Was jugendliche Erstwähler denken

Der Austausch mit anderen ist Charlotte Berg wichtig. Foto: Berg
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Der Austausch mit anderen ist Charlotte Berg wichtig. Foto: Berg

Diese vier jungen Solinger dürfen bei der Kommunalwahl erstmals ihre Stimme abgeben

von Celia Matthaei

Bereits seit 1999 dürfen Jugendliche ab 16 Jahren bei den Kommunalwahlen in NRW wählen. Am 13. September können also auch junge Erstwähler ihre Stimme für Oberbürgermeister-Kandidaten, Stadtrat, Bezirksvertretung und Zuwanderer- und Integrationsrat abgeben. Das ST hat vier von ihnen befragt.

Besonders als Erstwähler war den Jugendlichen eine Vorbereitung auf die Wahl wichtig. „Die ersten Informationen habe ich durch die Artikel in der Zeitung und die Flyer erhalten, die im August verteilt worden sind“, erklärt die 16-jährige Charlotte Berg. „Ich habe mich vor allem über das Internet mit den Parteien und ihren Wahlversprechen beschäftigt. Natürlich sind mir auch schon frühzeitig die vielen Wahlplakate aufgefallen“, sagt Max Urbitsch (16).

Auch der 17-jährige Felix Neumeyer wählt zum ersten Mal: „Besonders hilfreich bei der Vorbereitung war, dass wir im Sozialwissenschafts-Unterricht in der Schule Gegenüberstellungen und Vergleiche der Parteien durchgeführt haben, um einen Überblick zu gewinnen.“ Auch der Austausch mit Gleichaltrigen spiele für die Jugendlichen eine große Rolle, wie Charlotte Berg berichtet. Für eine bessere Vorbereitung wünschen sich einige Jugendliche eine Art Wahl-o-Mat, „um sich einen Überblick über die Positionen der Parteien und Kandidaten zu verschaffen und sie leichter und direkt vergleichen zu können“, teilt Felix Neumeyer mit. „Dies könnte die Qualität der Wahl steigern“, sagt Constanze Grabas (17).

Dennoch sehen die Jugendlichen das Engagement der Parteien, sie als Erstwähler zu erreichen, auch kritisch. „Oftmals war es sehr schwierig, über das Internet an konkrete Infos zu gelangen. Auf einigen Homepages von Parteien musste lange gesucht werden, um ein Wahlprogramm zu finden. Die enthaltenen Wahlversprechen waren teilweise unkonkret, sodass es schwierig war, sich ein Bild über die zukünftigen Projekte in Solingen zu machen“, sagt Max Urbitsch. „Die Wahlprogramme waren teilweise bis zu 100 Seiten lang, und über die sieben Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl stand nicht wirklich viel im Internet“, berichtet Constanze Grabas. Max Urbitsch findet, dass die Online-Präsenz einzelner Parteien verbessert werden sollte. „Das lange Suchen nach Informationen könnte junge Menschen von ihrem Stimmrecht abschrecken.“ „Kurzwahlprogramme“ würden den Jugendlichen helfen, den Einstieg einfacher zu gestalten, erklärt Felix Neumeyer.

„Das lange Suchen nach Infos könnte abschrecken.“

Max Urbitsch, Erstwähler

Charlotte Berg betont, wie wichtig es sei, in den Wahlprogrammen auch Themen zu behandeln, die die Jugendlichen besonders interessieren wie Bildung und Digitalisierung.

Ihrer Wahlbeteiligung blicken die Erstwähler verantwortungsbewusst entgegen. „Das politische Stimmrecht ist eine große Chance, etwas in der eigenen Stadt bewirken und mitentscheiden zu können. Da gerade Demonstrationen wie Fridays for Future gezeigt haben, dass unsere Generation sehr aktiv sein kann, finde ich es umso besser, dass sie nun eine Stimme hat“, sagt Charlotte Berg. Constanze Grabas hält 16 Jahre für ein passendes Wahlalter: „Viele Jugendliche haben in der Schule das Unterrichtsfach Politik, wo auch speziell über die Wahlen, Parteien und ihre Wahlprogramme diskutiert wird.“

Max Urbitsch sieht eine hohe Verantwortung in der Vorbereitung der Jugendlichen. „Mit dem Wahlrecht ab 16 sollte auch Aufklärung einhergehen.“ Tatsächlich wüssten viele Jugendliche gar nicht, dass sie dieses Jahr bereits wählen dürfen, ergänzt Charlotte Berg. „Unter Jugendlichen gibt es natürlich auch Nicht- beziehungsweise Protestwähler, sowie unaufgeklärte Wähler. Aber auch sie verdienen es, eine Stimme zu haben“, sagt Constanze Grabas.

Kommunalwahl

Wahlberechtigte: Am 13. September dürfen 126 700 Solinger wählen.

Wahlbenachrechtigung: Damit kann im Wahllokal gewählt werden oder bis zum 8. 9. Antrag zur Briefwahl (Rückseite) gestellt werden.

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