Jugendamt nimmt Kinder in Obhut

Messerattacke: Beschuldigter schweigt zu den Vorwürfen

Die Polizei sperrte die Mühlenstraße in Ohligs in der Nacht zu Freitag ab.
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Die Polizei sperrte die Mühlenstraße in Ohligs in der Nacht zu Freitag ab.

Nachdem in Ohligs ein Ehestreit ein blutiges Ende fand, bleibt der Verdächtige weiter in U-Haft. Er soll bei der Tat alkoholisiert gewesen sein.

  • Bei dem Ehestreit verletzte der Mann  seine Frau mit einem Messer
  • Die Frau rannte blutüberströmt aus der Wohnung auf die Mühlenstraße in Solingen
  • Die fünf Kinder des Paares werden nun vom Jugendamt der Stadt Solingen betreut
  • Der Ehemann sitzt nun in Untersuchungshaft.
  • Die Polizei hat eine Mordkommission gebildet, um die Hintergründe der Tat zu klären

+++Update vom 17. Februar+++

Von Kristin Dowe

Solingen. Der Fall hatte vor einigen Wochen in Solingen für Entsetzen gesorgt: In Ohligs hatte ein 53-jähriger Mann seine 50-jährige Frau i m Streit mit einem Messer attackiert und ihr dabei gefährliche Verletzungen zugefügt. Diese konnte gerade noch rechtzeitig aus dem Haus an der Mühlenstraße flüchten und brach anschließend auf der Straße zusammen. Fahrgäste eines Nachtbusses der Linie 25 hatten die Situation während der Fahrt beobachtet – der Busfahrer hatte deshalb seine Fahrt abgebrochen, die Fahrgäste wurden intensiv von der Polizei vernommen. Das Solinger Jugendamt hatte die fünf Kinder des Paares vorsorglich in Obhut genommen.

Der Solinger Rechtsanwalt Patrick Lauterbach verteidigt den Beschuldigten, der sich zurzeit noch in Untersuchungshaft befindet. Über das Motiv und die Hintergründe der Tat schweige sein Mandant sich bislang aus, eine Anklage liege ebenfalls noch nicht vor. „Er hat in den polizeilichen Vernehmungen und auch mir gegenüber bislang keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht“, so Lauterbach. Er werde noch mit seinem Mandanten besprechen, ob dieser sich zu den Beschuldigungen äußern wird.

„Die Messerstiche lagen im Bereich des Oberkörpers, also in der Nähe lebensnotwendiger Organe“, erklärt der Rechtsanwalt. Die Staatsanwaltschaft gehe bei der Attacke des Mannes deshalb prinzipiell von einem vorsätzlichen Tötungsdelikt aus, dies gehe aus dem Haftbefehl hervor.

In jedem Fall werde der bislang nicht vorbestrafte Beschuldigte, der ebenso wie seine Frau aus dem Irak stammt und einen Aufenthaltstitel bis Mitte 2021 in Deutschland hat, durch ein psychiatrisches Gutachten auf seine Schuldfähigkeit geprüft. „Das ist auf jeden Fall vorgesehen“, so Lauterbach. Dies sei in solchen Fällen ein übliches Prozedere, durch das ein Beschuldigter auf seine Einsichts- und Steuerungsfähigkeit geprüft wird.

Schuldfähig im Sinne des Strafrechts ist ein Beschuldigter dann, wenn er in der Lage ist, das Unrecht seiner Tat zu begreifen, was der Begriff der Einsichtsfähigkeit beschreibt. Steuerungsfähig ist er dann, wenn er dazu in der Lage ist, das Unrecht der Tat einzusehen und auch nach dieser Einsicht zu handeln.

Solingen: Polizei griff Beschuldigten auf dem Boden liegend auf

Ob einer der beiden Faktoren getrübt und somit die Schuldfähigkeit seines Mandanten beeinträchtig war, werde sich zeigen, sagt Lauterbach. Der Mann sei bei der Tat stark alkoholisiert gewesen. „Nachdem Passanten bei der Frau erste Hilfe geleistet hatten, war wohl auch der Mann aus dem Haus gerannt und war später an einer anderen Stelle auf der Straße liegend von der Polizei aufgegriffen worden.“ Dabei hatte der Beschuldigte sich auch selbst Verletzungen zugezogen – ob diese durch ein Kampfgeschehen mit seiner Frau entstanden sind, könne er zurzeit nicht sagen. Zum Gesundheitszustand der geschädigten Frau machte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage keine Angaben.

Unser Artikel vom 2. Februar - Von Kristin Dowe

Solingen. Ein blutiges Ende nahm in der Nacht zu Freitag ein Ehestreit in einem Wohnhaus an der Mühlenstraße in Ohligs. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, verletzte der 53-jährige Ehemann seine 50-jährige Ehefrau zunächst mit einem Messer, bevor sie aus der Wohnung auf die Straße flüchten konnte und dort liegen blieb. Der Mann verletzte sich aus bislang ungeklärten Umständen zunächst ebenfalls leicht und folgte seiner Frau aus dem Haus heraus.

Geistesgegenwärtig reagierte ein Fahrgast in einem vorbeifahrenden Nachtbus der Linie 25, der kurz vor der Haltestelle Virchowstraße auf die Situation aufmerksam wurde und sofort den Notruf verständigte. Die eintreffenden Rettungskräfte versorgten die Verletzungen und lieferten die Frau und den Mann jeweils in unterschiedliche Krankenhäuser ein. Die Kinder des Paares wurden umgehend von Mitarbeitern des Jugendamtes betreut und vorläufig in Obhut genommen. Die Polizei hat im Rahmen einer Mordkommission die Ermittlungen aufgenommen.

Lesen Sie auch: Nach Raubüberfall in Solingen: Polizei nimmt Teenager fest

Diese wird formal immer dann gebildet, wenn der Anfangsverdacht für ein Kapitalverbrechen besteht. Der Beschuldigte wurde am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft einem Haftrichter vorgeführt, der eine Untersuchungshaft anordnete. Die Ohligserin sei aktuell außer Lebensgefahr, berichtet Stefan Weiand, Sprecher der Polizei Wuppertal, auf Nachfrage undlobt das schnelle Handeln des Fahrgastes. Generell fehle es den Bürgern in einer Notsituation in der Regel nicht an Zivilcourage – „die meisten reagieren genau richtig“, versichert er.

Solingen: Polizei befragte Fahrgäste des Busses als Zeugen

Während des Einsatzes sperrte die Polizei die Mühlenstraße bis 2 Uhr morgens. „Der Busfahrer hat sofort unsere Leitstelle informiert und wurde von den Beamten intensiv zu dem Vorfall befragt“, berichtet Silke Rampe, Sprecherin der Verkehrsbetriebe Solingen. Auch die anderen Fahrgäste wurden von der Polizei noch bis spät in die Nacht vernommen und der Bus dafür kurzzeitig sichergestellt.

Zum Schicksal der Kinder, die vom Jugendamt in Obhut genommen wurden, wollte die Pressestelle der Stadt gestern aus Datenschutzgründen keine Auskünfte geben. Derweil ist es keine Seltenheit, dass die Behörde Kinder zu deren Schutz aus ihrer Familie nehmen muss – im vergangenen Jahr hatte das Jugendamt 122 Fälle dieser Art zu verzeichnen. Voraussetzung für eine solche Maßnahme ist immer „eine unmittelbare Gefährdung des Kindeswohls“, teilt Rathaussprecherin Birgit Wenning-Paulsen mit. Diese liege etwa bei Gewalt, Missbrauch, Verwahrlosung und Vernachlässigung vor.

„Die Unterbringung muss geeignet sein, den Schutz und die Versorgung der Kinder sicherzustellen“, heißt es bei der Stadt weiter. Die erste Anlaufstelle für eine Unterbringung seien immer Verwandte, alternativ würden Kinder in einer Pflege- oder Gastfamilie und erst als letzte Möglichkeit in einer Heimeinrichtung untergebracht.

Artikel vom 31.1.2020, 8.58 Uhr

Solingen. Ein blutiges Familiendrama hat sich in der Nacht zu Freitag an der Mühlenstraße in Ohligs abgespielt. Ein Ehepaar geriet zunächst in dessen Wohnung in Streit. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitagmittag mitteilen, verletzte der 53-jährige Ehemann seine Frau noch in der gemeinsamen Wohnung mit einem Messer. Daraufhin flüchtete die 50-Jährige auf die Straße, wo sie verletzt liegen blieb. Ihr Mann verfolgte sie und verletzte sich dabei offenbar ebenfalls. Nach ST-Informationen sollen die fünf Kinder des Paares zu dem Zeitpunkt im Haus gewesen sein. 

Blutiger Streit in Solingen: Eheleute mussten ins Krankenhaus gebracht werden

Ein Fahrgast in einem Linienbus sah die beiden blutüberströmten Personen und alarmierte die Polizei. Die rückte mit zahlreichen Einsatzkräften nach Ohligs aus. Der Ehemann und seine Frau wurden bei dem Ehestreit so schwer verletzt, dass Rettungskräfte sie mit Schnitt- und Stichverletzungen in zwei unterschiedliche Krankenhäuser bringen mussten. 

Die fünf Kinder des Paares wurden vom Jugendamt in Obhut genommen. Zum Alter der Kinder wollte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen. Die Polizei sicherte noch bis in die Nacht hinein Spuren am Tatort. Die Zeugen aus dem Linienbus wurden von der Polizei noch in der Nacht vor Ort befragt. 

Mordkommission hat wegen blutigem Streit in Solingen die Ermittlungen aufgenommen

Die Polizei hat im Rahmen einer Mordkommission die Ermittlungen aufgenommen. Der Beschuldigte wurde am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft einem Haftrichter vorgeführt. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. wi

Immer wieder kommt es in Solingen zu Streitigkeiten, bei denen Messer zum Einsatz kommen. Erst kürzlich landete ein solcher Fall vor Gericht. Dabei ging es um eine Messerattacke unter Schwägern.

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