Beliebte Freizeitbeschäftigung

Wuppertaler Lego-Blogger macht das Hobby zum Beruf 

Seit dreieinhalb Jahren betreibt Lukas Kurth mit der Website Stonewars.de einen der erfolgreichsten Lego-Blogs im deutschsprachigen Raum. 
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Seit dreieinhalb Jahren betreibt Lukas Kurth mit der Website Stonewars.de einen der erfolgreichsten Lego-Blogs im deutschsprachigen Raum. 

Auch dank Lockdown begeistern sich immer mehr Erwachsene für Lego als Freizeitbeschäftigung.

Von Michael Boll

Über 9.000 Teile werden beim Kolosseum verbaut.

Viele träumen davon, er hat es umgesetzt: Seit dreieinhalb Jahren betreibt Lukas Kurth mit der Website Stonewars.de einen der erfolgreichsten Lego-Blogs im deutschsprachigen Raum und hat damit inzwischen sein Hobby zum Beruf gemacht. Mit dem Blog erreicht der Wuppertaler mehrere hunderttausend Nutzer im Monat, die sich dort über alle Neuigkeiten rund um die dänischen Klemmbausteine informieren und Rezensionen einzelner Sets lesen. Erlöse erzielt er durch sogenannte Affiliate Links. „Das funktioniert so: Auf der Website sind Links zu den Seiten von Online-Shops wie Amazon, Galeria oder Smyths Toys eingebaut. Immer dann, wenn ein Nutzer seine Legokäufe nach dem Klick auf einen dieser Links tätigt, erhalten wir eine Provision auf den Kaufpreis“, erläutert Kurth. Auf der Website weist er transparent darauf hin, dass sich das Angebot über dieses System finanziert. Inzwischen betreibt er den Blog hauptberuflich und hat sogar zwei Angestellte. Ein wöchentlicher Podcast und ein Messenger-Service, mit dem die Nutzer aktuelle Neuigkeiten und Angebote direkt aufs Smartphone geschickt bekommen, runden das Angebot von Stonewars ab.

„Den Ausschlag für den Start hat der große Lego-Millennium-Falke gegeben.“

Lukas Kurth

Doch wie kam es dazu, dass der 29-jährige Maschinenbauingenieur zum Lego-Blogger wurde? „Den Ausschlag für den Start von Stonewars hat die Veröffentlichung des großen Lego-Millennium-Falken mit über 7.500 Steinen im Sommer 2017 gegeben“, erzählt Kurth, der während des Studiums bereits viel Erfahrung mit der Programmierung von Websites gesammelt hatte. Auch das eine oder andere Lego-Set, meistens mit Star-Wars-Bezug, hatte er da nach längerer Lego-Pause bereits wieder gebaut. Wie bei vielen anderen erwachsenen Lego-Fans entfachte die riesige Lego-Version des legendären Raumschiffs aus dem Star-Wars-Universum das Lego-Fieber endgültig.

Die meisten Leser von Stonewars sind erwachsene Lego-Fans, sogenannte AFOLs (Adult Fans of Lego). Davon gibt es eine ganze Menge. Das kann man nicht nur an der enormen Reichweite von Blogs wie Stonewars, Zusammengebaut und Promobricks erkennen, sondern vor allem auch am Produktsortiment von Lego selbst. Genau wie der große Millennium Falke, der zum stattlichen Preis von 799,99 Euro verkauft wird, richten sich viele Sets des weltgrößten Spielzeugherstellers (Umsatz 2019: 5,1 Mrd. Euro) explizit an erwachsene Käufer und haben inzwischen sogar ein eigenes Boxdesign in schwarz mit dem Zusatz „18+“. Neben Großversionen bekannter Star-Wars-Raumschiffe sind das zum Beispiel detailliert gestaltete Modellhäuser und Legonachbauten legendärer Bauwerke wie dem Taj Mahal, dem Opernhaus von Sydney und ganz aktuell dem Kolosseum in Rom, das mit über 9.000 Teilen das größte Lego-Set aller Zeiten ist.

Auch Andy Warhol‘s Marilyn Monroe gibt es als Bauset.

Auch großformatige Mosaike aus Legosteinen mit Motiven wie den Beatles oder einer Pop-Art-Marilyn-Monroe gehören zum Sortiment des dänischen Konzerns. „Schätzungen zufolge macht Lego mindestens zwanzig Prozent seines Umsatzes mit Käufen für erwachsene Kunden“, berichtet Kurth. Doch was macht den besonderen Reiz des Lego-Hobbys für Erwachsene aus? Nach Kurths Einschätzung spielt neben dem kreativen Aspekt auch die meditative Seite des Lego-Bauens eine große Rolle: „Wenn ich ein Lego-Set nach Anleitung baue, konzentriere ich mich ganz auf das Bauen und bekomme dabei wunderbar den Kopf frei.“ Außerdem halte man am Ende ein physisches Ergebnis des Bauprozesses in Händen und habe das positive Gefühl, etwas geschafft zu haben. „Ein Gefühl, dass sich nicht nach jedem normalen Bürotag so einstellt“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

„Die Situation der letzten Monate mit Lockdowns und stark eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten hat dem Thema Lego bei Erwachsenen nochmal einen zusätzlichen Schub gegeben“, ist Kurth überzeugt. Insgesamt scheint Lego tatsächlich zu den Gewinnern der Corona-Pandemie zu gehören. Im ersten Halbjahr 2020 ist der weltweite Umsatz um sieben Prozent gewachsen.

Mit dem Blumenstrauß-Modellbausatz lassen sich die Lieblingsblumen nachbauen.

Einer der bekanntesten Influencer der Lego-Welt ist der Frankfurter Youtuber und Spielzeughändler Thomas Panke, der unter dem Namen „Held der Steine“ mit seinen oft Lego-kritischen Videos Millionenabrufe auf Youtube erzielt. Aktuell ist Panke erneut in den Schlagzeilen wegen einer juristischen Auseinandersetzung mit Lego. Es geht darum, dass er in seinen Videos bewusst Lego als Gattungsbegriff für alle Klemmbausteine verwendete, auch die von Legokonkurrenten. Kurth plädiert dafür, diese Auseinandersetzung differenziert zu betrachten: „Man sollte hier nicht in eine pauschale David-gegen-Goliath-Romantik verfallen. Markenrechtlich betrachtet konnte Lego gar nicht anders reagieren. Dass die Kommunikation der Konzernzentrale nicht immer besonders glücklich ausfällt, steht auf einem anderen Blatt Papier.“

Lukas Kurth ist weiterhin froh, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Durch die fehlende Trennung von Beruf und Hobby sei zwar die Unbeschwertheit beim Bauen etwas verlorengegangen, aber dennoch betont er: „Legobauen macht mir immer noch großen Spaß!“

Lego

2019 erwirtschaftete der Lego-Konzern mit Sitz in Billund (Dänemark) einen Umsatz von über 5 Milliarden Euro und ist damit der weltgrößte Spielzeughersteller mit steigenden Marktanteilen in den wichtigsten Ländern. Neben den traditionellen Lego City und Lego Friends Themenwelten gehören auch Sets zu Lizenzthemen wie Star Wars, Harry Potter oder Marvel zu den größten Umsatzbringern. Der Konzern beschäftigt weltweit 18.800 Mitarbeiter und betreibt über 600 eigene Shops.

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