Chaos bei Kontrollen befürchtet

Impfnachweise sorgen für Verwirrung

Im Klinikum wurden bisher 1700 Mitarbeiter zweimal geimpft. Sie erhielten dabei eine Impfbescheinigung des Klinikums ohne Eintrag ins gelbe Impfheft. Unklar ist, ob das überall als Nachweis anerkannt wird – etwa bei „Click & Meet“. Das Klinikum bejaht das aber. Foto: Christian Beier
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Im Klinikum wurden bisher 1700 Mitarbeiter zweimal geimpft. Sie erhielten dabei eine Impfbescheinigung des Klinikums ohne Eintrag ins gelbe Impfheft. Unklar ist, ob das überall als Nachweis anerkannt wird – etwa bei „Click & Meet“. Das Klinikum bejaht das aber.

Manche brauchen bald keinen Schnelltest mehr.

Solingen. Wenn am Freitag in Solingen wieder Termine im Einzelhandel gemacht werden können, um einzukaufen („Click & Meet“), dann muss noch die Hürde des Einlasses genommen werden. Wer einen höchstens 24 Stunden alten „Bürgertest“ mit Testnachweis hat, für den geht das einfach. Aber es gibt zum Beispiel bereits, Stand Mittwoch, 16 536 Solinger, die schon zweimal geimpft sind. Sie brauchen – ab zwei Wochen nach der zweiten Impfung – keinen Schnelltest, müssen ihre Impfungen aber nachweisen.

Damit fangen die Probleme an. Das wird auch für Restaurants und Co. gelten. Sie könnten bei sinkender 7-Tage-Inzidenz von unter 100 vermutlich zum Ende kommender Woche die Außenflächen öffnen.

Für doppelt Geimpfte ist im Prinzip der gelbe Impfausweis die Eintrittskarte. Den fordert auch Paragraf 22 des Infektionsschutzgesetzes als Nachweis – oder eine Ersatzbescheinigung. Im Klinikum wurden zum Beispiel bislang 1700 Personen des Personals doppelt geimpft. Laut Angaben aus der Mitarbeiterschaft wurde eine eigene Ersatzbestätigung (Foto) ausgestellt und nichts nachträglich in den Impfpass eingetragen. Das sei auch nicht notwendig, sagt Klinikum-Sprecherin Karin Morawietz. Denn die Arbeitsmedizin des Städtischen Klinikums (SKS) habe sich im NRW-Ministerium für Gesundheit nochmals nach der Gültigkeit der verwendeten Impfbescheinigungen erkundigt. „Das SKS erfüllt alle Kriterien des Paragrafen 22 des Infektionsschutzgesetzes und darf diese Form benutzen.“

Probleme könnte es auch für den großen Personenkreis der Geimpften aus dem Impfzentrum ohne Impfpass geben. Dort stellt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) das Ersatzpapier aus – allerdings anders als im Gesetz gefordert ohne Nennung des impfenden Arztes. Lediglich ein Stempel „Impfzentrum Solingen“ weist darauf hin, dass geimpft wurde. Warum das nicht nach Gesetzestext gemacht wird, ließ die KV auf ST-Nachfrage unbeantwortet.

Rechts- und Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) kennt die Situation. Der ihm unterstellte Kommunale Ordnungsdienst wird kontrollieren müssen, ob Händler und Gastronomen korrekt Einlass gewähren. Da gelte zunächst die Regel, dass alles mit vorliegenden Dokumenten „plausibel“ nachgewiesen werden kann. Doch wie ein Händler gültige Impfpässe und Ersatzbescheinigungen von gefälschten unterscheiden oder sicher erkennen kann, dass die Papiere echt sind, dafür kennt auch Welzel den Königsweg nicht.

„Die Stadt hat allen ehemals Corona-Kranken ihren Laborbefund zugeschickt.“

Lutz Peters, Stadtsprecher

Die Unsicherheit bleibt auch für eine weitere Gruppe, die keinen Schnelltest nachweisen muss: 9039 Menschen in Solingen hatten sich – ebenfalls Stand Mittwoch – seit Beginn der Pandemie mit dem Coronavirus infiziert. Die allermeisten von ihnen sind mittlerweile genesen. Auch dieser „Genesenen-Nachweis“ wäre eine gültige Eintrittskarte ins Geschäft. Das Dokument muss dazu älter als 28 Tage sein und jünger als sechs Monate.

Doch wie sieht der Nachweis aus? Dafür hat die Stadt eine Zwischenlösung gefunden. „Der Stadtdienst Gesundheit hat allen ehemals an Corona Erkrankten ihren positiven Laborbefund geschickt“, erklärt Stadt-Pressesprecher Lutz Peters. Es sei bewusst diese Form gewählt worden, weil ja noch völlig unklar sei, wie ein Genesenen-Ausweis selbst aussehen solle und welche Behörde ihn ausstelle.

Die dritte Gruppe der Schnelltestbefreiten betrifft diejenigen, deren Corona-Infektion mehr als sechs Monate zurückliegt. Für sie ist eine einmalige Impfung zur vollständigen Immunisierung durch die Ständige Impfkommission empfohlen. Der doppelte Nachweis – PCR-Test und Einmal-Impfung – ist dann die Eintrittskarte. An die Empfehlung zur Einmal-Impfung halte sich Solingen, erklärt Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit (siehe unten). „Die Frage zum Nachweis ist noch ein Problem, das aber bundesweit einheitlich gelöst werden muss.“

Das NRW-Gesundheitsministerium macht es sich da einfacher. Es teilt dem ST zur Frage der Nachweise mit: „Für die Dokumentation von Impfungen sollte das gelbe Impfbuch verwendet werden. Liegt dies nicht vor, kann eine Ersatzbescheinigung ausgestellt werden.“ Wer das Buch nicht hat, hat zwei Möglichkeiten: Solinger Apotheker können es kostenpflichtig bestellen, sagt deren Sprecher Christian Veithen. Kostenlos gebe es das Impfbuch bei impfenden Hausärzten. Blanko-Pässe könnten Ärzte bestellen, bestätigt die KV Nordrhein. Eine Pflicht zum Nachtragen der Ersatzbescheinigungen gebe es nicht, das sei allein Entscheidung des Arztes. Wie das später in einen digitalen EU-Impfpass übertragen wird, ist weiterhin noch völlig unklar.

Einmalige Impfung

Warum nach einer Covid-Erkrankung nach sechs Monaten zunächst nur einmal geimpft wird, erklärt Dr. Annette Heibges vom Gesundheitsamt: „Aufgrund der bestehenden Immunität nach durchgemachter Infektion kommt es durch die einmalige Boosterung durch die Impfung zu einer sehr guten Immunantwort. Für die Impfung von Genesenen können alle zugelassenen Covid-19-Impfstoffe verwendet werden.“

Standpunkt: Langer Weg zur Freiheit

Von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Salopp könnte man in Sachen Impf- und Genesenachweis sagen: „Warum einfach, wenn es auch schwer geht?“ Ist es zu viel verlangt, wenn bei der Rückgabe der Rechte, die die „Bundesnotbremse“genommen hat, übersichtliche Regeln formuliert werden, die auch Laien kapieren? Offenbar. Wir leben in einem Land, in dem es Aktenordner braucht, um die Bestimmungen zum Bau einer Schnellschraube M5 vorzuschreiben. Da steht kein „oder“, sondern „nur so“ – fertig ist die Schraube. In der Pandemie-Bewältigung ist das nicht so. Je hochrangiger der Politiker, der jetzt um seine Wiederwahl bangt, desto einfacher klingen die Lösungen. In der Praxis bis hinunter zu Ärzten und Bürgern tun sich dann die Abgründe auf. Mangelnde Digitalisierung macht sich dabei bemerkbar. Es herrscht mal wieder Zettelwirtschaft. In Schweden ging das anders. Dort tippten die Impfärzte nicht nur Passnummern in den PC – nein, sogar Datum, Impfstoff, Charge und Arzt wurden festgehalten. Da wird der digitale Impfpass auf EU-Niveau auf Knopfdruck ausgestellt. In Solingen werden wir Schlange stehen.

Sie wollen einen Corona-Schnelltest machen? Hier finden Sie in Solingen die Kontaktdaten und Adressen der Praxen, Apotheken und Testcenter.

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