der Dokumentation war es, die frühen Spuren der Tänzerin aufzuzeigen. So liege der Schwerpunkt in dem Film auch in der Zeit zwischen 1949, Pina Bausch war damals neun Jahre alt, und den späten 1950er Jahren, als die Solingerin in Essen an der Folkwang-Schule studierte.

Mit drei Kameraleuten machte sich Anne Grafweg auf, ließ die Zeitzeugen vor allem reden. Das macht den Film dann auch so interessant. Er benennt scheinbar Belangloses, das in der Summe ein Bild der Nachkriegszeit zeichnet, in dem Pina Bausch zusammen mit ihren Bekannten aufwuchs. Zu tiefen Freundschaften scheint es nicht gekommen zu sein. Zu speziell war ihr Talent von Kindesbeinen an, lernt der Zuschauer. Sie habe mit Leichtigkeit den Spagat gekonnt. Wenn im Ensemble des städtischen Balletts – das gab es in der alten Stadthalle – eine Ballerina ausgefallen sei, habe Pina schon im frühen Teenager-Alter aushelfen können. Da zeigt sich viel Bewunderung in den Worten der Mitschülerinnen in der Tanzschule.

Das habe sie überrascht, erklärt Anne Grafweg. Die Distanz zwischen den gleichaltrigen Kindern sei auch darin begründet gewesen, dass Pina Bausch von den Eltern alle Unterstützung erfahren habe, Tänzerin zu werden.

Der Film wird durch emotionale Tanzszenen aufgelockert

„Die anderen Kinder durften das von zu Hause aus nicht. Tanz hatte alles andere als ein gutes Image“, sagt Grafweg, die auch selbst Tänzerin ist, heute eine Tanzschule leitet. Grafwegs Sohn Milan sichtete das Material, schnitt es zusammen. Das machte ihm so viel Spaß, dass er nun seine berufliche Zukunft in diesem Bereich sieht, erklärt er bei der Filmvorführung. Er hat auch Tanzszenen unter die Interviews gemischt, die Pina Bausch dann schemenhaft – durch Tanzschülerinnen von Anna Grafweg dargestellt – sichtbar machen. Der Kunstgriff lockert den Film auf, gibt ihm eine sentimentale Ebene.

Sabine Franzen berichtet, man hätte gerne auch mehr aus der Zeit erfahren, als Pina Bausch, bereits berühmt, mit ihren Stücken ins Solinger Theater kam. „Alle erzählen, es habe Besucher gegeben, die den Saal im laufenden Stück verlassen haben, die Türen dabei laut zuschlugen.“ Doch keiner erzähle etwas zu den Gründen, da herrsche großes Schweigen. Auch in der Presse sei das nicht berichtet worden. Die Bewunderung für die Stücke und Pina Bausch habe das wohl ausgeblendet.

Zur Premiere am 30. Juni wird Anne Grafweg im Anschluss zum Gespräch über das Gesehene bitten. Außerdem fordere man auch zur Bewegung auf. „Wir wollen die Nelken-Line nachtanzen“. Diese Choreographie Bauschs aus ihrem Stück „Nelken“ sei bereits vielfach verfilmt und nachgetanzt worden.

FREUNDESKREIS

VEREIN Der Freundeskreis Solingen wurde 2010 gegründet. Er hat über 50 Mitglieder. Der Freundeskreis hat es sich zur Vereins-Aufgabe gemacht, die Spuren von Pina Bausch in Solingen zu dokumentieren. So will man das Bewusstsein für die Bedeutung des Werks der Tänzerin und Choreographin in Solingen fördern.

FILMPREMIERE Der Pina-Bausch-Freundeskreis lädt anlässlich des 10. Todestages von Pina Bausch zu einer Matinee in das Theater und Konzerthaus Solingen ein. Im Foyer des Konzerthauses findet das am Sonntag, 30. Juni, um 11 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

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