Unerwartete Wendung

Iraner beendet Kirchenasyl und verschwindet spurlos

Das Gemeindehaus an der Neuenhofer Straße. Archivfoto: up
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Das Gemeindehaus an der Neuenhofer Straße. (Archivfoto)

Der 28-Jährige sollte am 29. März nach Toulouse gebracht werden.

Von Michael Kremer

Das Kirchenasyl in der evangelischen Luther-Kirchengemeinde hat eine überraschende Wende erfahren: Der 28 Jahre alte, zum Christentum konvertierte Iraner M. hat vergangenen Mittwoch von sich aus die Gemeinderäume an der Neuenhofer Straße verlassen. Seither ist er nicht mehr auffindbar. „Für uns ist dies eine gänzlich unerwartete Entwicklung“, betonten die Gemeindepfarrer Christian Menge und Christian Lerch gestern. Bereits am Donnerstag waren der Unterstützerkreis der Gemeinde für das Kirchenasyl sowie die zuständige Ausländerbehörde des Kreises Wesel darüber informiert worden.

Der 28-Jährige hatte sich seit März 2018 im Gemeindehaus an der Neuenhofer Straße aufgehalten. Er war im November 2016 nach seinem im Iran vollzogenen Übertritt zum christlichen Glauben über Frankreich nach Deutschland geflüchtet und hatte einen Antrag auf Asyl als religiös Verfolgter gestellt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte den Antrag ab. Dagegen hatte der Iraner Klage eingereicht. Dieses Verfahren läuft noch.

Da dies keine aufschiebende Wirkung hat, sollte M. bereits Anfang Januar nach Frankreich abgeschoben werden. Das scheiterte, weil rund 200 Frauen und Männer aus Solidarität zu einer Andacht im Gemeindehaus der Kirchengemeinde zusammengekommen waren. Die Ausländerbehörde hatte zuvor angekündigt, den Flüchtling dort abzuholen. Pfarrer Lerch machte von seinem Hausrecht Gebrauch und verweigerte Polizei und Ausländerbehörde den Zutritt. Sie waren ohne Durchsuchungsbeschluss gekommen.

Seither hatten der Kirchenkreis und die Ausländerbehörde nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht. Dem Iraner sei eine letzte Frist eingeräumt worden, um Deutschland freiwillig zu verlassen. Gleichzeitig habe die Behörde unmissverständlich erklärt, dass andernfalls eine zwangsweise Abschiebung nach Frankreich durchgesetzt würde. Ende vergangener Woche habe M. seine schriftliche Zustimmung zu einer Ausreise nach Frankreich angekündigt.

Französische Partner wollten M. weiter betreuen

Um ihm diesen Schritt zu erleichtern, hatten Kirchengemeinde und Landeskirche mit französischen Partnern Möglichkeiten geschaffen, dass M. in Toulouse weiter begleitet und unterstützt werden kann. Auch ein Flug war für den 29. März bereits gebucht. „Gleichwohl haben wir seine Zerrissenheit und seine Angst vor einer Abschiebung zurück in den Iran gespürt“, berichtet Pfarrer Lerch. „Jetzt hat er eine andere Entscheidung getroffen. Wir respektieren seinen Entschluss und werden ihn weiter in unsere Gebete einschließen“, ergänzt Pfarrer Menge.

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