Sars-CoV-2

Coronavirus: OB appelliert an Eigenverantwortung der Solinger

Vertreter der Kliniken und der Stadt informierten über den aktuellen Stand (v. l.): Dr. Marcel Dihné (St. Lukas Klinik), Prof. Dr. Thomas Standl (Klinikum), Prof. Dr. Winfried Randerath (Bethanien), OB Tim Kurzbach, Dr. Annette Heibges (Gesundheitsamt) und Stadtsprecher Lutz Peters
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Vertreter der Kliniken und der Stadt informierten über den aktuellen Stand (v. l.): Dr. Marcel Dihné (St. Lukas Klinik), Prof. Dr. Thomas Standl (Klinikum), Prof. Dr. Winfried Randerath (Bethanien), OB Tim Kurzbach, Dr. Annette Heibges (Gesundheitsamt) und Stadtsprecher Lutz Peters.

Fünf Solinger sind an Covid-19 erkrankt. Drei von ihnen sowie ein Leichlinger sind stationär in Bethanien.

  • In Solingen wurden bereits zahlreiche Personen auf das Coronavirus getestet.
  • In fünf Fällen bestätigte sich eine Infektion mit dem Coronavirus.
  • Die Betroffenen hatten nach ihrer Rückkehr von einer Italien-Reise Symptome.

+++Update vom 11. März 2020+++

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Medizinisch optimale Voraussetzungen bereithalten, notwendige Maßnahmen ergreifen und an die Verantwortung jedes Einzelnen für die gesamte Stadtgesellschaft appellieren – das waren die drei Hauptpfeiler, auf die der Krisenstab der Stadt Solingen und die Kliniken derzeit im Hinblick auf das Coronavirus setzen. 

Stand Mittwoch waren fünf Solinger mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Drei von ihnen werden stationär in der Lungenfachklinik Bethanien behandelt, ebenso wie ein infizierter Patient aus Leichlingen. Die beiden anderen Infizierten sind in häuslicher Quarantäne und stehen im täglichen Kontakt mit dem Gesundheitsamt

Hier sehen Sie Ausschnitte aus der Pressekonferenz zum Coronavirus:

„Zu den vier Solinger Männern, die bereits am Montagabend positiv getestet waren, ist noch ein Angehöriger hinzugekommen“, erklärte Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt in Bethanien. Alle Solinger Infizierten seien – unabhängig voneinander – aus dem Urlaub in Südtirol zurückgekommen. „Die Patienten hatten bereits auf dem Rückweg aus dem Urlaub Symptome und sind unmittelbar danach getestet worden. Keiner von ihnen war arbeiten oder hat am gesellschaftlichen Leben teilgenommen“, betont Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, einen wichtigen Aspekt. Die wenigen Kontaktpersonen aus der Familie und die Miturlauber stünden alle unter 14-tägiger häuslicher Quarantäne. „Mit ihnen stehen wir im täglichen Telefonkontakt“, versichert Heibges. 

Den Infizierten, alle zwischen 50 und 70 Jahre alt, gehe es den Umständen entsprechend gut. „Stationär behandelt würden die Patienten mit Herz- oder Lungen-Vorerkrankungen“, so Randerath.

Die Stadtwerke Solingen wollen ihre Busfahrer vor der Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Daher bleiben die vorderen Bustüren in Solingen künftig geschlossen.

Solingen: Lungenfachklinik Bethanien ist Corona-Anlaufstelle 

Die Lungenfachklinik Bethanien ist als Corona-Anlaufstelle installiert. Aber auch das Städtische Klinikum und die St. Lukas Klinik sind gut auf das Virus vorbereitet. „Unsere Lager sind gut gefüllt und wir können auch weiterhin Masken und Medikamente beziehen“, beruhigt Prof. Dr. Thomas Standl, Medizinischer Direktor des Klinikums. „Wichtig ist aber auch, dass wir die Regelversorgung aller Patienten aufrechterhalten“, unterstrich Prof. Dr. Marcel Dihné, Chefarzt der Neurologie an der St. Lukas Klinik.

Die Lungenfachklinik Bethanien ist in Solingen die Coronavirus-Anlaufstelle.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) hält es für wichtig, die Bevölkerung laufend zu informieren. „Ich möchte aber vor allen Dingen an jeden einzelnen Solinger Bürger appellieren, sich eigenverantwortlich zu verhalten“, so Kurzbach. Um die besonders gefährdeten älteren Menschen zu schützen, sollten Besuche in Krankenhäusern und Altenheime auf das Nötigste reduziert werden.

Regelmäßig trifft sich der Krisenstab der Stadt. „Es geht darum, das öffentliche Leben aufrechtzuerhalten“, betonte Jan Welzel, Ordnungsdezernent und Leiter des Krisenstabs, der sich (geplant) am Freitag wieder trifft. Die Stadtverwaltung setzt, so weit wie möglich, auf Homeoffice, Telefonkonferenzen ersetzen Versammlungen. Mitarbeiter aus Risikogebieten sollen zunächst zu Hause bleiben.

Öffentliche Veranstaltungen werden derzeit von der Stadt noch nicht abgesagt. „Wir halten uns an den Landeserlass, dass Veranstaltungen mit gleichzeitig 1000 Personen abgesagt werden müssen“, erklärte Stadtsprecher Lutz Peters. „Wir müssen auch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachten.“ 

Die Stadt berate Veranstalter, Firmen und Privatpersonen zu Fragen rund um das Thema. Die Absage von Klassenfahrten liege beim Schulministerium, so Peters. Am Mittwochnachmittag sagte dieses für NRW alle Klassenfahrten bis Ostern ab.

BERATUNGSANGEBOTE

STADT-HOTLINE Tel. 290-20 20

GESUNDHEITSAMT (personell verstärkt), 8 bis 16 Uhr unter Tel. 290-2728, -2737, -2738

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG (Kurzarbeit, Lieferengpässe, wirtschaftliche Auswirkungen) Hotline Tel. 249 41 17

VERANSTALTUNGEN Hotline wird bis Freitag eingerichtet.

Standpunkt: Schritt für Schritt handeln

Von Simone Theyßen-Speich 

simone.theyssen-speich @solinger-tageblatt.de

Wichtige Maßnahmen zum Schutz der Gesunden und zur Heilung der Infizierten treffen und auf der anderen Seite unnötige Panik durch eine komplette Lahmlegung des öffentlichen Lebens vermeiden. Das ist das Gebot der Stunde. Und diesen Weg gehen die Stadt, die Kliniken, das Gesundheitsamt und alle anderen Verantwortlichen im Krisenstab derzeit erfolgreich. Auch nach den ersten Infizierten in Solingen in dieser Woche sollte sich an dem Weg nichts ändern. 

Welche Schritte notwendig sein werden, das wird sich im Laufe der nächsten Wochen und vielleicht Monate noch zeigen. Vermutlich werden auch weitere Absagen von Großveranstaltungen notwendig werden. Das Wichtigste ist, dass jeder Einzelne verantwortlich für sich und vor allen Dingen für Menschen in seinem Umfeld handelt. Hygienemaßnahmen gehören eben- so dazu wie die Bewegung im öffentlichen Raum.

+++Unser Artikel vom 10. März 2020, 18.30 Uhr+++

Von Simone Theyßen-Speich und Anja Kriskofski

Solingen. Das Coronavirus hat Solingen erreicht. Am späten Montagabend wurden vier Erwachsene positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet. Das teilte die Stadtverwaltung am Dienstag mit. „Alle vier waren Rückkehrer aus Südtirol“, erklärt Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, auf Anfrage. Der Zustand der vier Erkrankten sei gut. In dem Krankenhaus in Aufderhöhe werden derzeit drei der Infizierten stationär behandelt. „Der vierte hat nur leichte Symptome und wird in Absprache mit dem Gesundheitsamt zu Hause isoliert.“

Bei den vier Patienten handelt es sich laut Randerath um Männer zwischen 50 und 70 Jahren, die unabhängig voneinander in Südtirol gewesen seien. „Das war keine gemeinsame Reisegruppe.“ Drei seien in Bethanien getestet worden, weil sie nach ihrer Rückkehr aus Italien am Wochenende Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus gezeigt hätten. Einer habe den Test in einem anderen Krankenhaus durchführen lassen.

Solingen: Kontaktpersonen werden ermittelt

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt werden jetzt alle Personen ermittelt, mit denen die Infizierten in den vergangenen zwei Wochen Kontakt hatten, teilte Stadtpressesprecher Lutz Peters mit. Auch für diese Betroffenen seien dann Tests und gegebenenfalls auch eine Isolation notwendig. „Es gilt nun, den Kreis für mögliche Ansteckungen einzugrenzen, um möglichst keine Infektionsketten entstehen zu lassen.“ Die Stadt Solingen hat ein Info-Telefon für Bürger eingerichtet, die Fragen zum Coronavirus haben: Tel. (02 12) 2 90 - 20 20. Zudem gebe es Informationen auf der städtischen Internetseite, die ständig aktualisiert würde.

Solingen: Krisenstab der Stadt werde heute über Maßnahmen entscheiden

Heute werde der Krisenstab über weitere Vorsorgemaßnahmen entscheiden, sagte Stadtsprecher Peters. Dabei wird es unter anderem darum gehen, ob Großveranstaltungen wie die Solinger Kulturnacht und das Schülerrockfestival stattfinden oder abgesagt werden. Am Nachmittag soll die Öffentlichkeit bei einem Pressegespräch informiert werden. Dem Krisenstab gehören unter anderem die Stadtspitze mit Oberbürgermeister und Ordnungsdezernent sowie Vertreter von Gesundheitsamt, anderen städtischen Diensten, Feuerwehr und Kliniken an.

Prof. Dr. Winfried Randerath ist Chefarzt in der Lungenfachklinik Bethanien, wo Corona-Verdachtsfälle getestet wurden.

In Bethanien wurden in den vergangenen Tagen laut Randerath deutlich mehr Verdachtsfälle getestet: „Wir haben bereits 130 Tests durchgeführt.“ Rückkehrer aus dem Skiurlaub in Südtirol bildeten dabei eine große Zahl der Betroffenen. „Auch Kollegen aus anderen Kliniken vermelden, dass diese Risikogruppe bei den Infizierten deutlich steigt“, erklärt der Chefarzt.

Die Lungenfachklinik ist die offizielle Anlaufstelle für positiv getestete Corona-Fälle in Solingen. Auf den Ernstfall haben sich die drei Solinger Krankenhäuser seit Wochen vorbereitet. „Wir pflegen eine gute Kooperation“, betont Randerath. Allein in Bethanien gebe es zwischen 20 und 32 Betten auf der Infektionsstation. Deshalb bestehen dort vorerst ausreichend Kapazitäten, um falls nötig auch weitere Fälle zu behandeln, teilt die Stadt mit.

solingen.de facebook.com/klingenstadtsolingen/

HINWEISE FÜR BÜRGER

VORGEHEN Die Stadtverwaltung Solingen weist erneut auf folgendes hin: Bürger, die beunruhigt sind, weil sie bei sich selbst verdächtige Symptome einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 feststellen, kürzlich in Risikogebieten unterwegs waren oder Kontakt zu Personen hatten, die dort gewesen sind, sollen sich telefonisch mit ihrem Hausarzt in Verbindung setzen. Dieser entscheide, ob ein Test notwendig erscheint. Ärzte und Kliniken melden mögliche Verdachtsfälle dem Gesundheitsamt.

+++Update vom 10. März 2020+++

Solingen. In der Lungenfachklinik Bethanien sind vier Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Betroffenen hatten sich nach der Rückkehr von einer Italien-Reise in den vergangenen Tagen wegen verdächtiger Symptome in der Lungenfachklinik Bethanien gemeldet. Nach Auskunft der Klinik-Leitung ist der Zustand der Erkrankten gut. Die infizierten Personen werden stationär behandelt oder zu Hause isoliert. 

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt werden jetzt all die Personen ermittelt, mit denen die Infizierten in den vergangenen zwei Wochen Kontakt hatten. Auch für diese Betroffenen sind dann Tests und gegebenenfalls auch eine Isolation notwendig. Es gilt nun, den Kreis für mögliche Ansteckungen einzugrenzen, um möglichst keine Infektionsketten entstehen zu lassen.

Coronavirus: Bethanien in Solingen seit Wochen auf den Ersntfall vorbereitet

Seit Wochen hat sich das Krankenhaus Bethanien auf den Ernstfall vorbereitet. Deshalb bestehen dort vorerst ausreichend Kapazitäten, um gegebenenfalls auch weitere Fälle zu behandeln. Das Lungenfachzentrum arbeitet dabei in enger Abstimmung mit den anderen Solinger Kliniken und dem Gesundheitsamt der Stadt Solingen zusammen. 

Die Stadt hatte bereits Ende Februar ihren Krisenstab einberufen und die Kommunikation aller beteiligten Kliniken und Dienststellen sichergestellt. Welche weitere Vorsorgemaßnahmen zu treffen sind, wurde heute im Verwaltungsvorstand beraten. Der Verwaltungsvorstand ist das wöchentlich tagende Führungsgremium der Stadtverwaltung unter Vorsitz von Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Notwendige Entscheidungen werden darüber hinaus und in enger Abstimmung am Mittwochvormittag im Krisenstab der Stadt getroffen, der unter Leitung des Rechts- und Ordnungsdezernenten Jan Welzel tagt.

+++Update 6. März 2020+++

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die gute Nachricht, Stand Freitag, ist: Auch weiterhin gibt es noch keinen bestätigten Corona-Fall in Solingen. Die 73 Tests auf den Virus Sars-CoV-2, die bislang auf Anraten des Gesundheitsamtes in Bethanien durchgeführt wurden, waren alle negativ. In der Lungenfachklinik, die als zentrale Corona-Anlaufstelle in der Stadt eingerichtet wurde, gibt es aber täglich 25 bis 30 Menschen, die sich bezüglich Corona-Themen dort melden.

Dr. Annette Heibges leitet den Stadtdienst Gesundheit und koordiniert das Corona-Thema.

Stadt, Krankenhäuser und Gesundheitsamt appellieren, Hygienehinweise zu beachten und bei Verdachtsfällen den Meldeweg einzuhalten. „Menschen mit Symptomen sollen sich telefonisch beim Hausarzt melden und nicht direkt in die Praxis gehen“, so die Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, Dr. Annette Heibges. Dort werde dann entschieden, ob Patienten nach Bethanien müssen.

Da eine mögliche Erkrankung an Covid-19 besonders bei älteren Menschen schwerere Verläufe hat, ist die aktuelle Situation auch Thema in den Solinger Senioreneinrichtungen. „Wir haben noch eine entspannte Lage“, betont Peter Knoch, Leiter der städtischen Altenzentren. „ In den Einrichtungen gelten die gleichen Hygiene-Vorsorgemaßnahmen wie zu üblichen Grippezeiten.“

Auch in den Senioreneinrichtungen der Kplus Gruppe stehen Desinfektionsmittelspender im Eingangsbereich und vor den Türen zu den Wohnbereichen. „In den Zimmern werden keine Spender aufgestellt, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass Bewohner mit Demenz die Mittel falsch nutzen könnten“, erklärt Gabriele Heller, Leiterin des St. Lukas Pflegeheims. Vielmehr verwende das Personal sogenannte Kitteltaschen-Desinfizierer.

Eine Empfehlung der Stadt, Veranstaltungen abzusagen, gibt es weiterhin nicht. Vorsorglich wurden nach der Auto-show aber weitere Veranstal-tungen abgesagt. Ingrid Goethe-Fliersbach von der Chorakademie Bergisch Land teilte mit, dass das für Mai geplante Konzert mit dem Moskauer Kinderchor Viktor Popov wegen der derzeit unübersicht-lichen Situation auf nächstes Jahr verschoben wird. Auch das Ehemaligen-Treffen der Alexander-Coppel-Gesamtschule am 21. März fällt erstmal aus.

+++Update vom 5. März 2020+++

Von Stefan Prinz

Solingen. Stadtverwaltung und Kliniken in Solingen bereiten sich derzeit intensiv auf eine weitere Ausbreitung des Coronavirus vor. Einen Plan zur vorübergehenden Schließung der Solinger Schulen gebe es aber derzeit nicht, betonte Stadtsprecher Thomas Kraft im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ein eigens für den Coronavirus eingerichteter Krisenstab der Stadt Solingen unter Leitung des Beigeordneten Jan Welzel (CDU) sei aber jederzeit in der Lage, auch Schulschließungen festzulegen, „falls das notwendig werden sollte“, so Kraft. Im vom Coronavirus besonders betroffenen Landkreis Heinsberg waren Schulen und Kindergärten geschlossen worden. Auch in Haan und Wuppertal war das bei zwei Schulen zeitweise der Fall. In Deutschland entscheiden die Landkreise und kreisfreien Städte über die Schließung von Schulen.

In Italien wurden vorsorglich sogar landesweit alle Schulen und Universitäten geschlossen, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Wer grippeähnliche Symptome verspürt, aus einem Risikogebiet kommt oder Kontakt zu einer infizierten Person hatte, sollte den Hausarzt anrufen oder das Gesundheitsamt kontaktieren (Tel. 2 90 27 37 oder 2 90 27 38). Die vom Coronavirus ausgelöste Erkrankung Covid-19 läuft in den meisten Fällen ab wie eine Erkältung.

Bisher gibt es keinen Corona-Fall in Solingen

Im Krankenhaus Bethanien wurden bereits mehrere Personen auf das Coronavirus getestet. Alle Tests seien bisher negativ ausgefallen, hieß es.

Die Solinger Hausarztpraxen sind derzeit voll, sagte Dr. Stephan Kochen, Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Solimed. Grund sei eine Erkältungs- und Grippewelle. „Wer grippeähnliche Symptome zeigt, sollte immer vorher anrufen“, appelliert Kochen an die Bürger. Auch das sei eine Vorsichtsmaßnahme gegen die Ausbreitung des Virus.

Unser Artikel vom 4. März 2020

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Das wichtigste Signal am Mittwoch bei der Pressekonferenz zum Coronavirus war: Stadtspitze, Gesundheitsamt und die drei Solinger Krankenhäuser sind im engen Austausch und ziehen beim Schutz vor dem Virus an einem Strang. Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und Dezernent Jan Welzel (CDU) als Leiter des Krisenstabs schilderten gemeinsam mit den Ärztlichen Direktoren der drei Solinger Krankenhäuser und der Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, Dr. Annette Heibges, die aktuelle Situation zum Coronavirus in der Stadt.

Kooperieren eng (v.l.): Dr. Markus Meibert (St. Lukas Klinik), Prof. Dr. Thomas Standl (Klinikum), Prof. Dr. Winfried Randerath (Bethanien), Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Ordnungsdezernent Jan Welzel.

„Wir haben die Lage in Solingen gut im Griff“, beruhigte Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Man habe bestehende Netzwerke, die gut funktionierten. „Mein großer Dank geht aber an Ärzte und Pfleger in den Kliniken und Praxen und die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die in der aktuellen Situation eine besonders wichtige Aufgabe haben.“

In der Lungenfachklinik Bethanien in Solingen sei eine zentrale Corona-Anlaufstelle eingerichtet worden. Dort sollen Patienten behandelt werden, bei denen ein schwerer Krankheitsverlauf eine stationäre Behandlung notwendig mache. „Wir haben 24 Intensiv- und elf Intermediate-Care-Betten, die alle als Infektionsbetten genutzt werden können“, erklärte Bethanien-Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath. Die Lungenfachklinik in Aufderhöhe verfügt auch über eine separate Infektionsambulanz. Alle Infektionszimmer sind mit einer Schleuse und einem Belüftungssystem vom Rest des Krankenhauses abgeschirmt.

Schon seit 2004 habe Bethanien in Solingen eine spezielle Infektionsstation. Und seit der Grippewelle 2018 gebe es eine enge Kooperation zwischen den Kliniken, bei der Abläufe geklärt sind. „Darauf können wir jetzt gut aufbauen“, so Randerath.

Wichtig sei, dass Menschen, die Symptome bei sich befürchten, zunächst ihren Hausarzt kontaktieren. „Auf jeden Fall sollte man telefonisch Kontakt aufnehmen und nicht direkt in die Praxis gehen“, beschreibt Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, den empfohlenen Weg. Über die Hausärzte werde dann gesteuert, welche Patienten nach Bethanien müssen und wer eventuell ambulant und in häuslicher Quarantäne überwacht wird.

Solingen: Kliniken haben die Mitarbeiter geschult

Auch das Städtische Klinikum und die St. Lukas Klinik in Solingen stehen in engem Kontakt mit dem Krisenstab der Stadt, der vergangenen Donnerstag in Grundbereitschaft versetzt wurde. „Wir haben im Klinikum jeden Morgen um 10 Uhr ein Treffen mit leitenden Ärzten, Pflegeleitung, Hygieneabteilung, Apotheke und Einkauf“, skizziert Prof. Dr. Thomas Standl, Ärztlicher Direktor des Klinikums, die aktuelle Lage. Alle Mitarbeiter seien informiert, zudem hat das Klinikum einen Lehrfilm zum richtigen Umgang mit der Schutzausrüstung gedreht.

Es gebe auch keine Engpässe bei den Materialien. „Wir haben aktuell 300 000 Einmal-Handschuhe und 4000 Spezial-Masken, und es gab im Haus auch keine Diebstähle, wie aus anderen Städten gemeldet“, beruhigte Standl. Um Besucherströme etwas zu kanalisieren, hat das Klinikum die Besuchszeit auf 15 bis 19 Uhr eingeschränkt. „Positiv ist, dass die Grippewelle derzeit abebbt und auch der nahende Frühling mit mehr Sonnenlicht der Viren-Verbreitung entgegenwirkt“, so Standl.

Auch in der St. Lukas Klinik in Solingen ist man auf die mögliche Aufnahme von Corona-Patienten vorbereitet – wenn die Kapazitäten in Bethanien erschöpft sind. „Derzeit gehen wir davon aus, dass das Coronavirus leicht händelbar bleibt“, beruhigt der Ärztliche Direktor Dr. Markus Meibert. Während Bethanien Betten prophylaktisch freihält, werden in den beiden anderen Kliniken die Infektionsbereiche akut eingerichtet.

Im städtischen Krisenstab arbeiten neben den Kliniken auch Feuerwehr, Polizei und die Stadtdienste Jugend und Schule mit. „Auch mit den Nachbarstädten stehen wir in engem Austausch“, so Dezernent Jan Welzel.

Wegen der Corona-Angst hamstern Solinger bereits Nudeln, Hygieneartikel und Mehl. Im Netz berichten zahlreiche Solinger von leeren Regalen in den Supermärkten. Von Lieferengpässen könne jedoch nicht die Rede sein, hieß es seitens der Supermarkt-Leiter.

SCHUTZ VOR DEM VIRUS

EIGENSCHUTZ Regelmäßig Händewaschen (20 Sekunden mit Seife).

BEI SYMPTOMEN Hausarzt telefonisch kontaktieren, bei Kontakt zu Infizierten oder nach Rückkehr aus Risikogebieten Gesundheitsamt informieren.

Unser Artikel vom 27. Februar

Von Simone Theyßen-Speich und Kristin Dowe

Solingen. Die ersten Erkrankungen mit dem Coronavirus in NRW lassen das Thema näher rücken. Auch in Solingen ist die Sorge vor dem Covid-19-Virus groß. Am Donnerstag sorgten Gerüchte, in der Lungenfachklinik Bethanien habe es bestätigte Fälle des Coronavirus gegeben, für zusätzliche Aufregung. „Tatsache ist allerdings, dass es derzeit keinen bestätigten Coronavirus-Fall in Solingen gibt. Allerdings hatten wir drei Verdachtsfälle in Bethanien“, klärt Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath auf. Die drei Patienten waren mit Atemwegssymptomen in die Klinik gekommen. Da sie zuvor in Italien gewesen waren – allerdings nicht in einem der Risikogebiete in Norditalien – waren sie in Bethanien auf das Coronavirus untersucht worden.

„Alle drei Personen wurden negativ getestet und konnten die Fachklinik am Donnerstag schon wieder verlassen“, so Randerath. In den vergangenen Tagen waren in Aufderhöhe bei mehreren Solingern Tests durchgeführt worden – unter anderem bei Menschen, die aus China zurückgekehrt waren. Bislang wurde das Coronavirus bei keinem Patienten in Solingen nachgewiesen. „Wir können aber nur da testen, wo ein Grund besteht“, betont der Lungenspezialist. „Schließlich gibt es nicht unbegrenzte Laborkapazitäten.“

Solingen: Kliniken und Stadtdienst Gesundheit in engem Kontakt

Die Fachleute in Bethanien stehen in engem Kontakt mit dem Stadtdienst Gesundheit und dessen Leiterin Dr. Annette Heibges. „Sollte ein bestätigter Fall des Coronavirus auftreten, greift der gleiche Mechanismus wie in allen anderen Städten auch“, erklärt Stadtsprecherin Birgit Wenning. Dann müssten Kontaktpersonen des Erkrankten kontaktiert und isoliert werden, um möglichst zu vermeiden, dass sich weitere Menschen anstecken können.

Stadt Solingen informiert auf Homepage über die Situation

Auf der Startseite der städtischen Homepage hält die Verwaltung die Bürger über die aktuelle Situation auf dem Laufenden. Dort gibt es auch zahlreiche Links, unter anderem zum Robert-Koch-Institut sowie zu den Gesundheitsministerien des Bundes und des Landes. „Das Wichtigste sind die Hygienetipps, mit denen jeder einzelne sich schützen sollte“, weist Birgit Wenning auch auf diese Übersicht hin. Die Tipps reichen vom richtigen Händewaschen über den Verzicht, Hände zu schütteln und erkälteten Menschen zu nahe zu kommen, bis zu dem Hinweis, bei einem Verdachtsfall Arztpraxis und Gesundheitsamt zunächst telefonisch zu kontaktieren und nicht persönlich aufzusuchen.

Vor blindem Alarmismus warnt trotz der derzeit schwer überschaubaren Situation Silke Scholl, Filialleiterin der Hubertus-Apotheke: „Seit gut drei Tagen sind Desinfektionsmittel und Mundschutz bei uns komplett ausverkauft.“ Dabei reiche es zu Hause aus, sich die Hände mit gewöhnlicher Seife zu waschen, rät die Apothekerin. „Desinfektionsmittel benötigt man nur, wenn man unterwegs ist und keine Möglichkeit zum Händewaschen besteht. Panik ist nicht angebracht, zumal die Todesrate bei der Virus-Grippe wesentlich höher liegt.“ Seitdem es die ersten bestätigten Coronavirus-Fälle in Deutschland gibt, meiden Gäste Asia-Lokale in Solingen.

Wenngleich es für letztere immerhin einen Impfstoff gebe, ergänzt Felicitas Fischer, Inhaberin der Marien-Apotheke. Dort ist die Situation ähnlich – Desinfektionsmittel, Mundschutz und Masken sind ebenfalls vergriffen. „Bei den Großhändlern gibt es bereits Lieferengpässe.“ Viele Kunden, die selbst oder deren Angehörige eine Lungenerkrankung haben, wollten so gut wie möglich gegen das Virus vorbeugen, berichtet Fischer. „Gerade der Mundschutz bietet allerdings keinen wirklichen Schutz vor einer Ansteckung.“ Auch in den Drogeriemärkten in der City waren die Regale mit Desinfektionsmitteln am Donnerstag wie leer gefegt. „Ich wurde heute schon unzählige Male danach gefragt“, so eine Verkäuferin. Die große Nachfrage macht sich auch im Klinikum bemerkbar. „Der Preis für die Mundschutz-Masken, die wir verwenden, ist um das 18-fache angestiegen“, kritisiert Chefarzt Prof. Dr. Boris Pfaffenbach.

CORONAVIRUS

FÄLLE Insgesamt sind in Deutschland 27 laborbestätigte Fälle von Covid-19 bekannt. Die meisten Personen sind bereits wieder gesund und aus der Klinik entlassen. In Nordrhein-Westfalen wurden bislang sechs Fälle bestätigt.

VERANSTALTUNGEN In Solingen wurden bislang noch keine Veranstaltungen als Vorsorgemaßnahmen gegen Corona abgesagt, in anderen Städten in NRW wie in Düsseldorf und Erkelenz wurden Messen abgeblasen.

Unser Artikel vom 27. Februar, 10.25 Uhr

In Solingen wurden bisher jedoch noch keine Erkrankungen und auch noch keine Verdachtsfälle oder Infektionen bekannt. Drei Personen wurden untersucht, die von einem Aufenthalt in Italien zurückgekehrt waren. Davon ist eine Person bereits wieder entlassen worden, die beiden anderen werden heute im Laufe des Tages folgen. Keiner von ihnen hatte sich in einer der betroffenen Regionen aufgehalten.

Sollte in Solingen das Virus nachgewiesen werden, wird die Stadt auf ihrer Homepage darüber informieren. kaz

www.solingen.de

Ministerium: Sechs Coronavirus-Fälle in NRW

Bei dem Coronavirus-Ausbruch in Gangelt im Westen Nordrhein-Westfalens wurden nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums insgesamt sechs Patienten infiziert. Einer von ihnen - ein 41-jähriger Bundeswehrsoldat - werde in Rheinland-Pfalz behandelt.

Infiziert sind demnach ein 47-jähriger Mann und seine 46 Jahre alte Frau, die derzeit in der Uniklinik Düsseldorf behandelt werden. Bestätigt wurde der Coronavirus-Verdacht außerdem bei einer Mitarbeiterin des 47-Jährigen und bei deren Lebensgefährten. Hinzu komme der Soldat sowie ein Arzt, der in den Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach arbeitet, wie eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag sagte. dpa

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