Familienzeit

Wie Jugendliche den Lockdown erleben

Till Krenczik musste sein Auslandsjahr unterbrechen. Foto: Studioline
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Till Krenczik musste sein Auslandsjahr unterbrechen.

Vier Solinger berichten von fehlenden sozialen Kontakten und Unsicherheit beim Schulabschluss.

Von Celia Matthaei

Solingen. Das vergangene Jahr stellte besonders für die Jugendlichen eine große Herausforderung dar. Neben dem Präsenzunterricht in der Schule mussten sie auf vieles verzichten, was für sie sonst zum Alltag gehört. Vier Jugendliche berichten, wie sie das vergangene Jahr erlebt haben und welche Gefühle sie ins neue Jahr begleiten, in dem der Lockdown sich fortsetzt.

Welche Gefühle haben die Jugendlichen dieses Jahr begleitet?

„Es waren sehr viele unterschiedliche Gefühle im Spiel. Viel Positives, aber natürlich hat man auch vieles vermisst“, blickt die 17-jährige Sarah Barnstijn zurück. „Ich habe alle möglichen Emotionen durchlebt, da nichts vorhersehbar war und man immer wieder positiv, aber auch negativ überrascht wurde. Besonders aber natürlich Gefühle wie Sorge und Unsicherheit, Freude, Aufregung, aber auch Hoffnung haben mich begleitet“, erzählt die 17-jährige Lena Blosche.

Der 15-jährige Jonas Becker berichtet von gemischten Gefühlen: „Zunächst war es sehr positiv. Plötzlich hatten wir Ferien. Aber irgendwann hatte man es einfach satt, zu Hause sein zu müssen. Ich wünschte mir da doch eher die Normalität zurück.“ Mit der erneuten Schulschließung befinden sich die Schüler nun in der gleichen Situation wie im Frühjahr 2020. „Im letzten Jahr war ich sehr besorgt, dass ich durch die Pandemie mein Auslandsjahr in Frankreich nicht antreten konnte. Dies hat dann doch geklappt, aber leider musste ich es aufgrund von Corona unterbrechen und kann erst wieder im Januar zurückkehren“, sagt Till Krenczik (16).

Wie empfinden die Jugendlichen die Corona-Einschränkungen?

„Ich halte die Maßnahmen für sinnvoll, dennoch schränken sie natürlich mein soziales Leben stark ein“, sagt Sarah Barnstijn. „Mich haben die Ausgangsbeschränkungen und der Shutdown während meiner Zeit in Frankreich sehr besorgt. Schade ist auch, dass Kino- und Restaurantbesuche nicht möglich sind und man viel Zeit zu Hause verbringen muss“, erzählt Till Krenczik.

Auch Jonas Becker empfindet die Einschränkungen als angemessen: „Auch Dinge wie Maske tragen und Abstand halten finde ich nicht schlimm. Allerdings tun mir die vielen Unternehmen und Leute leid, die jetzt vieles oder alles verlieren, ohne dass sie etwas dafür können.“ Lena Blosche kann die Dringlichkeit der Corona-Einschränkungen nachvollziehen, findet aber auch, dass manche Dinge besser hätten geregelt werden können: „Die Situation rund um Weihnachten und Silvester hätte sich vermutlich auch gebessert, wenn im November eine noch stärkere Verschärfung der Regeln in Betracht gezogen worden wäre. Auch eine bessere Einweisung der Lehrkräfte für den Distanzunterricht hätte früher stattfinden können.“

Wo hat die Pandemie sie besonders eingeschränkt?

Jonas Becker fehlt das Handballtraining.

„Ich konnte meine Hobbys nicht richtig ausüben. Ich bin es gewohnt, drei bis vier Mal die Woche Fußball zu spielen, daher fehlt mir die Bewegung und der Sport an sich“, erklärt Till Krenczik. Die größte Einschränkung empfand Lena Blosche in ihren sozialen Kontakten: „Ich habe viele Freunde seit Beginn der Pandemie nicht sehen können, vor allem Freunde auch außerhalb der Schule. Auch meine Familie, besonders meine Großeltern, konnte ich kaum sehen, da sie auch noch nicht so technikaffin sind, als dass man videochatten könnte. Der Distanz–unterricht an sich hat mich nicht besonders eingeschränkt, aber es hat einfach gefehlt, jeden Morgen in die Schule zu gehen.“

Was fehlt den Jugendlichen besonders?

„Wenn ich ehrlich bin, fehlt es mir am meisten, feiern zu gehen. Und Zeit mit Freunden ohne Einschränkungen verbringen zu können“, sagt Sarah Barnstijn. Jonas Becker vermisst besonders das Handballtraining: „Anfangs habe ich mich noch gefreut, eine Pause machen zu können, aber jetzt fehlt es mir doch. Nur Laufen zu gehen und zu Hause Sport zu machen, ist auf Dauer doch etwas langweilig.“

„Ich hoffe einfach, dass die Jugendlichen ihre Jugend wieder genießen können.“
Lena Blosche (17)

Lena Blosche fehlt der tägliche Kontakt mit mehreren Freunden, sowie das Feiern von Geburtstagen: „Man kann sich nicht mehr spontan mit mehreren Freunden verabreden, was einem aber erst richtig bewusst wird, wenn man es vor hätte. Jetzt schätze ich das alles viel mehr, als ich es vor Corona getan habe.“

Wie halten die Jugendlichen Kontakt zu Freunden und Familie?

Sarah Barnstijn vermisst, dass sie nicht uneingeschränkt Zeit mit Freunden verbringen kann.

Till Krenczik tauscht sich mit seinen Freunden über Videoanrufe und WhatsApp aus: „Mit der Familie führen wir Zoom-Konferenzen durch. Dadurch kann ich meine Großeltern, Tanten, Onkel und Cousins und Cousinen regelmäßig sehen.“ Findet nur Distanzunterricht statt, hält Sarah Barnstijn über soziale Netzwerke Kontakt. „Ich telefoniere viel öfter als früher. Durch Videochats beispielsweise kann man sich online treffen, obwohl das natürlich keineswegs vergleichbar ist mit persönlichen Treffen“, sagt Lena Blosche.

Gibt es dennoch etwas Positives für die Jugendlichen?

„Glücklicherweise kann ich am 15. Januar wieder nach Frankreich aufbrechen und mein Auslandsjahr fortsetzen. Außerdem konnte ich seit März viel Zeit mit meiner Familie verbringen und mich ausruhen, was durch mein Hobby und den Besuch eines Sportgymnasiums in Leverkusen oft zu kurz kam“, berichtet Till Krenczik. Jonas Becker sagt, er habe die Zeit zuhause genutzt und mit seiner Familie vieles verschönert. Sarah Barnstijn blickt auf einen verhältnismäßig normalen Sommer zurück: „Man konnte etwas unternehmen und reisen.“

Lena Blosche macht in diesem Jahr Abitur.

„Ich persönlich kann viel aus der Zeit in der Pandemie lernen. Während des Distanz–unterrichts habe ich beispielsweise gelernt, mich besser zu organisieren. Ich hatte auch viel mehr Zeit für mich selbst und habe mich Sachen gewidmet, für die ich normalerweise keine Zeit habe. Die Pandemie hat mir auch gezeigt, wie wichtig die Familie in so einer schwierigen Zeit ist“, erzählt Lena Blosche.

Was tun sie als Erstes, wenn wieder Normalität zurückkehrt?

„Ich würde meinen Geburtstag mir sehr vielen Leuten nachfeiern“, sagt Jonas Becker. „Als erstes würde ich mit meiner Familie und Freunden wieder ein Restaurant besuchen. Auch ein Kinobesuch mit Freunden wäre eine schöne Abwechslung“, meint Till Krenczik. Lena Blosche möchte die Normalität beim Einkaufen wieder nutzen: „Ich würde gerne ohne Maske in die Läden gehen, ohne Angst vor eine Infektion. Auch das Reisen hat mir sehr gefehlt. Treffen mit vielen Freunden, die sie nicht sehen konnte, stehen ebenfalls auf ihrer Wunschliste. Sarah Barnstijn erzählt, dass sie wieder auf Partys gehen und viel Zeit außerhalb von zu Hause verbringen würde.

Welche Gefühle begleiten die Jugendlichen ins neue Jahr?

„Ich blicke mit Zuversicht dem neuen Jahr entgegen. Durch den Impfstoff gehe ich davon aus, dass wir Mitte 2021 wieder in eine geordnete Normalität zurückkehren können und die Lockdowns dann Geschichte sein werden“, sagt Till Krenczik. Auch Jonas Becker und Sarah Barnstijn denken, dass es 2021 langsam besser wird und ab dem Sommer wieder vieles normal sein wird.

Lena Blosche blickt dem neuen Jahr optimistisch entgegen, sieht aber auch die Verunsicherungen für die Abschlussklassen: „Mich als Abiturientin beschäftigt natürlich besonders die Ungewissheit, welche mit dem Abitur 2021 verbunden ist. Unser Jahrgang hat schon auf Kursfahrten und Exkursionen verzichten müssen. Viel Unterricht ist ausgefallen, und die Ungewissheit bezüglich der Abschlussprüfung verunsichert uns sehr. Hinzu kommt die Frage, ob eine Motto-Woche, ein Abi-Ball oder eine Abi-Feier stattfinden können. Ich hoffe einfach, dass die Jugendlichen ihre Jugend wieder genießen können.“

Homeschooling

Bis Ende Januar müssen auch in Nordrhein-Westfalen die Schüler wieder von zu Hause aus lernen. Eine Notbetreuung gibt es nur für Kinder der Jahrgänge 1 bis 6 sowie für Schüler mit besonderem Förderbedarf. Für den Distanzunterricht sind die Schulen unterschiedlich gut aufgestellt. Einige unterrichten über Videokonferenzen, andere stellen Aufgaben vor allem über Lernplattformen zur Verfügung.

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