ST-Blog

Studieren von Zuhause oder wie Kenner sagen: Online-Partnerbörse

Eine Auflistung persönlicher Highlights in der ersten Uni-Woche. Von Partnerbörsen bis hin zur glorreichen Asipalme.

Da ist es also. Das erste „Online-Semester“. Natürlich sind einzelne Veranstaltungen, die online durchgeführt werden, keine neue Erfindung. Aber dass ein komplettes Semester online durchgeführt werden soll, ist definitiv etwas Spezielles. Als „Ersti“ im Masterstudium, der keinen seiner Kommilitonen kennt, eine besondere Situation. Die erste, historische Woche ist vorbei und ich möchte von meinen Erfahrungen berichten. Nachdem ich mich durch Prüfungsordnungen und verschiedene Anlaufstellen der Universität gekämpft habe, um meinen Stundenplan zu erstellen, soll es am 20. April mit meiner ersten Vorlesung losgehen. Dieses Datum hat sich das Coronavirus als Startpunkt ausgesucht.

Studieren von Zuhause: Partner*innenbörse für Anwendungsaufgaben 

Mein erstes Highlight in dieser Woche ist eine Vorlesung, die mit einem Live-Chat startet. Kein Video oder Audio, sondern nur ein Dozent, der schriftlich auf schriftliche Fragen der Studenten antwortet. Relativ schnell wird die Diskussion auf Anwendungsaufgaben gelenkt, die in Zweier- oder Dreiergruppen während des Semester abgegeben werden sollen. Na super, denk ich mir. Ich kenne keine Sau und soll mit irgendjemandem, den ich nicht einmal vorher sehen kann, eine Gruppe bilden. Das kann ja nur – viel zu nett ausgedrückt - sehr bescheiden werden. Im Kopf male ich mir schon die schlimmsten Szenarien aus. Es beruhigt mich jedoch etwas, dass ich vermutlich nicht der Einzige bin, dem es in dieser Situation so geht. 

Passenderweise gründet der Dozent eine Gruppe auf der unieigenen Plattform. Der Name lautet: „Partner*innenbörse für Anwendungsaufgaben“. Welche Gefühle kommen da bei euch hoch? Ich muss darüber lachen und hoffe, dass es eine Swipe-Funktion gibt…Spaß. Jedenfalls gucke ich mir die Gruppe an und sehe die ersten Leute schreiben, dass sie auf der Suche nach Partner*innen sind. Ich muss das alles erst einmal verarbeiten und denke mir, dass ich niemals da reinschreiben werde. Im Zweifel mache ich es eben allein. 

Aus den Namen der anderen Gruppenmitglieder und ihrer Schreibweise (benutzen sie Smileys, wie sieht die Rechtschreibung aus, etc.) versuche ich irgendwie herauszulesen, ob potenzielle Partner*innen für mich dabei sind. Jedes kleine Detail wird analysiert. Nach kurzer Zeit muss ich mir leider eingestehen, dass diese Vorgehensweise überhaupt nichts bringt und ich mich ins Ungewisse stürzen muss. Nach ein bis zwei Tagen habe ich einen schwachen Moment und antworte auf eine Anfrage in der Partnerbörse. So habe ich meine Partnerin gefunden - also für die Gruppenarbeit natürlich. An dieser Stelle möchte ich eine beliebte Serie zitieren: „Und das, liebe Kinder, ist die wahre Geschichte, wie ich eure Mutter kennen gelernt habe“. Ich drifte ab.

Studieren von Zuhause: Vorlesung findet nicht statt? - kein Problem! 

Auf Highlight Nummer zwei musste ich nicht lange warten. Die geschlossenen Friseure haben meinen Haaren und meinem Bart (okay, am Bart bin ich selbst schuld) sehr zugesetzt. Ich stelle mir die Frage, ob es einen weiteren Star Wars-Teil geben wird und ich mich beim Wookiee-Casting bewerben soll... Nun zum eigentlichen Thema. Es soll ein Seminar mit 20 bis 25 Leuten stattfinden. Ich leite daraus ab, dass wir alle per Kamera zu sehen und per Mikrofon zu hören sein werden. Eine Situation, auf die ich absolut keinen Bock habe. Ich möchte halbwegs anonym vor dem Laptop sitzen und mich mit Informationen berieseln lassen. Nicht sichtbar und nicht hörbar. 

Im Kopf male ich mir aus, wie ich mit angeschalteter Kamera, während ich dem Dozenten zuhöre, abschweife und in Jogi Löw-Manier die Kameras vergesse und anfange meine Nase intensiv zu bearbeiten…ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Jeder sollte sich an die dazugehörigen Bilder der Fußball-WM erinnern können. Plötzlich werden nicht nur die berühmten Fußballtrainer, sondern auch ich selbst von Kameras und Blicken beobachtet. Das wird mir in diesem Moment bewusst. Jeder Student könnte als peinlicher Clip auf YouTube landen. Natürlich ist dies eine übertriebene Vorstellung. 

Als Vorbereitung auf das Seminar gucke ich in den Spiegel und sehe meinen schon beschriebenen Bart. An den Haaren kann ich leider nichts machen, außer zu versuchen irgendwas mit Gel zu retten. Den Bart stutze ich und sehe wieder halbwegs wie ein Mensch aus. Das Gesicht lasse ich da jetzt mal außen vor. Muss ich eigentlich hinter meine Sätze immer „Spaß“ oder „Ironie bzw. Sarkasmus“ schreiben oder versteht ihr mich auch so? Ist ja auch egal. Ihr könnt ja mitraten, was ernst gemeint ist und was nicht. Dafür könnt ihr euch in einer „Partner*innenbörse für Anwendungsaufgaben“ in Gruppen zusammentun… Ist dieser Satz Spaß oder Ernst? Schreibt es in die Kommentare.

Nachdem ich meinen Bart gestutzt habe, setze ich mich vor den Laptop und warte bis mir der Einladungslink geschickt wird. Als dies lange nicht passiert, werde ich stutzig und schaue nach, ob die Veranstaltung überhaupt stattfindet. Und siehe da - das Seminar findet erst nächste Woche statt. Ein enormer Vorteil vom „Zuhause studieren“ wird mir klar: Wenn ich zu dumm bin, mir Termine aufzuschreiben, habe ich mir wenigstens die Fahrt zur Uni gespart. Jackpot. 

Studieren von Zuhause: Im Fußballtrikot der Vorlesung zuhören - ein schönes Gefühl

Eine letzte Erfahrung möchte ich mit euch teilen. Mit gestutztem Bart soll es in meine letzte Vorlesung dieser Woche gehen. An dieser nehmen etwas über 200 Studenten teil. Heißt für mich „Geil, keine Kamera und kein Mikrofon“. Dennoch kommt der obligatorische Gang vor den Spiegel. Der Bart ist gestutzt aber die Frisur… ich entdecke sagenumworbene „Asipalmen“ auf meinem Kopf. Trotzdem habe ich keinen Bock, mich um meine Haare zu kümmern. Also gehe ich ins Risiko und hoffe einfach nur, dass meine Kamera nicht automatisch angeht. 

Der Einladungslink zur Veranstaltung wird mir vom Lehrstuhl per E-Mail zugeschickt. Ich klebe meine Kamera mit einem kleinen Stück Papier und Tesa ab – „Safety first“. Meine Kopfhörer mit integriertem Mikrofon stecke ich auch nicht in den Anschluss. Alles was verhindert, dass ich gehört oder gesehen werde, ist willkommen. Als ich dem Einladungslink folge und meinen Professor schon per Video sehen kann, gehe ich sofort in die Einstellungen. Audio und Video werden von mir ausgestellt. Jetzt habe ich es geschafft - ich kann ohne Angst im Fußballtrikot der Vorlesung zuhören. Auf dem Bildschirm werden mir auch die Namen der anderen Teilnehmer angezeigt. Einige - unter anderem ich - haben ihren richtigen Namen angeben, aber einige auch nicht. Dass mein richtiger Name zu sehen ist, damit kann ich gerade noch leben. Ansonsten wird der Chat unter anderem von den Studenten „Mickey Mouse“ oder „GDHFC“ und Ähnlichen genutzt. Berühmte Kommilitonen habe ich da…

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