Erinnerungen

Jerry Cotton gab im Monopol Autogramme

+
Am Dienstag, 19. März 1968, um 10.04 Uhr wurden 130 Kilogramm Sprengstoff gezündet, die den Bau des großen Kinos Monopol zu einem riesigen Schuttberg zusammensacken ließen. Seit 1950 konnten zuvor bis zu 1000 Besucher Filme verfolgen.

Von 1950 bis 1968 konnten bis zu 1000 Solinger Filme genießen – Tageblatt-Leser erinnern sich an den Besuch von Star George Nader.

Von Philipp Müller

Solingen. Harald Hoffmann las als Schüler mit Leidenschaft die Groschenromane über Jerry Cotton. Mit dem Hauptdarsteller George Nader seien diese in den 1960er Jahren verfilmt worden. „Im Mai 1965 kam es im Monopol-Kino zu einer Premiere eines Jerry-Cotton-Films unter Anwesenheit des Hauptdarstellers aus Hollywood, meinem Idol, der auch noch am selben Tag wie ich Geburtstag hatte.“ Es hätte ein Höhepunkt für ihn werden können, „nur hatte ich das Missgeschick von einem gebrochenen Fuß mit entsprechendem Gipsbein – so kam ich leider nicht von Ohligs ins Kino zur Premiere.“

Friedhelm Pentzek besuchte das Monopol mit seiner Mutter und einer Kollegin.

An den Besuch Naders hat auch die damals zehnjährige Petra Dippe noch Erinnerungen: „Ich war selber noch zu klein, aber ich hörte und spürte, dass er sehr berühmt war. Also bin ich natürlich hin zum Kino, durfte aber nicht rein. Ich wartete draußen, bis George Nader mit einer riesigen Menschentraube das Kino verließ und zu Fuß zum Tageblatt-Haus ging.“

George Nader kam als Jerry Cotton nach Solingen und gab im Kino Autogramme.

Eine Episode sei ihr noch ganz besonders im Gedächtnis geblieben, schreibt Doro Gerhards. 1965 hätten sie und ihre Freundinnen unbedingt den Jerry Cotton-Film „Schüsse aus dem Geigenkasten“ sehen wollen. Mit gutem Grund: „Denn der Hauptdarsteller, der bekannte US-Schauspieler George Nader, für den wir schwärmten, sollte persönlich anwesend sein und Autogramme geben.“ An der Kasse hätte sich eine lange Schlange gebildet und die Freundinnen erhielten ihr heiß begehrtes Ticket. Zuvor wurden sie nach ihrem Alter gefragt, denn der Film war erst ab 16 freigegeben, und „natürlich“ seien sie entsprechend alt gewesen. „Nun wurde auch ich gefragt, ob ich denn auch schon 16 sei, und ich traute mich nicht, zu lügen, und gab meine 15 Jahre an. Daraufhin wurde ich freundlichst des Kinos verwiesen, und ich ärgerte mich sehr über meine Skrupel. Meine Freundinnen waren aber so mitfühlend, dass sie für mich doch eine Autogrammkarte mit Unterschrift organisiert haben. Diese habe ich bis heute aufgehoben.“

Solingen: George Nader signierte eine Brieftasche

Der Besuch des Stars und die Autogrammstunde ist auch Peter H. Klever im Gedächtnis geblieben: „Da er keine Karten mehr hatte, zückte ich meine Brieftasche und bat hierauf um ein Autogramm. Er schmunzelte und gab mir tatsächlich dieses Autogramm.“ Mit einem „Good Luck“ habe er sich verabschiedet. „Die Brieftasche hatte ich jahrelang in Ehren gehalten. Leider ist sie im Laufe der Jahre abhandengekommen.“

Sprengung vom „Feldherrnhügel“ des Gymnasiums aus betrachtet

Als im Mai 1952 geborener Solinger habe ihn das Monopol vom ersten bis zum letzten Tag seiner Existenz in verschiedenster Form begleitet, schreibt Kurt Kreitzberg. 1963 und 1964 seien die ersten Karl-May-Filme ins Kino gekommen. Zu sehen waren die großen Stars der damaligen Zeit Lex Barker, Pierre Brice, Ralf Wolter, Karin Dor und ein am Anfang einer großen Karriere stehender Mario Adorf.

„Die Sprengung des Monopol-Kinos habe ich dann als 15-jähriger Obersekundaner des Gymnasiums Schwertstraße erlebt. Wir schrieben an jenem Tag eine Deutsch-Klausur.“ Dafür sei für die Oberstufen-Klassen stets der im obersten Stockwerk gelegene große Zeichensaal reserviert worden, der wie ein „Feldherrnhügel“ Ausblick über die gesamte City bot. „Da der Sprengtermin bekannt war, lauschten wir während der gesamten Arbeit stetig auf den dumpfen Detonationsknall, um dann kurz danach über die Dächer der Innenstadt hinweg die grau-beige Staubwolke aufsteigen zu sehen. So konnten wir es kaum erwarten, nach 13 Uhr aus der Schule in die Innenstadt zu eilen, wo nur noch ein großer Steinhügel die Reste des Monopols verbarg.“

ST-Leser Friedhelm Pentzek schickte uns ein Foto von einem Kinobesuch mit seiner Mutter und einer Kollegin. Seine Mutter habe bei der „Schneider Filmgesellschaft“ als Platzanweiserin gearbeitet.

Stummfilme

Aenne Franz (97) erinnert daran, dass es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in der Innenstadt ein Monopol-Kino gab. „Ich ging da schon sehr früh hin“, berichtet sie. Sie habe dort Stummfilme mit Dick & Doof gesehen, Harold Loyd und auch Rintintin. Mit dem Neubau der Karstadt-Passage schrumpfte das Monopol-Kino von einem der größten Filmpaläste auf das Format des kleinen Pantoffelkinos.

Das könnte Sie auch interessieren

Top-Links

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen auf 6,9 - Coronaschutzregeln verlängert
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen auf 6,9 - Coronaschutzregeln verlängert
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen auf 6,9 - Coronaschutzregeln verlängert
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke

Kommentare