Wenn man die Abstände beachtet

Aerosolforscher: Das Wandern ohne Maske ist möglich

Folgt man den von Dr. Christoph Asbach zusammengetragen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Aerosolforschung, dann ist das Ansteckungsrisiko mit Corona an der frischen Luft eher gering. Die Maske braucht es deshalb draußen nur in ganzen wenigen Situationen.
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Folgt man den von Dr. Christoph Asbach zusammengetragen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Aerosolforschung, dann ist das Ansteckungsrisiko mit Corona an der frischen Luft eher gering. Die Maske braucht es deshalb draußen nur in ganzen wenigen Situationen.

Infektionsrisiko für Coronaviren ist an der frischen Luft gering – wenn man die Abstände beachtet.

Von Philipp Müller und Simone Theyßen-Speich

Wenn es bei trockenem Wetter die Menschen wieder an die frische Luft zieht, dann schwingt bei manchen Solingern die Frage mit: „Muss ich überall eine Maske umziehen?“ Glaubt man den Kommentaren in den sozialen Netzwerken, dann ist das so. Dr. Christof Asbach ist der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung und sieht das ganz anders: „Eine Maske ist draußen nur in wenigen Situationen nötig. Insbesondere wenn man zusammensteht und sich unterhält. Auch in dichten Menschenansammlungen kann es sinnvoll sein, eine Maske zu tragen. Begegnet man hingegen anderen nur kurz, zum Beispiel beim Spazierengehen, ist das Maskentragen nicht notwendig.“

„Maske ist draußen nur in wenigen Situationen nötig.“

Christof Asbach, Aerosolforscher

Das ist eine Einschätzung, die auch die Stadt Solingen teilt, wie Ordnungsdezernent Jan Welzel erklärt. Daran richte sich auch die Strategie des Kommunalen Ordnungsdienstes aus, wenn sie die Bewegungen etwa in Schloss Burg oder an den Treffpunkten der Wanderer beobachten. Welzel berichtet: „Wir werden nach Abwägung keine konkreten Sperrungen veranlassen, das würden die Menschen nach den Restriktionen der letzten Wochen nicht verstehen. Wir werden aber im Stadtgebiet präsent sein und wie auch am vergangenen Wochenende eingreifen. Es sind insbesondere die Abstände zwischen den Menschen und die Maskenpflichten zu beachten.“

Geparkte Autos von Spaziergängern wie hier auf der Straße Untenrüdener Kotten zwischen Friedrichstal und Rüden wird es auch am Wochenende geben.

Aerosole gelten als der Hauptweg, mit dem sich das Coronavirus zwischen den Menschen überträgt. Dr. Asbach erklärt, wo dabei der Unterschied im Risiko liegt, ob man sich draußen oder drinnen aufhält: Es stehe fest, dass sich in Innenräumen die Virenkonzentration anreichern könne, draußen hingegen nicht. „Das liegt daran, dass die Konzentration virenhaltiger Partikel draußen sehr schnell verdünnt wird, so dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass man so viele Viren einatmet, dass man sich infiziert.“ Zum Vergleich führt er eine chinesische Studie an. Danach fand unter 7000 untersuchten infizierten Personen „lediglich eine einzige dieser Infektion draußen statt“. In Außenbereichen verflüchtigten sich die Aerosole schnell. Das gelte selbst bei Windstille.

Das sei aber kein Freibrief, überall draußen ohne Maske herumzulaufen. Asbach nennt als typische Situation die Orte, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne. Das kommentiert Ordnungsdezernent Welzel so: „Insoweit gelten auch unsere Maskenrestriktionen an belebteren Orten, da hier dichtere Begegnungen nicht ausgeschlossen werden können. Dies gilt gerade jetzt im eingeschränkten Schul- und Kita-Betrieb, aber auch innerhalb der voller werdenden Stadt.“

Raus an die frische Luft zu gehen und trotzdem Kontakte zu vermeiden – darin sieht auch Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, keinen Widerspruch. „Die Leute sollen unbedingt rausgehen. Auch körperliche Aktivitäten sind wichtig. Wir sehen jetzt im Lockdown bei vielen Menschen Gewichtszunahmen, das hat negativen Einfluss auf viele gesundheitliche Bereiche, auch auf Lungenerkrankungen.“

Wichtig sei es aber, auch draußen Kontakte möglichst zu vermeiden, betont Prof. Randerath. Wie Asbach erklärt er, wer im Park oder im Wald auf schmalen Wegen nur aneinander vorbeigehe, der habe nur ein sehr geringes Infektionsrisiko. Sobald es aber voller und eng wird, soll auf jeden Fall eine Mund-Nase-Maske getragen werden. „Auch die Maske längere Zeit zu tragen, ist kein Problem, auch wenn das Atmen einem bei körperlicher Betätigung vielleicht anstrengender vorkommt.“

Aerosole im Freien

Dr. Asbach erklärt: Draußen seien wir weitgehend sicher vor einer Infektion. Es sei aber bekannt, dass wir beim Sprechen ein Vielfaches an Aerosolpartikeln und damit Viren ausstoßen als beim reinen Atmen. Ein gewisses Risiko bleibe, wenn man sich gegenübersteht und mit-einander unterhält.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Solingen? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Solingen.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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