Jobsharing klappt in Leitungsfunktion

Die Richterinnen Sonja Christmann (l.) und Dr. Daniela Harsta teilen sich seit diesem Monat die Stelle der Vertretung des Direktors am Solinger Amtsgericht. Foto: Christian Beier
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Die Richterinnen Sonja Christmann (l.) und Dr. Daniela Harsta teilen sich seit diesem Monat die Stelle der Vertretung des Direktors am Solinger Amtsgericht. Foto: Christian Beier

Sonja Christmann und Dr. Daniela Harsta sind beim Amtsgericht gemeinsam die Vertretung des Direktors

Von Simone Theyßen-Speich

Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, das ist in aller Munde – bei jungen Familien, bei modern aufgestellen Arbeitgebern und bei Politikern. Nach wie vor ist es aber ein Kraftakt, vor allem für Frauen, die Kindererziehung und die Karriere zu vereinbaren. Frauen, die sich eine Leitungsaufgabe teilen, Jobsharing in höchsten Positionen, sind immer noch die Ausnahme.

Am Solinger Amtsgericht haben jetzt zwei Frauen diesen Spagat gemeistert. Seit zwei Wochen sind die Richterinnen Sonja Christmann (48) und Dr. Daniela Harsta (40) gemeinsam als ständige Vertreterinnen des Direktors, Amtsgerichtsdirektor Markus Asperger, tätig.

Die beiden Juristinnen sind aber auch jeweils zweifache Mütter. Die Kinder von Sonja Christmann, die eine 70-Prozent-Stelle hat, sind 12 und 15 Jahre alt, die von Dr. Daniela Hersta (50-Prozent-Stelle) sind zwei und sieben Jahre alt. „Familie und Karriere zu vereinbaren, erfordert natürlich eine gute Organisation in allen Bereichen“, betont Dr. Hersta.

Umso mehr freuen sich die beiden Frauen, dass sie mit dem Jobsharing-Modell bei den 16 Richter-Kollegen und etwa 100 Mitarbeitern im Amtsgericht an der Goerdelerstraße gut aufgenommen wurden. „Da gibt es keine Vorbehalte, alle wissen, dass wir gut erreichbar sind“, erklärt Sonja Christmann.

Sie ist seit 2001 Richterin, zunächst im Oberlandesgerichtsbezirk Köln als Amtsrichterin am Amtsgericht Leverkusen. „In diese Zeit fielen auch die Geburten meiner Kinder und die Elternzeit“, so Christmann. Während der Kinderpause habe sie sich ehrenamtlich engagiert. „Gerade in unserem Beruf ist es aber auch wichtig, sich inhaltlich bei der aktuellen Rechtssprechung auf dem Laufenden zu halten“, betont die Richterin. 2011 ist sie dann mit einer 50-Prozent-Stelle wieder eingestiegen.

Aufgabe im Ministerium war Schritt auf der Karriereleiter

Anfang 2017 wechselte Sonja Christmann dann auf eine Stelle beim Ministerium, die schon mit der Möglichkeit, sie auf zwei Hälften zu teilen, ausgeschrieben war. Sie übernahm die Aufgaben der strategischen Personalentwicklung. Dr. Daniela Harsta hatte sich erfolgreich für die andere Hälfte, die Angelegenheiten von Rechtsanwälten und Notaren, beworben. „Wir haben drei Jahre gut zusammengearbeitet, saßen in einem Büro, und die Chemie stimmte“, betonen beide. Dr. Daniela Harsta, die seit 2009 Richterin ist, hatte zuvor im OLG-Bezirk Düsseldorf am Landgericht Düsseldorf gearbeitet, bevor sie ins Ministerium gewechselt war.

Beiden war klar, dass diese dreijährige sogenannte „Ersatzerprobung“ ein Schritt für eine Beförderung sein könnte. „Der Vorschlag für das Jobsharing in Solingen kam von der Personalabteilung“, so Dr. Harsta. Zwar gebe es viele Richterinnen, die in Teilzeit arbeiteten, in einer Gerichtsleitung sei das Jobsharing-Modell aber ihrer Kenntnis nach bislang einmalig in NRW. Den beiden Müttern ist es wichtig, dass gut ausgebildete Frauen während der Familienphase nicht beruflich abgehängt werden. Schließlich sei etwas über die Hälfte der neuen jungen Richter weiblich.

Eine Doppelbelastung bleibe die Zweifach-Aufgabe trotzdem. „An meinen Sitzungstagen ist beispielsweise abgesprochen, dass mein Mann im Notfall bei den Kindern einspringt“, so Dr. Harsta.

Amtsgericht

Aufgaben: Die beiden Richterinnen absolvieren Rechtssprechungstätigkeit (Zivilrecht) und zu einem kleineren Anteil Verwaltungs- und Vertretungsaufgaben.

Gericht: Neben dem Zivilrecht deckt das Amtsgericht Straf-, Familien-, Betreuungs-, Zwangsvollstreckungsrecht sowie Nachlasssachen ab.

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