Interview

Jugendstadtrat fordert besseren ÖPNV

Finn Grimsehl-Schmitz. Foto: asc
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Finn Grimsehl-Schmitz.

Gremium wird vom 2. bis 6. November neu gewählt – der Vorsitzende Finn Grimsehl-Schmitz zieht Bilanz.

Das Gespräch führte Anja Kriskofski 

Im November wird der neue Jugendstadtrat gewählt. Welche Bilanz ziehen Sie aus den vergangenen drei Jahren?

Finn Grimsehl-Schmitz: Für mich persönlich war das eine sehr bewegte Zeit. Wir konnten viel auf die Beine stellen. Auf der anderen Seite bleiben auch noch Aufgaben übrig, von denen wir hoffen, dass der neue Jugendstadtrat (JSR) sie mit Tatkraft übernimmt. Der JSR als Institution hat in den drei Jahren auf jeden Fall Fortschritte gemacht. In der Politik und in der Verwaltung werden wir besser wahrgenommen, als das vorher der Fall war.

Ein wichtiges Thema war der Ausbau des ÖPNV. Haben Sie erreicht, was Sie wollten?

Grimsehl-Schmitz: Wir haben mit einer Unterschriftensammlung zumindest das Teilziel erreicht, dass die Deckelung des ÖPNV per Ratsbeschluss aufgehoben wurde. Trotzdem mussten wir jedes Jahr darum ringen, dass es keine Kürzungen gibt. Das Angebot muss erweitert und jugendgerecht werden. Die Nachtbus-Verbindungen, die wir seit Jahren einfordern, müssen kommen. Das betrifft vor allem die Anbindung der Alten Schlossfabrik in Unterburg. Die Stadt Solingen kann sich nicht allein auf den Veranstalter verlassen, dass er Shuttle-Busse bereitstellt. Es ist ein Sicherheitsrisiko, wenn Jugendliche abends die Burger Landstraße hochlaufen oder sich per Elterntaxi abholen lassen. Die Stadt müsste bei Veranstaltungen Busse im 45-Minuten-Takt bereitstellen. Auch auf den anderen Linien sollte der Nachtbus bis 1 Uhr im halbstündigen Takt fahren. Das würde abends auch die Aufenthaltsqualität am Graf-Wilhelm-Platz verbessern.

Ein Thema war auch das Rederecht für den Jugendstadtrat in den politischen Gremien.

Grimsehl-Schmitz: Wir sind auf dem besten Wege, eine Dreier-Allianz mit dem Seniorenbeirat und dem Behindertenbeirat zu bilden, um dafür zu kämpfen, dass die Expertise dieser Interessenvertretungen besser in die Politik einfließen kann. Weiterhin bleibt es uns ein Anliegen, weil gerade junge und überparteiliche Menschen in der Politik total unterrepräsentiert sind. Von den jugendpolitischen Sprechern der Parteien und dem Oberbürgermeister werden wir in unserem Anliegen unterstützt. Aber bislang gab es im Rat keine Mehrheit dafür. Die Gründe sind für uns nicht nachvollziehbar.

Wie hat sich die Attraktivität der Stadt für Jugendliche entwickelt?

Grimsehl-Schmitz: Es wurden einige Sachen geschaffen. Mit dem Klingentrail haben wir zum Beispiel ein sehr erfolgreiches Angebot für Freizeitsportler bekommen. Wir haben versucht, die Partyszene am Leben zu halten und haben Kooperationen unter anderem mit der Schlossfabrik geschlossen. Auf der anderen Seite gab es einen ziemlichen Einschnitt durch die Schließung des „Getaway“. Es braucht definitiv eine Diskothek in Solingen. Auch für die Eishalle müssen wir eine Lösung finden.

Für die Wahlwerbung an den Schulen musstet ihr coronabedingt ein anderes Format wählen. Wie läuft das ab?

Grimsehl-Schmitz: Wir sind sehr froh, dass wir die Jugendstadtratswahl jetzt erst ausrichten, im Frühjahr hätte Corona uns das zerschossen. Wir sind durch alle weiterführenden Schulen getourt. Am Gymnasium Schwertstraße haben wir die Vorstellung als Livestream gemacht.

„Ich halte grundsätzlich keinen Jugendlichen für unpolitisch.“

Finn Grimsehl-Schmitz

Das hatte den Vorteil, dass wir in alle Klassen streamen konnten. Einen zweiten Livestream haben wir an einem Abend veranstaltet. An den anderen Schulen haben wir uns meist den Schülervertretern vorgestellt, die das weitergetragen haben. Wir haben zudem mehr Werbung auf Social Media gemacht, als das früher der Fall war. Wir sind guter Dinge, dass die Wahlbeteiligung ein ähnliches Niveau erreicht wie bei der Kommunalwahl – wo allerdings bekannterweise auch noch Luft nach oben war.

Warum engagieren Sie sich im Jugendstadtrat?

Grimsehl-Schmitz: Ich saß vor fünf Jahren genauso unerfahren da wie die Jugendlichen, die wir jetzt auf der Wahltour treffen. Ich hatte schon ein politisches Bewusstsein, weil ich mich in der Schülervertretung engagiert habe. Die Motivation für mein Engagement im Jugendstadtrat war, das Leben in Solingen für Jugendliche attraktiver zu machen und dass Jugendliche mehr mitentscheiden können. Verändern und mitentscheiden sind Dinge, die alle Jugendlichen gerne wollen. Darum halte ich auch grundsätzlich keinen Jugendlichen für unpolitisch. Vorerfahrungen für den Jugendstadtrat sind nicht erforderlich, und ich freue mich über die vielfältigsten Bewerbungen.

Sie kandidieren nicht mehr. Was hat Ihnen die Zeit im JSR gebracht?

Grimsehl-Schmitz: Einen ganz anderen Einblick in unsere Stadt, wie sie funktioniert und wo man etwas verändern kann. Man lernt, mit unterschiedlichen Menschen umzugehen, wird kommunikativer und knüpft eine Menge Kontakte. Ich möchte vor allem zu den Themen Stadtplanung, Verkehr und Klimaschutz auch weiter arbeiten.

Welche Rolle hat das Thema Klimaschutz im Jugendstadtrat gespielt, das vielen Jugendlichen wichtig ist?

Grimsehl-Schmitz: Wir haben es als Jugendstadtrat 2019 geschafft, die „Fridays for Future“-Bewegung auch nach Solingen zu holen, als sie in anderen Städten aufkam. Es ist eine Bewegung, die hauptsächlich von Schülern und Schülerinnen getragen wird. Wir haben vielleicht ein bisschen den Startschuss gegeben. Als Preisträgerin des Agenda-Preises leistet die aktuelle Ortsgruppe eine super Arbeit.

Wahl

Bis zum 29. September können Bewerbungen für den Jugendstadtrat eingereicht werden. Die Wahl findet vom 2. bis 6. November an allen weiterführenden Schulen statt. Bewerben kann sich, wer am 2. November 2020 mindestens 14 und höchstens 21 Jahre alt ist.

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