Mein Leben als Papa

Warum Michel so viel quatscht? Weil er es kann!

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ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Irgendwann wurde es Hannes zu bunt. „Warum quatscht du heute eigentlich so viel, Michel?“, unterbrach er am Mittagstisch den Redeschwall seines kleinen Bruders. Und Michel konterte erstaunlich selbstbewusst: „Ich bin ein Schlauberger!“ Er hätte auch genauso gut antworten können: „Weil! Ich! Es! Kann!“ Michels Kommunikationsfähigkeit ist wirklich rasant gewachsen in den letzten Wochen. Er ist gerade auf dem Stand angekommen, an dem Eltern gerne sagen: „So süß wie jetzt war er noch nie.” Es macht einfach Spaß, ihn dabei zu beobachten, wie er täglich Fortschritte macht. Wie seine Aussprache jeden Tag besser und sein Wortschatz größer wird.

Besonders charmant setzt er im Moment alltägliche Redewendungen ein. Wenn sich die ganze Familie Freudenberg im Aufbruch befindet, alle ihre Schuhe und Jacken schon angezogen haben und ich „Los geht’s!“ rufe, rennt Michel noch mal hektisch eine Runde durchs Wohnzimmer und ruft aufgebracht: „Wartet auf mich!“

Sitzen dann alle angeschnallt im Auto, meldet sich Michel von hinten zu Wort und ruft: „Gute Fahrt!“ Gibt es abends Futter für die Fische im Aquarium, eröffnet Michel das Büfett mit einem: „Haut rein!“ Und fragt man ihn, ob er es war, der die Milch verschüttet hat, antwortet er so, dass man ihm nicht böse sein kann: „Leider ja, Papa.“

Manchmal ist seine Aussprache natürlich noch nicht ganz ausgefeilt. Sind die Omas und Opas zu Besuch, verstehen sie nicht direkt, dass mit „Abemur“ die „Müllabfuhr“ gemeint ist. Aus „Marmelade“ wird bei Michel „Lamelade“. Das Wort „Schockelade“, das er ausspricht wie ein echter Junge aus dem Bergischen, versteht allerdings jeder.

Er selbst verbessert andere übrigens gerne. „Eine tolle Mütze hast du da aber auf“, lobte ich Michel neulich, als er in der Verkleidungskiste fündig geworden war. „Das ist keine Mütze, ich habe Kappe auf“, berichtigte er mich.

Genauso gut kann er aber auch loben. „Gut, Papa“, sagt er, wenn ich einen unförmigen Hai für ihn gemalt habe. „Super Idee, Papa“, lobt er, wenn ich ein für ihn gerade passendes Spiel vorgeschlagen habe. Und immer wieder mal sagt er auch: „Papa ganz, ganz lieb“. Dafür reicht es manchmal sogar schon, den Joghurtdeckel für ihn geöffnet zu haben.

Was bei Michel auch allmählich beginnt, ist die Pups-Kacka-Phase. „Du hast ein Pups gemacht, Papa“, kommt er lachend, provozierend und mit erhobenen Zeigefinger auf mich zu. Einfach so. Obwohl ich (meistens) überhaupt nicht flatuliert habe.

Hannes’ Sinn für Sprache ist da schon ein ganzes Stück weiter entwickelt. Als ich neulich sehr laut niesen musste, beklagte ich mich über „den ganzen Rotz“ in meiner Nase. „Aber Rotz ist eigentlich überhaupt kein schönes Wort“, wandte ich gleich zu meinen Kindern. „Aber ich weiß, was ein schönes Wort ist“, bemerkte Hannes. „Liebe!“

Wenn Michel ein Schlauberger ist, dann ist Hannes auf jeden Fall ein Romantiker.

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