Neue Aufgaben

Alle Kinder kennen ihn: Jens Stuhldreier verlässt Solingen

Mit der Gitarre und Musikpädagogik hat bei Jens Stuhldreier alles angefangen. Derzeit ist er Leiter des Solinger Spielmobils, das vergangene Woche auf dem Spielplatz Untere Benrather Straße unterwegs war. Jetzt möchte er noch einmal etwas Neues ausprobieren.
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Mit der Gitarre und Musikpädagogik hat bei Jens Stuhldreier alles angefangen. Derzeit ist er Leiter des Solinger Spielmobils, das vergangene Woche auf dem Spielplatz Untere Benrather Straße unterwegs war. Jetzt möchte er noch einmal etwas Neues ausprobieren.

Der Leiter des Spielmobils wechselt zur Stadt Remscheid. Das große Abschiedsinterview.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Es gibt wohl nicht viele Kinder, die Jens Stuhldreier nicht kennen. Für die meisten ist er eng mit dem Solinger Spielmobil verbunden, das von den Spielplätzen und von Veranstaltungen mit Kindern nicht wegzudenken ist. Aber auch als Geschäftsführer im Rollhaus oder beim Jugendstadtrat hat er seine Spuren hinterlassen. Im September wechselt der 54-Jährige jetzt nach Remscheid. Dort wird er stellvertretender Abteilungsleiter Projektmanagement, ist dann unter anderem für den Kinderzirkus oder die Kinderstadt in den Ferien aber auch das Netzwerk rund um Jugendförderung verantwortlich.

Wie ist der Sommer mit dem Spielmobil bislang gelaufen?
Jens Stuhldreier: Wir hatten in der ersten Ferienwoche einen Riesenerfolg mit der Bärenwoche. Dann waren wir, unterstützt durch das Programm „Kultur macht stark“, in den Stadtteilen, in der Fuhr, der Hasseldelle, an der Unteren Benrather Straße und in dieser Woche an der Zietenstraße. Es ist uns wichtig, dorthin zu gehen, wo viele Kinder wohnen. Toll ist aber auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen in den Quartieren.
In Ohligs haben Sie Tische fürs Malen, die Button-Maschine, Rollenrutsche, Hockeytore, den Bungee-Run und vieles mehr dabei. Womit begeistert man Kinder in den Ferien?
Stuhldreier: Wenn die Kinder unser rotes Spielmobil-Auto sehen, dann wissen sie oft schon Bescheid. Manchmal ist es so voll, dass wir gar nicht mehr das Banner raushängen müssen, um für das Angebot zu werben. Wichtig ist, dass die Kinder Zeit und Platz haben, um sich auszuprobieren.
Wie hat sich Ihre Arbeit beim Spielmobil im Laufe der Jahre entwickelt?
Stuhldreier: Als ich beim Spielmobil 2003 als Honorarkraft begonnen habe, habe ich viel Musik mit den Kindern gemacht, zum Beispiel im Bärenloch ein Schlagzeug aufgebaut. Die tolle Idee mit dem „kleinsten Probenraum“ in einem Bauwagen hatte ich auch von meinem Vorgänger Martin Friedrich übernommen. Bei allen Angeboten ist mir immer wichtig, dass alle mitmachen können. Wir spielen nicht „Reise nach Jerusalem“ und alle scheiden aus. Bei uns passen im Idealfall hinterher alle auf einen Stuhl.
Vor acht Jahren haben Sie die Leitung des Spielmobils übernommen, was gehörte seitdem zu der Aufgabe?
Stuhldreier: In der Zeit habe ich die bundesweite Spielmobil-Szene gut kennengelernt, wir sind da gut vernetzt. Neben den Aktionen auf den Spielplätzen und in den Sommerferien war das Spielmobil immer auch in Stadtteilen, bei Vereinen, Schul- und Straßenfesten im Einsatz. Wir verleihen teilweise auch unser Material für Veranstaltungen. Mein zweiter großer Aufgabenbereich bei der Jugendförderung war und ist die Spielplatzplanung.
Dabei haben Sie die Beteiligung der Kinder eingeführt. Hat sich das bewährt?
Stuhldreier: Mittlerweile beteiligen wir die Kinder bei der Planung jedes neuen Spielplatzes. Wir vom Spielmobil sind da die Moderatoren. Das findet natürlich immer vor Ort statt, Kinder haben keine Lust auf lange Prozesse. Die Befragungen machen wir immer gerne mit dem Mikro, damit jedes Kind zu Wort kommt. Und wir hören genau zu. Wenn sich Kinder ein Schwimmbad für den Spielplatz wünschen, ist das vielleicht nicht realisierbar, aber wir merken uns, dort mal was mit Wasser zu machen.
Welcher Spielplatz wurde zuletzt eröffnet?
Stuhldreier: Ganz neu ist der inklusive Spielplatz am Dickenbusch, der ist toll geworden mit der Topographie und auch der hohen Aufenthaltsqualität für Eltern. Freiflächen sind auch wichtig, denn Jugendliche wollen einfach auch mal abhängen, etwas schaukeln und dabei quatschen.
Welcher ist Ihr Lieblingsspielplatz?
Stuhldreier: Das ist der an der Gudrunstraße – Wald, Schule, Wohngebiet, alles in der Nähe. Gut ist auch der Trimm-dich-Pfad direkt in der Nähe. Gute Spielplätze kosten natürlich auch viel Geld, aber Solingen ist es oft gelungen, dafür Geld aus Landesprogrammen zu bekommen.
Auch der Kulturrucksack gehört zu Ihren Solinger Aufgaben. Wie hat sich der entwickelt?
Stuhldreier: Diese Angebote für 10- bis 14-Jährige sind extrem wichtig, sie sind zu alt für den Sandkasten und zu jung für eigenständige Aktivitäten. Aber sie können viel, wollen kreativ sein und Hobbys entwickeln. Zuletzt haben wir Filme gedreht oder Podcasts gemacht. Auch das Ferienfinale am 8. und 9. August am Industriemuseum richtet sich mit tollen Angeboten genau an diese Altersgruppe. Alles ist für die Kinder kostenlos. Für die Angebote drinnen fallen nur 2 Euro für Material an.
Wie wichtig ist es, offene Angebote für Kinder und Jugendliche im Stadtteil anzubieten?
Stuhldreier: Es ist extrem wichtig, vor allen Dingen die Kinder zu erreichen, bei denen die Eltern nicht so gut informiert und organisiert sind. Gerade nach Corona gibt es da viel nachzuholen. Der Schulstoff in Mathe und Deutsch ist eine Sache. Aber wie finden sich Grundschüler im Gebäude zurecht, die lange nicht in der Schule waren? Dazu haben wir etwa bei der Bärenwoche Geländespiele angeboten. Und wie wichtig ist es für Kinder, sich alberne Fritzchen-Witze zu erzählen, über die nur sie lachen können. Für all das bieten wir Raum und Zeit.
Welche Aufgaben erwarten Sie jetzt in Remscheid?
Stuhldreier: Ich habe in Solingen viele spannende Stationen durchlaufen. Nach meinem Sozialarbeits-Studium habe ich freiberuflich medienpädagogische Angebote gemacht. Bevor ich zum Spielmobil kam waren Rollhaus, Jugendstadtrat und Schulsozialarbeit am Friedrich-List-Kolleg weitere Stationen. In Remscheid freue ich mich, im Rahmen des Projektmanagements auch weiter an den Netzwerken für offene Kinder- und Jugendarbeit arbeiten zu können.

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