Glaubensgemeinschaften

„Der Islam ist eine friedliche Religion“

Im Gebetsraum beten die Mitglieder in die Richtung Mekkas. Das Freitagsgebet ist das wichtigste Gebet in der Woche. Fotos: Michael Schütz
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Im Gebetsraum beten die Mitglieder in die Richtung Mekkas. Das Freitagsgebet ist das wichtigste Gebet in der Woche.

Der vorerst letzte Teil der ST-Serie über die Religionen in der Stadt blickt auf die muslimischen Gemeinden.

Von Anna Lauterjung

Wie groß ist die Gemeinschaft in Solingen?

Muslimische Gemeinden in Deutschland sind anders organisiert als die meisten Kirchen, die bereits in dieser Serie vorgestellt wurden. Sie sind keine Körperschaften des öffentlichen Rechts, das bedeutet, dass sie nicht vom gleichen „Privilegienbündel“ profitieren wie andere kirchliche Einrichtungen. Sie fordern keine Kirchensteuer von ihren Mitgliedern ein. Offizielle Zahlen vom Einwohnermeldeamt, wie viele Muslime in Solingen leben, gibt es daher auch nicht. Die Stadt schätzt, dass sich rund 5000 muslimische Gläubige auf die neun Moscheen in Mitte, Wald, Ohligs und Höhscheid verteilen.

Die Ditib Moschee Merkez ist eine der neun Moscheen in Solingen. Sie befindet sich in Mitte.

Aber nicht alle Gläubigen sind Mitglied einer Moschee, betont Ayse Borlucaoglu, Dialogbeauftragte der Ditib Moschee Merkez in Solingen-Mitte. Oft sei es so, dass nur ein Familienmitglied offiziell Teil der Gemeinde sei und die anderen zum Gebet mitkämen.

Woran glauben Muslime?

Im Islam glaubt man an einen einzigen und allmächtigen Gott, Allah. Er sei der Schöpfer der Erde und des Himmels, erklärt AliRiza Öztürk, Imam der Ditib Moschee Merkez. Im Laufe der Zeit habe er Propheten und Gesandte zu uns geschickt, darunter Adam, Ibrahim (Abraham), Mose und Isa (Jesus) von Nazareth, die auch aus Tora oder Bibel bekannt sind. Ihre Aufgabe war es, Allahs Botschaft zu verkünden und neue Gesetze zu schaffen sowie dafür zu sorgen, dass die Menschen Allahs Gesetze einhalten.

Mohammed ist der letzte und wichtigste Prophet. Durch ihn erfuhren die Menschen, die zu dem Zeitpunkt noch verschiedene Gottheiten verehrten, von Allah, dem Schöpfer. Er lehrte die Werte und den Glauben. Die Offenbarungen, die er von einem Engel erhielt, wurden später von seinen Freunden im Koran niedergeschrieben.

Was ist die Botschaft des muslimischen Glaubens?

„Die Botschaft des Islams ist im historischen Kontext zu betrachten,“ sagt AliRiza Öztürk. Die Religion sei entstanden, als die Menschen im heutigen Saudi-Arabien sozialer Ungerechtigkeit ausgesetzt waren. Mohammed lebte nach den Werten, die er von Allah kannte: Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und soziales Engagement. Unter seiner Lehre blühte das Land auf und beeinflusste durch die moderne Forschung immer noch Felder wie Medizin, Astronomie und Mathematik.

Gläubige Muslime folgen auch heute noch den Werten, die im Koran stehen. Manchmal verstehe man die Botschaft hinter den Worten nicht, erklärt AliRiza Öztürk, daher würde man immer nach Mohammeds Vorbild leben, wohltätig und gerecht sein.

„Der Islam ist eine friedliche Religion. Menschen, die keine Nächstenliebe empfinden und Krieg führen, können keine Gläubigen sein“, betont AliRiza Öztürk.

Was sind die drei höchsten Feiertage?

Der höchste Feiertag im Islam ist das Opferfest. Es erinnert an Ibrahim, der von Allah auf die Probe gestellt wurde. Er sollte, um seinen Glauben zu beweisen, seinen Sohn opfern – eine Geschichte, die man auch im Alten Testament findet. Kurz bevor Ibrahim ihn opfern konnte, griff Allah ein und es wurde ein Widder an der Stelle seines Sohnes geopfert. Aus diesem Grund wird am Opferfest geschlachtet und das Fleisch in der Gemeinde und an die Bedürftigen verteilt, erklärt AliRiza Öztürk.

Während Ramadan, dem Fastenmonat, darf kein Muslim, der die gesundheitlichen Anforderungen erfüllt, tagsüber essen oder trinken. So kann jeder Gläubige am eigenen Leib erfahren, wie es ist, Hunger zu leiden. „Mohammed hat gesagt, dass jeder, der satt ins Bett geht, aber dessen Nachbar hungert, keiner von uns ist”, betont AliRiza Öztürk. Auch der Verzicht auf Zigaretten, Geschlechtsverkehr und Streit gehört in die Fastenzeit, da jeder sich auf den Glauben konzentrieren und überlegen soll, was er für die Gesellschaft machen kann, fügt AliRiza Öztürk hinzu. Das Zuckerfest beendet Ramadan und die Gemeinde dankt Allah, dass sie die Fastenzeit überstanden hat. Zusammen sammeln sie Spenden, die Jüngeren freuen sich auf Süßigkeiten.

Damit auch Kinder und Jugendliche an den Feiertagen teilnehmen können, hat das Schulministerium NRW entschieden, dass sich Schüler von ihren Eltern für den Tag schriftlich abmelden lassen können.

Was ist in Solingen das Besondere an der muslimischen Gemeinde?

Der Aufbau der muslimischen Gemeinden, der sich stark von dem der bereits vorgestellten Religionen in dieser Serie unterscheidet, beeinflusst die Besonderheiten. Die Moscheen gehören nicht zusammen, anders etwa als im evangelischen Kirchenkreis. Daher können auch die Besonderheiten der Gemeinde nicht pauschalisiert werden.

In der Ditib Moschee Merkez in Solingen Mitte bestehe die Besonderheit zum Beispiel darin, dass sie sich politisch unparteiisch und neutral positioniere. Im Privaten sei die Gemeinde ein Ort mit einer breitgefächerten Meinungsvielfalt, sagt Ayse Borlucaoglu. „Doch sobald man die Moschee betritt, geht es nur noch um den Glauben und nicht mehr um persönliche politische Ansichten.“

DIE SERIE

RELIGIONEN Weltweit glauben 3,9 Milliarden Menschen einen christlichen, jüdischen oder muslimischen Gott. In Solingen sind es nach Angaben der Statistikstelle zwar nur ungefähr 90 000, sie machen aber mehr als die Hälfte der Bürger aus. KONVERSATION Zwischen den Konfessionen herrscht bereits ein reger Austausch. Die Leiter der jeweiligen Gemeinden treffen sich in regelmäßigen Abständen und es gibt zunehmend religionsübergreifende Angebote für Mitglieder.

Um den Kontakt zwischen den verschiedenen Konfessionen zu stärken, findet jeden zweiten Mittwoch im Monat ein christlich-islamischer Gesprächskreis in der Cafeteria des Altenzentrums an der Cronenberger Straße 34-42 statt. Das Angebot ist als Kooperation zwischen dem evangelischen Kirchenkreis, dem katholischen Dekanat, der Ditib Moschee Merkez und dem Islamischen Zentrum entstanden.

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