Mein Leben als Papa

Die Weihnachtszeit scheppert bei uns schon früher los

Michel und die Weihnachtseisenbahn: eine Liebesgeschichte. Foto: gf
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Michel und die Weihnachtseisenbahn: eine Liebesgeschichte. 

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Erst nach Totensonntag! Da gibt es keinen Spielraum. Vorher darf die Wohnung nicht weihnachtlich geschmückt werden. So lautet das ungeschriebene Gesetz, an das auch wir uns immer brav gehalten haben. Bis jetzt. Bis ich im Supermarkt an den Wochenangeboten vorbeikomme und mir ein kleines Weihnachtsdorf mit niedlichem Bahnhofshäuschen, verschneiten Tannen und einer mit Geschenken beladenen Eisenbahn ins Auge sticht. Das muss ich kaufen!

Ich bin froh, dass dieser Kitsch auch bei der Mama gut ankommt. Und Michels Augen glänzen, als sich die Eisenbahn im Wohnzimmer in Bewegung setzt, die bunten Lichter erstrahlen und die Weihnachtsmusik zu spielen beginnt. Als Hannes später aus dem Kindergarten nach Hause kommt, war die Mama zwischenzeitlich sogar noch mal im Supermarkt einkaufen. Das Weihnachtsdorf hat sich vergrößert. Zwei Eisläufer, die um einen Tannenbaum kurven, und eine Häuserkette lassen unser Wohnzimmer jetzt so aussehen wie früher das weihnachtlich dekorierte Schaufenster im Möbelhaus, vor dem ich als kleiner Junge Stunden hätte verbringen können. Hannes und Michel geht es genauso.

Da konnten wir die Deko natürlich nicht einfach wieder wegpacken und erst nach Totensonntag wieder hervorkramen. In diesem Corona-Jahr ist doch sowieso alles anders. Kein Weihnachtsmarkt, kein weihnachtliches Theaterstück, keine echte Weihnachtsfeier im Kindergarten. Da kann die Adventszeit ruhig auch schon mal etwas früher beginnen und für eine besinnliche Atmosphäre in der Wohnung sorgen. Wobei Besinnlichkeit nicht so ganz richtig ist, wenn die Musik in unserem Wohnzimmer-Weihnachtsdorf erklingt – oder besser: lautstark losscheppert. Und dass sie das tut, dafür sorgt Michel vor jedem Essen. Oder Hannes. Oder sie streiten darum, wer den Knopf drücken darf. Bis schließlich einer das linke Dorf und der andere das rechte Dorf anstellt. Und dann scheppert es aus zwei Richtungen. Leicht zeitversetzt. O du fröhliche!

Trotzdem: Eigene Kinder lassen den Zauber der Weihnachtszeit wieder aufleben und verleihen den Traditionen einen besonderen Lebenshauch. Ich mag es einfach, wenn Hannes sich den Weihnachtspulli mit dem süßen Rentier raussucht und dafür den viel cooleren Ninjago-Pulli liegen lässt. Ich mag es, wenn Michel schon fast alle Smarties und Gummibärchen gegessen hat, noch bevor der Zuckerguss am Knusperhäuschen hart geworden ist. Ich mag es, Hannes in den Kindergarten zu bringen und die Toten-Hosen-Weihnachts-CD auf voller Lautstärke zu hören. Ich mag es, dass Hannes und Michel die alten Weihnachtsgeschichten von Pipi Langstrumpf, Benjamin Blümchen und den Kindern aus Bullerbü genauso schön finden wie Mama und Papa früher. Und ich mag es, dass Hannes und Michel es lieben, mit ihrem Papa Spekulatius in Kakao zu stippen. Auch das übrigens nicht erst nach Totensonntag, sondern schon Ende August.

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