Hiroyuki Masuyama im Kunstmuseum

Japanischer Künstler lebt seine Kunst als Zeitreise

Für Hiroyuki Masuyama ist Kunst auch selbst eine Zeitreise. Aus Tausenden Holzteilen entstand sein Weltall. Die 30 000 Sterne können Besucher selbst im März im Kunstmuseum bewundern. Fotos: Christian Beier
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Für Hiroyuki Masuyama ist Kunst auch selbst eine Zeitreise. Aus Tausenden Holzteilen entstand sein Weltall. Die 30 000 Sterne können Besucher selbst im März im Kunstmuseum bewundern.

Hiroyuki Masuyama stellt im März im Kunstmuseum aus. ein Projekt entstand an der Nahe und der Wupper

Von Philipp Müller

Solingen. Es ist nicht bekannt, ob 1844 William Turner und Friedrich August de Leuw an der gleichen Stelle standen, um den Rheingrafenfelsen an der Nahe zu skizzieren. Es ist auch nicht zu belegen, dass sie sich dabei begegneten. Der in Düsseldorf lebende japanische Künstler Hiroyuki Masuyama suchte 2021 jedenfalls den gleichen Standort aus, um das Naturschauspiel zu fotografieren. Er komponierte diese Fotos mit den Werken des berühmten englischen Malers Turner und denen des in Gräfrath geborenen Malers zu neuer Kunst. Im Kunstmuseum Solingen ist dieses Projekt nur eins von vielen, das ab dem 20. März unter dem Titel „Zeitreise 1817 - 2022“ zu sehen sein wird. Am Vortag wird die Ausstellung eröffnet.

Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut, der Künstler und Dirk Balke begutachten ein Modell der Ausstellung für das Kunstmuseum.

Das Tageblatt besuchte Hiroyuki Masuyama in Düsseldorf und damit den Kosmos, in dem seine Kunst entsteht. Er hat seine Werkstatt direkt am Hafen in Reisholz in einem Atelierhaus am Rhein. Masuyama lebt und arbeitet dort den ganzen Tag an seiner Kunst. Fürs Foto setzt er sich in eine Holzkugel. Allein dieses Kunstwerk, es gibt davon drei in unterschiedlichen Größen, erklärt, wie der 1968 in der Nähe von Tokio in Tsukuba geborene Künstler denkt, lebt, seine Kunst umsetzt und sich sein Kunst-Weltall schafft.

Aus 4200 Holzdreiecken hat er die Kugel zusammengesetzt. Alles wurde auf einer runden Gipsform montiert, anschließend geschliffen. Damit nicht genug. Masuyama besorgte sich Sternenkarten und bohrte rund 30 000 unterschiedlich große Löcher in die Kugel. Alles erhielt noch Kunstharz als Überzug. Mit dem richtigen Licht leuchtet es in der „0“. Null heißt das Kunstwerk, weil die Null in der Kugel den Fixpunkt der Zeit markiert. Wenn im Kunstmuseum Besuchende darin sitzen werden, sollen sie sich bewusstmachen, dass das Licht der Sterne zum Punkt Null beispielsweise von der Sonne aus rund acht Minuten und aus den Galaxien Millionen Jahre unterwegs war.

Das war eine harte Zeit, jeden Tag zu malen.

Hiroyuko Masuyama, Künstler
Masuyama reiste für Bilder an den Rheingrafenstein an die Nahe, wo 1844 William Turner und Friedrich August de Leuw, ebenfalls 1844, zeichneten.

Masuyama steht in Reisholz vor einer bunten und einer schwarz-weißen Zeichnung. Ein ganzes Jahr lang sind die zwei Versionen von „Das große Rasenstück“ entstanden. Täglich bis zu zwei Stunden hat er daran gemalt. Und man sieht bis auf die Farbe keinen Unterschied, so exakt hat er sich selbst kopiert. Aber er gibt auch zu: „Das war eine harte Zeit, jeden Tag zu malen.“ An einem Tag zog seine Tochter nach Berlin um, er fuhr morgens mit, abends zurück, um am Rasen zu malen. Als Signatur hat er täglich das Datum auf die Zeichnungen vermerkt.

Will man den Schaffensprozess Masuyamas beschreiben, kommt einem das flapsige Wortspiel „Der Weg ist das Ziel“ in den Sinn. Tatsächlich ist es bei ihm so, dass der Weg das künstlerische Ziel ist und er diesen Weg komprimiert in einem Kunstwerk präsentiert.

Es ist das erste Mal, dass wir einen lebenden und einen toten Künstler gleichzeitig zeigen.

Gisela Elbracht-Iglhaut, Direktorin
Im Müngstener Brückenpark fotografierte Masuyama Paare in einem Boot. Wie man Schiffe baut, hatte er sich mit Youtube-Videos beigebracht.

Die Ursprungsidee zur Zeitreise für Solingen kommt von der Direktorin des Kunstmuseums, Gisela Elbracht-Iglhaut. Im Frühjahr präsentiert sie dort immer zwei Kunstschaffende im Dialog. Warum nicht den 2022 arbeitenden Masuyama und den 1817 geborenen de Leuw? Dirk Balke, Kenner von de Leuw und gut mit Masuyama bekannt, war so begeistert. „Es ist das erste Mal, dass wir einen lebenden und einen toten Künstler gleichzeitig zeigen“, freut sich die Direktorin.

Aber da war vorher der Weg. Masuyama hatte die Idee, den Rheingrafenfelsen zu fotografieren und mit der Kunst der Maler aus dem 19. Jahrhundert zu verbinden, wie er es oft macht. Doch es entstand mehr. 1876 hatte Friedrich August de Leuw die 32 Jahre alte Skizze zu einem Ölbild verarbeitet. Darauf ist ein Ruderboot zu sehen. Darin steht ein Kind und vermutlich der Vater. Hiroyuki Masuyamas Ansatz: Diese Situation kann man nachstellen. Doch ein Boot „von der Stange“ kaufen? Nein. Mit Videos auf Youtube brachte sich Masuyama bei, wie man Boote baut. Geschaut, getan. Im Müngstener Brückenpark kamen fünf von Balke und Elbracht-Iglhaut vermittelte Paare zu einem Foto-Shooting im September 2021 zusammen. Boot ins Wasser, Paare rein, richtiger Winkel wie bei de Leuw, alles fotografieren – zur Kunst machen.

Dirk Balke ist detailverliebt, wenn er Kunst ausstellt. Gemeinsam mit Masuyama hat er das Museum im Maßstab 1 : 20 aus Holz nachgebaut. Da sind die Arbeiten Masuyamas und die zu Turner und de Leuw schon aufgehängt. Zusätzlich wird Balke Werke des Gräfrather Malers präsentieren, die noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren, weil sie aus Privatbesitz stammen.

Ausstellungen im Kunstmuseum

Jahresschau: Vom 19. Februar bis zum 3. März findet die Jahresschau der Solinger Künstler statt. Der Verein stellt die Ausstellung unter das Motto „CELLULA – second edition“. Eingebunden ist eine Einzelausstellung von Michael Bauer-Brandes. Der Kunstschmied stellt „Menschengemacht“ vor.

Zeitreise: Vom 20. März bis zum 24. April ist die „Zeitreise 1817 – 2022“ von Hiroyuki Masuyama zu sehen. Kurator neben der Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut ist Dirk Balke, der Solinger Galerist, Künstler und Experte für den Solinger Maler des 19. Jahrhunderts, Friedrich August de Leuw. Der Titel greift das Geburtsjahr des Gräfrather Malers auf und verweist auf das lange Wirken seiner Kunst bis in die Gegenwart – so auf Masuyama im Jahr 2022.

www.kunstmuseum-solingen.de

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