ST vor Ort

Westeppe: „Die Parkplätze in Höhscheid müssen bleiben“

Paul Westeppe (CDU) ist seit 1999 – mit Unterbrechung von 2014 bis 2020 – Bezirksbürgermeister von Burg/Höhscheid.
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Paul Westeppe (CDU) ist seit 1999 – mit Unterbrechung von 2014 bis 2020 – Bezirksbürgermeister von Burg/Höhscheid.

Höhscheid: Bezirksbürgermeister Paul Westeppe (CDU) sieht Verkehr im Fokus – an den Wupperbrücken und im Zentrum des Stadtteils.

Was sind die aktuellen Themen in Burg und Höhscheid? Darüber hat das ST mit Bezirksbürgermeister Paul Westeppe (CDU) gesprochen.

Höhscheid und Burg sind die beiden Stadtteile, die von der Flut vor einem Jahr besonders betroffen waren. Wie ist die Situation heute?

Paul Westeppe: Höhscheid war ja auf der gesamten Strecke der Wupper betroffen, von Müngsten über Glüder, Balkhausen, Wupperhof, Rüden, Wipperaue bis zur Haasenmühle. Deswegen haben wir großes Interesse daran, neben dem gemeinsamen Wiederaufbau das Thema Hochwasserschutz voranzubringen. Die Studie der RWTH Aachen hat ja gezeigt, dass die Wupper nur zu 40 Prozent talsperrengesteuert ist und zum großen Teil über die Zuflüsse unterhalb der Talsperre, also Eschbach, Weinsberger Bach und Nacker Bach, beeinflusst wird. Das haben wir auch im Blick.

Die zerstörten Brücken sind noch längst nicht ersetzt. Wie wird die Neuplanung perspektivisch genutzt?

Westeppe: Der Neubau der Brücke Haasenmühle, wo eine Behelfsbrücke seit Mitte Juli für die nächsten drei Jahre bis zum Bau der neuen Brücke für Ersatz sorgt, ist so ein Thema. Die Bezirksvertretung hat die Idee entwickelt, mit dem Brückenneubau gleich einen Kreisverkehr im Bereich Leichlinger Straße/Wipper-aue zu errichten und auf der anderen Seite den Brückenschlag quer Richtung Wipperaue zu machen. Das würde den Verkehr vor dem dortigen Engpass verlangsamen. Diesen Vorschlag möchte ich nach der Sommerpause in die Bezirksvertretung einbringen.

Verkehr ist auch im Zentrum von Höhscheid ein großes Thema. Wie steht es um das Radwege-Konzept auf Neuenhofer und Grünewalder Straße?

Westeppe: „Eigentlich“ gibt es dort durchgehend Radwege, aber sie entsprechen nicht mehr den aktuellen Vorgaben. Deshalb möchte ich die „Langenfelder Lösung“ vorschlagen, die dort auf der Hauptstraße umgesetzt wurde. Also den Erhalt der Kurzzeit-Parkplätze, daneben ausreichend breite Radwege auf beiden Seiten. Der Fahrbahnraum in der Mitte würde dann unter Verzicht eines Mittelstreifens für den Begegnungsverkehr genutzt werden. Die Parkstreifen sind auf jeden Fall nicht verzichtbar, denn der gesamte Straßenzug ist mit seinem Einzelhandel gewerblich genutzt.

An der Haasenmühle plädieren Sie für einen Kreisverkehr – was macht der Kreisverkehr Gabelsberger-/Bismarckstraße?

Westeppe: Die Umsetzung samt Beschlusslage steht seit Jahren auf der Liste. Schon vor zwei oder drei Jahren hat die Bezirksvertretung einstimmig dafür gestimmt. Die alte Ampel könnte abgebaut werden, der Verkehr würde verlangsamt – aber nichts passiert. Das Gleiche gilt für die Kreuzung Platzhofstraße / Vockerter Straße / Brühler Straße / Eichenstraße. Dort gibt es einen Beschluss für einen Kreisverkehr. Aber mit dem Argument, „das stünde nicht auf der Prioritätenliste“, passiert auch dort nichts.

Ist es frustrierend zu sehen, dass die Möglichkeiten der BV begrenzt sind?

Westeppe: Unsere Aufgabe ist es, uns um berechtigte Belange der Bürger zu kümmern und den Finger in die Wunde zu legen. Da ist es dann schon ärgerlich, wenn man in der BV parteiübergreifend ein Ziel verfolgt, aber nicht weiterkommt, weil die Verwaltung mit dem Argument „fehlende Finanzmittel“ oder „überlastet“ ausbremst.

Bei der Neuerrichtung der Obenrüdener Brücke, die ebenfalls von der Flut zerstört würde, scheint es jetzt aber Bewegung zu geben?

Westeppe: Im Juni hatten wir einen Ortstermin. Die Anwohner des Obenrüdener Kottens, die diesen jetzt wieder aufbauen, möchten die Brücke und den damit verbundenen Wandererverkehr aber nicht mehr auf ihrem Privatgrundstück haben. Das ist nachvollziehbar. Die Mittel aus dem Hochwasserschäden-Topf können aber auch eingesetzt werden, wenn die Brücke an andere Stelle errichtet wird. Deshalb stehen wir jetzt mit dem Wegemanagement des Naturparks Bergisch Land im Gespräch, die Brücke 150 Meter weiter Richtung Wupperhof zu planen. Das wäre auch für den beliebten Wanderrundweg ideal.

In Burg wurde ja viel über die Straßenbeleuchtung diskutiert. Wie sieht es in Höhscheid aus?

Westeppe: An der Platzhofstraße stehen ältere Straßenleuchten, die mit modernen LED-Lampen wieder genutzt werden könnten. Das wird mit Blick auf die Ziele des Haushaltssicherungskonzeptes aber nicht genehmigt. Die Platzhofstraße bleibt also dunkel. Aber wenn wir den öffentlichen Nahverkehr stärken wollen, muss auch die Verkehrswege-Sicherheit der Fußgänger zur Bushaltestelle stimmen. Das dürfen wir nicht aus dem Blick lassen.

Gibt es noch mehr Verbesserungen für den ÖPNV in Höhscheid?

Westeppe: Ältere Menschen aus Widdert müssen durch die Innenstadt fahren, um zur Neuenhofer oder Grünewalder Straße zu kommen. Es fehlen die Querverbindungen. Hier sind kreative Lösungen gefragt. Es müssen nicht überall die klassischen Busse sein. Auch andere Systeme, etwa ein Taxi-Bus-System auf Anforderung, „on demand“ wie es neuerdings heißt, wäre denkbar.

Der Markt auf dem Peter-Höfer-Platz ist nur eine Miniatur-Ausgabe. Reicht den Bürgern das Nahversorgungsangebot?

Westeppe: Marktstände und kleine Läden rechnen sich offensichtlich nicht. Ein Investor möchte aber noch einen weiteren Verbrauchermarkt ansiedeln, auf dem Gelände des früheren Aldi-Marktes. Wir haben dafür einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst, damit das Gebäude sich städtebaulich anpasst.

Welche Themen möchten Sie in Ihrer Amtszeit in der BV noch ins Auge fassen?

Westeppe: Die Gestaltung der Wälder ist für mich ein wichtiges Thema. Die Fichte ist in unseren Wäldern durch den Borkenkäfer-Befall mehr oder weniger weg. Wir müssen jetzt den „Wald der Zukunft“ gestalten, der der Klimaveränderung stabil Rechnung trägt. Dazu sind wir mit Markus Schlösser von der Stadt im Gespräch. Gerade für uns entlang der Wupper ist der Wald auch von großem touristischen Interesse.

Alle Folgen der Serie „ST vor Ort“ finden Sie hier.

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