Interview

Jörg Heynkes: „Eine IHK muss sich politisch verhalten“

Jörg Heynkes – hier im Bürgerzentrum Arrenberg – will IHK-Präsident werden. Archivfoto: Stefan Fries
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Jörg Heynkes will IHK-Präsident werden.

Der Unternehmer Jörg Heynkes verrät im ST-Gespräch, warum er als Präsident der Bergischen IHK kandidiert.

Das Gespräch führte Andreas Boller

Bergisches Land. Der Wuppertaler Unternehmer Jörg Heynkes kandidiert für das Amt des Präsidenten der Bergischen Industrie- und Handelskammer. Amtsinhaber Thomas Meyer hatte bereits im März 2020 angekündigt, dass er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht. Die konstituierende Sitzung der neugewählten IHK-Vollversammlung ist für den 8. Juni geplant.

Herr Heynkes, auf Ihrer Homepage ist der Satz zu lesen: Erfolg ist der perfekte Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu machen? Warum ist es für Sie der richtige Zeitpunkt für eine Kandidatur?
Jörg Heynkes: Eine sehr beeindruckende Persönlichkeit hat ihre Kandidatur für die Präsidentschaft zurückgezogen. Aktuell gibt es keine weiteren Kandidaten, die bereit sind, die großen ehrenamtlichen Aufgaben zu übernehmen und in große Fußstapfen zu treten. Hoffentlich werden noch weitere Kandidatinnen oder Kandidaten hinzukommen, denn ich würde es befürworten, wenn es das erste Mal eine Auswahl bei einer Präsidentenwahl geben würde. Es ist nicht despektierlich, bei einer Wahl zu unterliegen, ich würde mich in diesem Fall auch nicht als Verlierer sehen. Aktuell gibt es 13 Bewerber für die acht Plätze im Präsidium, das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft der IHK.
Bringen Sie als IHK-Vizepräsident einen Amtsbonus mit?
Heynkes: Ich bin seit acht Jahren Mitglied im Präsidium und habe in dieser Zeit aus eigenen Fehlern und auch aus Konflikten mit IHK-Präsident Thomas Meyer und Hauptgeschäftsführer Michael Wenge eine Menge gelernt. Ich habe Fehler eingestanden und dies auch kommuniziert. Die Ausbildungsphase habe ich hinter mir.
Welchen Kurs wollen Sie mit der IHK einschlagen, was sind Ihre Ziele?
Heynkes: Es geht nicht um eine Revolution, wie sie die Industrie- und Handelskammer in Hamburg erlebt hat und die übrigens gescheitert ist, sondern ich erwarte eine deutliche Weiterentwicklung der Bergischen IHK. Die 38 000 Mitgliedsbetriebe sind nicht freiwillig Mitglied in der IHK, sie sind dazu verpflichtet. Das Ziel der 80 Mitglieder der IHK-Vollversammlung des Präsidiums muss sein, dass die IHK die bestmögliche Leistung für Ihre Mitglieder erbringt. Das habe ich immer eingefordert. Es ist nicht so, dass alles schlecht wäre, aber besser geht immer. Wir müssen den Unternehmen helfen, durch die schwierigen Jahre zu kommen.
Was sind inhaltlich Ihre thematischen Schwerpunkte?
Heynkes: Digitale Transformationsprozesse, nachhaltiges Wirtschaften und die Corona-Pandemie sind aus meiner Sicht die zentralen Themen der kommenden Jahre. Sowohl im Bund als auch im Land NRW ist in Zukunft eine Regierungsbeteiligung der Grünen nicht auszuschließen, das würde die politische Ausrichtung verändern. Da sehe ich meine Rolle als Brückenbauer, denn Transformation und Nachhaltigkeit sind Themen, mit denen ich mich seit Jahren beschäftige und Aufgabenstellungen, wo ich vertrauensbildend tätig sein könnte.
Wie politisch oder unpolitisch sollte oder muss die IHK sein?
Heynkes: Eine IHK muss sich politisch verhalten, wir können gar nicht völlig unpolitisch sein. Im Rahmen der vorgeschriebenen Grenzen gehört für die IHK die Teilnahme am politischen Diskurs dazu. Die IHK sollte zu politischen Themen aber nicht allein eine vermeintliche Mehrheitsmeinung vertreten, wie es in der Vergangenheit zuweilen geschehen ist, sondern sie sollte auch die Minderheitsmeinungen kommunizieren. Als IHK-Präsident muss man sich mit Minderheitsmeinungen auseinandersetzen.
Und wie sollte sich die IHK an den Themen und Aufgaben der Stadtgesellschaft beteiligen?
Heynkes: Die IHK muss sich in die Stadtgesellschaft einbringen, sie muss in Zusammenarbeit mit den Städten und der Bergischen Universität Start-ups und Unternehmensgründungen fördern. Wir dürfen die Industriebetriebe nicht verlieren, auch wenn die Entwicklung in Richtung einer Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft geht. Gegenüber anderen Regionen haben wir schon an Boden verloren.
Sie haben die Notwendigkeit angesprochen, die Kommunikation der IHK zu verbessern. Sie selbst sind sehr aktiv in den Sozialen Medien und haben einige kontroverse Diskussionen ausgelöst. Wie würden Sie in Zukunft als IHK-Präsident verfahren?
Heynkes: Ich will weiterhin meine persönliche Meinung vertreten und bin mir bewusst, dass ich in der Vergangenheit damit auch polarisiert habe. Sollte ich gewählt werden, müsste ich noch deutlicher kommunizieren, was eine persönliche Meinungsäußerung ist und was die Stellungnahme des ehrenamtlichen Präsidenten der Bergischen Industrie- und Handelskammer. Die Trennung müsste schärfer sein.

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