Nachgehakt

Sam Jordan zum Bau-Boom in Solingen

Für das Grossmann-Gelände in Wald entwickelt Sam Jordan Ideen, Wohnen und Gewerbe neu anzusiedeln. Das Areal gilt als wichtig für die Entwicklung von Wald.
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Für das Grossmann-Gelände in Wald entwickelt Sam Jordan Ideen, Wohnen und Gewerbe neu anzusiedeln. Das Areal gilt als wichtig für die Entwicklung von Wald.

Die Redaktion des Solinger Tageblatts hatte einigen Akteuren Fragen zum aktuellen Immobilienmarkt und zu den laufenden und anstehenden Bauprojekten gestellt.

Solingen. Das ST hat ausdrücklich um ausführliche Antworten gebeten, die sich auf diese Themen konzentrieren sollten:

  • Ist der Markt so groß, dass man die alle verkauft bekommen wird? Und wer wird sie kaufen?
  • Ist die Zahl der Interessenten so groß, dass man die Wohnungen auch anschließend vermieten kann?
  • Droht bei Verkaufspreisen zwischen knapp 4000 Euro pro Quadratmeter und teilweise deutlich mehr nicht eine Immobilienblase?
  • Hat bei dieser „Goldgräberstimmung“ der geförderte Wohnungsbau dabei überhaupt noch eine Chance? Und wenn ja, wo und wer soll es umsetzen?

Es folgen nun die Einschätzung von Sam Jordan zur Lage des Immobilienmarkts. Seine Solinger Firma Raumvision hat die Entwicklung des ehemaligen Firmengeländes der Gießerei Grossmann in Wald vor der Brust. Er hatte zuletzt als großes, sichtbares Projekt die Wohnungen im Südpark an der Bahnhofstraße umfassend saniert.

Solingen muss zukunftsorientiert handeln

Von Sam Jordan

„Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen.“ mit diesem Zitat von Goethe möchte ich die Beantwortung Ihrer Frage beginnen. Voraussetzen möchte ich dabei, dass das Ziel einer Kommune immer darin bestehen sollte, attraktiver zu werden, wachsen zu wollen und damit für seine Bürgerinnen und Bürger ein lebenswertes Umfeld zu bieten. Ich bin fest davon überzeugt, dass Solingen das Potenzial hierfür hat und es geht nur darum, ob Solingen sich dieser Herausforderung stellen will und dieses Ziel verfolgt oder den Zug an sich vorbeifahren lässt. In Gesamtdeutschland wird jede einzelne Kommune vor die Frage gestellt, ob sie lieber wachsen oder doch lieber schrumpfen will. Einen Stillstand wird es hierzu nicht geben. Eine Erneuerung wird in jedem Fall in zukunftsorientierten Städten stattfinden, im besten Fall geschieht diese auf eine nachhaltige Art und Weise. Hierfür müssen alle Protagonisten an einem Strang ziehen, denn dann werden wir nicht nur 1000 Einheiten, sondern vielleicht 3000 oder sogar 5000 Einheiten benötigen.

Es kommt nicht auf den Preis an, sondern darauf, was gebaut wird

Nachhaltigkeit bedeutet natürlich auch etwas höhere Verkaufspreise, doch sind diese in Solingen derzeit noch nicht bei 4000 Euro pro Quadratmeter, ganz im Gegensatz zu vielen andern Großstädten. Der reine Quadratmeterpreis sollte, wenn es irgendwann zu diesem Punkt kommt, nicht pauschal negativ beurteilt werden, sondern viel mehr aus dem Blickwinkel einer langfristigen Nachhaltigkeit heraus, wie das beispielsweise durch eine KfW 55 geförderte Immobilie geschieht.

Dies bedeutet für den Käufer zwar anfangs einen höheren Quadratmeterpreis, jedoch eine insgesamt profitablere Investition. Mehr Nachhaltigkeit, mehr Umweltschutz, niedrigere Nebenkosten sowie niedrige Renovierungsarbeiten sind nur einige von vielen Vorteilen von Neubauprojekten. Eine Betrachtung des reinen Quadratmeterpreises ist daher zu einseitig.

In Solingen werden noch nicht alle Potenziale ausgeschöpft

Durch die Vergabe von Neubauprojekten wird unsere Stadt zwar gestärkt, jedoch werden derzeit noch lange nicht die vielen Potenziale ausgeschöpft. Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen: Hierzu möchte ich das von Ihnen erwähnte Unternehmen Kondor Wessels aufzeigen. Es handelt sich um ein top seriöses Unternehmen, welches in Solingen zurzeit viele Bauprojekte realisiert. Aber Kondor Wessels erwirtschaftet durch seine Projekte kaum langfristige Mehreinnahmen für Solingen, sondern schöpft vielmehr Gelder in Solingen ab. Kondor Wessels nutzt seine eigenen Handwerker sowie Unterfirmen, welche, genau wie Kondor Wessels selbst, nicht in Solingen ansässig sind und damit hier nicht einmal Gewerbesteuer zahlen. Diese Einnahmen gehen stattdessen in die Kommunen, in denen Kondor Wessels seinen Sitz hat. Andere Kommunen wissen sich hier deutlich besser zu helfen und holen ihre lokal ansässigen Partner mit ins Boot. Auf diese Thematik werde ich immer wieder aus verschiedenen Kreisen angesprochen und das müssen wir seitens der Stadt dringend ändern.

Somit komme ich wieder auf mein anfängliches Zitat zurück, welches für Solingen nur heißen kann, dass wir uns auf Solingens Handwerkstraditionen zurückbesinnen, Solinger Unternehmen fördern und dadurch Wachstum für Solingen auf vielen Ebenen schaffen.

Das ST hat mir mehreren Experten zum Bau-Boom in Solingen gesprochen, das sind die weiteren Beiträge:

Stefan Jäger, Olaf Jansen Immobilien, sagt: „Die Nachfrage nach Wohnraum in Solingen und von außerhalb ist stark.“ 

Gerd Fischer, plan8 Group, meint: „Die großen Projekte sind am Bedarf vorbeigeplant.“ 

Baudezernent Hartmut Hoferichter verspricht: „Bebauungspläne haben nur Vorrang, wenn auch geförderter Wohnraum geschaffen wird.“ 

Makler Dirk Isenburg fordert: „Bei geförderten Wohnungsbau sollte nicht die Investoren, sondern die Mieter gefördert werden.“

Projektentwickler Norbert Zimmermann ist sich sicher: „Eine gute Zukunft verspricht das nachhaltige, ökologische Bauen.“ 

Dr. Thorsten Meis, Kubikom, sagt: „Günstigen Wohnraum gibt es vor allen in älteren Gebäuden.“ 

Zudem sei an dieser Stelle auf ein Interview mit Leo de man von Kondor Wessels verwiesen, in dem er erklärt, warum der Berliner Baukonzern so umfangreich in der Klingenstadt investiert.

Hintergrund-Information finden die ST-Leser dort auch als Download:

Der aktuelle Grundstücksmarktbericht 2020 der Stadt.

Das Handlungskonzept Wohnen der Stadt Solingen.

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